Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

„Angst-machen“ ist ihr Geschäft!

Angst ist ihr GeschäftKann es uns noch gleichgültig bleiben, wenn die Medien auf alle Kampagnen so begierig aufspringen, um sie dann, wie z.B. mit der Antisemitismus Debatte gegenseitig hochzuschaukeln, um die „Angst vor dem Islamismus“ zu fördern?

Es vergeht kein Moment, in dem nicht ein neuer Bericht über vermeintlichen Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft auftaucht,  insbesondere von links, der rechte wird gern beiseite geschoben, weil  ja gerade in der rechten Medienecke, die sowieso immer Gründe sucht, um Linke als die gefährlicheren Antisemiten auszumachen.

Diese Kampagne hat sich mittlerweile zu einem erschreckenden Phänomen der philosemitschen Unterwürfigkeit „hochgeschrieben“. Keiner möchte dabei abseits stehen, man sucht wie ich schrieb, mit der Lupe nach dem Antisemitismus.

Ja, natürlich gibt es einen Antisemitismus und einen Bodensatz für braunes Denken. Aber ist dieser stärker geworden? Mitnichten. Aber ja, es gibt inzwischen eine Tendenz, alle Abneigung gegen Fremde, gegen den Islam, ihn unter einen Generalverdacht zu stellen. Das Schlimmste daran ist allerdings, wenn der Zentralratsvorsitzende der Muslime, Mazyek, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Schuster, noch zustimmt, wenn dieser Muslime angreift. Da haben sich zwei Zentralräte angeschleimt! (zeit)

Was ist das für eine Hetzkampagne, wenn jüdische Funktionäre Angst schüren wollen, Muslime als gewalttätig gegen Juden bezeichnen, wie es der Präsident des Zentralverbandes der Juden in Frankreich CRIF, Roger Cukierman, tat, als er über Muslime sagte: „Alle Gewalttaten werden heute von jungen Muslimen begangen“ (sueddeutsche)

Dazu passt es dann vortrefflich, wenn der französische Präsident Hollande stärker gegen Volksverhetzung vorgehen will und Antisemitismus und Kinderpornografie auf eine Stufe stellt. (stern) (FAZ)

Ist es etwa keine Volksverhetzung, wenn jüdische Funktionäre Muslime unter einen Generalverdacht stellen?

Tom Segev photo
Tom Segev Photo by Dittmeyer

Wie schrieb schon Tom Segev, der israelische Historiker vor 10 Jahren: „Man beobachte den wachsenden Antisemitismus mit Sorge, aber wo will man die Grenzlinie ziehen zwischen echtem Antisemitismus und legitimer Kritik, an der israelischen Regierung? (Damals unter Scharon). Segev sprach es aus: „Wir manipulieren den Anstieg des Antisemitismus für unsere Zwecke und wenn ich wir sage, dann meine ich die israelische Regierung“, so in einem Gespräch mit Harry Kreisler von der Universität Berkley! (uctv)

Allerdings haben die nachfolgenden israelischen Regierungen und die jetzige unter Netanjahu diese Disziplin der Instrumentalisierung des Antisemitismus zu ungeahnten Steigerungen ausgebaut und verholfen, unter tatkräftiger Hilfe von Medien und Politik weltweit.

Aber speziell in deutschen Medien ist diese Tendenz des Manipulierens, anstatt Fakten zu berichten ein trauriger Tatbestand.
Es scheint mir mittlerweile, dass alles ,was jüdische Funktionäre, Publizisten, Künstler als „gottgegeben“ und wahrhaftig hingenommen wird, während alles Israel-Kritische, auch von jüdischer Seite, inzwischen als nicht mehr relevant gesehen wird.
Gefragt sind nur „Musterjuden“, die mit Auswanderung drohen, und Juden, die eigentlich von Geburt an nur Antisemitismus in Deutschland erlebt haben.

Dazu möchte ich persönlich feststellen, da ich diese Erlebnisse nie hatte, weder in der Kindheit noch heute, verabscheue ich diese wichtigtuerischen jüdischen Ergüsse vieler, die – obwohl immer gut ihr Brot in Deutschland verdienend – sich auf einmal so unwohl fühlen und so negative Erfahrungen von sich geben. Ja, dann sage ich, Reisende sollte man ja bekanntlich nicht aufhalten und ja, warum gehen sie nicht in den „jüdischen Staat“, wo sie diese Erlebnisse sicher so nicht haben werden. Interessant dabei scheint mir allerdings, dass viele dieser so „unglücklichen jüdischen Bürger in Deutschland“, die sich jetzt in den Medien outen, oft nachdem sie in den „jüdischen Staat“ gegangen waren, schnell wieder zurück kamen. Warum?

Wenn man sich so für den „Jüdischen Besatzerstaat“ einsetzt, dann wäre es doch nur konsequent, wenn man auch in diesem seine Heimstätte nähme. So  aber instrumentalisiert man nur „sein“ Judentum.

