Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Anmerkungen zum Tod von Eli Wiesel – Die Menschenwürde ist unteilbar und gilt für alle Menschen

cropped-evelyn-quer.jpgAnlässlich des unten stehenden  Artikels in der Badischen Zeitung zum Tod von Eli Wiesel, antwortete ich mit einem Leserbrief darauf.

Elie Wiesel als „Botschafter der Menschheit“, „lebendes Denkmal“ und „Gewissen der Welt“ zu bezeichnen, erscheint mir als völlig verklärte und überhöhte Titulierung. Elie Wiesel vertrat Menschenrechte nur, wenn es in seinen Themenkreis passte, und wählte einseitig dafür Themen wie Bosnien, Ruanda oder Darfur aus. Allerdings vergaß er in der Aufzählung ethnischer Säuberungen, bewusst die ethnische Säuberung Palästinas zu erwähnen, da er für den „Jüdischen Staat“ große Bewunderung hegte. Er wollte sich mit dem Argument, dass er nicht in Israel lebte, nicht in Israels Politik einmischen. Was ihn allerdings nicht daran hinderte, die Konflikte in Ländern zu kritisieren, in denen er nach dieser Logik auch nicht lebte. Wenn sein Credo „Gleichgültigkeit ist der Inbegriff alles Bösen“ war, so ist hierbei die Frage zu stellen, warum war er dann „so böse und gleichgültig“ blieb gegenüber der illegalen Besatzung des palästinensischen Volkes und Palästinas?

Dass der „Jüdische Staat“ durch diese grausame Besatzungs- und Eroberungspolitik längst selbst zum Täter wurde, wollte er nicht sehen, schließlich rechtfertigte er doch das brutale militärische Vorgehen und die Besatzungspolitik Israels immer wieder. So ist auch die Elie Wiesel Stiftung für Humanität mit mehr als gemischten Gefühlen zu sehen, die das Schicksal der Palästinenser als ebenfalls bis zum heutigen Tag Leidtragende des Holocaust völlig ausklammerte.

Elie Wiesel hat mit seiner einseitigen Mystifizierung des Holocaust keinen wirklichen, sondern nur einen „ausgesuchten“ Humanismus gezeigt. Tatsächlich war Wiesel doch unter vielen Holocaust-Überlebenden nicht unumstritten. Denn Menschenwürde ist unteilbar und gilt für alle Menschen, wo er doch die Moral als „Respekt für deinen Mitmenschen“ definierte, aber die palästinensischen Mitmenschen nicht einbezog. Dies alles warf ich Wiesel übrigens schon persönlich während mehrerer Treffen in New York vor vielen Jahren vor. Darauf fand er keine Antwort. Insofern ist kein „Unersetzbarer“ von uns gegangen.

Evelyn Hecht-Galinski, Malsburg-Marzell

Tod des Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel löst weltweit Trauer aus

04. Juli 2016 Für Bundeskanzlerin Angela Merkel war er „eine Stimme der Moral und Humanität“. In der Laudatio des Friedensnobelpreises, den Elie Wiesel 1986 erhielt, wurde er als „Botschafter der Menschheit“ gewürdigt. Die Welt kannte ihn, den Holocaust-Überlebenden, als herausragenden Zeitzeugen und Publizisten.

Hier ist meine Gegenrede veröffentlicht worden:

http://www.badische-zeitung.de/leserbriefe-68/die-menschenwuerde-ist-unteilbar-und-gilt-fuer-alle-menschenChristoph Gurlitt

09. Juli 2016 – Kommentar von Christoph Gurlitt

Die Nakba darf nicht verschwiegen werden

Dass Frau Evelyn Hecht-Galinski auf eine dunkle Seite von Herrn Elie Wiesel hinweist, ist richtig und wichtig. Gerne werden Menschen oft einseitig beurteilt, sei es, dass wir uns nicht in ihre damalige bzw. heutige Situation hineinversetzen, sei es, dass wir die inneren Konflikte nicht nachvollziehen können. Wer sich aber um Menschenrechte verdient machen will, dabei aber die Nakba (= Katastrophe oder Unglück: die Vertreibung des palästinensischen Volkes 1948) verschweigt, „vergisst“ großes Leid. Hier handelt es sich dann tatsächlich um einen „ausgesuchten Humanismus“. Das Leid der Juden durch die Schoah und das Leid der Palästinenser ist nicht zu vergleichen, auf keinen Fall, aber trotzdem muss immer wieder auf beides hingewiesen werden. Auch dafür setzt sich Frau Evelyn Hecht-Galinski immer wieder ein. Das ist wichtig und gut.

1 Kommentar zu Anmerkungen zum Tod von Eli Wiesel – Die Menschenwürde ist unteilbar und gilt für alle Menschen

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