Ein wirkliches Zusammenleben scheint mir so unmöglich, das sah man auch schon in der Beschneidungsdebatte, wo man jede freie Diskussion verhinderte  und als antisemitisch verurteilte. Leider waren auch die Medien und Politiker wieder mit dabei beim Weichspülen, „der rituellen Körperverletzung“. So werden sofort Gesetze geändert, wenn jüdische Funktionäre Druck machen, aber das ist nicht im Sinne einer gleichberechtigten Wertegemeinschaft!

Weder Beschneidung, noch Antisemitismus eignen sich zu Instrumentalisierung, aber von diesem  demokratischen Denken sind wir noch weit entfernt im Jahr 2015! Aber das Vorgehen des „Jüdischen Staates“ in Palästina wird die Konflikte immer mehr nach Deutschland und Europa bringen, das sehe ich auch nicht als Terror sondern als Chance!

Es wird in den Medien bewusst eine diffuse Angstschürung betrieben, die egal ob es gegen Putin geht oder gegen andere nicht Mainstream-konforme Meinungen immer nur als Ziel „Angstmache“ zu verkaufen im Blick hat, denn Angst schafft Quote und damit Umsatz. Nicht die Realität ist mehr gefragt, wenn es um Antisemitismus und Fremdenhass geht, sondern Gefühle und Empfindungen, die bei empfänglichen Konsumenten dieses Medienfutters ihr Ziel der diffusen Phobien befördert.

Was danach folgt, sind Ängste, die entweder zur Abschottung gegenüber allem Fremden oder aber in offener Aggression ihr Ventil finden.
Ständig werden diese Medienfeuer am Kochen gehalten. Man übertrifft sich gegenseitig in Verschwörungstheorien und Konjunktiven.

Hier ein paar Bespiele von suggestiven Titeln:

Terrorwarnung, alles ruhig (Bremen) (spiegel)
„Wir haben alles Register gezogen“!
Lage fragil, aber friedlich (Ukraine)
Von langer Hand geplant? (Putin und Ukraine)

Diese Reihe lässt sich seitenlang fortsetzen, zeigt aber ja nur die Tendenz.
Uns soll die neoliberale US-hörige Politik näher gebracht werden, damit wir bloß nicht ausscheren aus dieser US-Nato-angebundenen Politik.

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Boris Nemzow Photo by SergeyRod

Wird nicht momentan der Mord an dem Kreml- und Putin-Gegner Boris Nemzow schamlos ausgenutzt, um dem geschürten Putin-Hass freien Lauf zu lassen? Ein mehr als zwielichtiger, ehemaliger Vize des damaligen Kreml-Chefs Boris Jelzin, der sich nach Querelen und Misserfolg vom russischen System und Putin los sagte, um sich im Schoss der westlichen Russland-Kritiker als neuer Liebling der Medien einzubetten und für die Ukraine und die neuen Machthaber dort Partei zu ergreifen und unbedingt zu beweisen, dass Russland und Putin die Aggression in der Ukraine angezettelt hätten. Sofort nach Nemzows Ermordung begannen die Verschwörungstheorien gegen Putin. Von Poroschenko bis zu Timoschenko – die ganze Welt der westlichen Politik überbot sich mit Trauer und Beileidsbekundungen. Ist das vielleicht ein Grund, dass Nemzow „stolz auf seine jüdischen Wurzeln“ war?

Es ist mehr als wünschenswert, dass dieser Mord schnell aufgeklärt wird, damit es aufhört mit Zeitungstiteln über „verschwörungstheorethischen“ Artikeln, mit Aufmachern, wie „Gab der Kreml den Mord an Boris Nemzow in Auftrag?“ (Tagesspiegel)
Übrigens setzte der Kreml sofort eine Belohnung zur Ergreifung der Täter aus. Es ist schon erstaunlich, wie geschlossen die ganze westliche Welt hinter russischen Politikern steht, wenn sie nur gegen Putin opponieren, egal wie umstritten oder kriminell sie auch waren und sind.

Das gilt auch für die ukrainische Kampfpilotin, Nadjescha Sawtschenko, die in russischer Haft sitzt und schon von deutschen Ärzten untersucht wurde. Das erinnert mich fatal an die  deutschen Charité-Ärzte, die die ehemalige ukrainische Oligarchin Timoschenko in der Haft in der Ukraine behandelten. Auch in diesen Fällen sind die Medien voll im Unterstützen dieser gefährlichen Konfrontationspolitik! (FAZ) (FAZ)

Haben wir diese Art von deutscher Regierungshilfe schon einmal für  palästinensische Häftlinge in „jüdischer Besatzungshaft“ erlebt, oder hat eine Zeitung schon einmal so eine Anregung an die deutsche Politik veröffentlicht?

Endlich meinen unsere Regierungspolitiker doch wieder eingebunden zu sein in die Transatlantischen Freundschaftsbande. NSA, Abhören, ist doch nur zu unserem Besten im Kampf gegen den vermeintlichen Terror. Kritisiert nicht der Chefökonom des US-Außenministeriums, Rodney Ludema, die Passivität der Europäer in Sachen TTIP? Er beklagt dass Irrationalität und Verschwörungstheorien dieses so „wichtige Abkommen“ gefährden. Er verschweigt allerdings, dass es gerade die USA sind, die jegliche Transparenz vermissen lassen und bis heute nicht alles auf den Tisch gelegt haben, was in diesem Abkommen steht.

Natürlich sind immer nur die Globalisierungsgegner die Verschwörungstheoretiker, weil sie logischer Weise eben nicht alles widerspruchslos hinnehmen, was unsere Politiker inzwischen mit ihren „amerikanischen Freunden“ vorhaben. Ludema verschweigt allerdings nicht, dass dieses Abkommen eine Chance sei für die USA und Europa ihre Führungsrolle wieder zu gewinnen. Ein mehr als verräterischer Satz!

Bevor überhaupt über dieses Abkommen verhandelt wird, sollten Deutschland und die EU doch erst einmal darauf bestehen, dass die USA verbindlich unterschreiben, dass ihre Konzerne die Steuern in den jeweiligen Ländern so bezahlen, wie es offiziell üblich ist! Alles andere ist nicht hinnehmbar für Europa!

Tatsächlich ist es zwar interessant, wenn US-Außenminister Kerry Netanjahu kritisiert und ihr Zerwürfnis über den Iran-Deal für unüberbrückbar hält. Kerry warf Netanjahu auch Inkonsequenz vor, weil dieser ursprünglich ein Übergangsabkommen mit Iran abgelehnt hatte, jetzt aber für dessen abermalige Verlängerung plädiere. Außerdem erinnerte Kerry Netanjahu daran, dass dieser 2003 den damaligen Präsidenten Bush von der Wichtigkeit des Irak-Einmarsches überzeugen wollte. Was daraus geworden ist wissen wir alle!
So ist Netanjahu nach seinen peinlichen „Juden heim ins Reich Rufen“ und seinem erzwungenen „Mitmarsch“ in Paris nun zu einem „historischen Besuch“ nach Washington aufgebrochen, um die Welt davon zu überzeugen, dass sie und vor allen der „Jüdische Staat“ durch ein Abkommen mit Iran und einem Holocaust durch iranische Atombomben gefährdet sei. So will er speziell  die Sicherheit der „jüdischen Bürger“ sichern!  Vor AIPAC und danach vor dem US-Kongress, gegen den Willen und ohne Einladung der Obama-Regierung – ein einmaliger Vorgang, den sich nur ein Ministerpräsident des „Jüdischen Staates“ leisten kann, der auch noch im Wahlkampf steht. Stellen wir uns einmal vor, Netanjahu käme so nach Deutschland, hinter dem Rücken der Regierung und auf Einladung der Opposition um im Bundestag zu sprechen. Lustig wäre das!

Über den USA Besuch von Bibi, wird noch zu berichten sein!

Dazu als Vorgeschmack, Bibi, der „Wolf im Schafpelz“ an der Klagemauer! (faz)
Machen wir uns aber nichts vor. Ob sich Obama und Netanjahu verstehen, ist mehr als nebensächlich. Auch wenn diese Zusammenarbeit zweier Regierungen als die inzwischen destruktivste  aller Zeiten gilt, die USA stehen immer voll hinter dem „Jüdischen Staat“.

Mitleid und Gerechtigkeit für die Palästinenser, ein Ende der Besatzung, die Aufdeckung des Völkermords in Gaza? Ein Ende  der Abrieglung von Gaza Ghetto? Die Obama Regierung handelt nicht anders als alle anderen vorher.
Ich warte auf den Tag, wo es endlich einen politischen US-Gegenpart zum „Jüdischen Besatzerstaat“ gibt, der im Sinne auch der vielen US-Steuerzahler endlich ein deutliches Zeichen setzt und mit dem Entzug der finanziellen Hilfe droht, bis Israel seine Besatzungspolitik beendet und für seine Völker- und Menschenrechtsverbrechen zur Rechenschaft gezogen wird.

Aber ich glaube, dieser Tag liegt so fern, dass ich ihn leider nicht mehr erleben werde!


 

 

3 Kommentare zu „Angst-machen“ ist ihr Geschäft!

  1. Beim Wort Antisemitismus zeigt sich doch deutlich die ganze Doppelmoral. Wenn ich Geschichte richtig verstehe, sind doch die Araber/Moslems auch Semiten. Alle, die von Abraham abstammen sind Semiten und arabisch ist eine semitische Sprache. Dann ist die Moslem-Hetze purer Antisemitismus.

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