Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

„Arbeit macht frei“ – Gilt das auch für Palästinensische Kinder unter Besatzung?

Arbeit macht frei

 

Soeben legte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), einen Bericht vor, der in schrecklicher Deutlichkeit die Ausbeutung von palästinensischen Kindern durch jüdische Siedler, in illegalen Völkerrechtswidrigen Siedlungen im besetzten Palästina darlegt. (1)

Diese Kinder arbeiten unter furchtbarsten Bedingungen, in größter Hitze, ohne dass sie eine medizinische Versorgung, oder Absicherung erhalten. Arbeitsverträge werden nicht geschlossen, dadurch ist es den Palästinensern auch unmöglich irgendwelche Rechte durchzusetzen. Sie werden in der Landwirtschaft eingesetzt und müssen dort die schwersten Arbeiten übernehmen. Der jüngste dieser befragten Tagelöhner war erst 11 Jahre alt! Allerdings sind die Arbeitsbedingungen der besetzten Palästinenser generell unerträglich! (2)

Nach Informationen der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem wurden von 1967 bis Ende 2012 im illegal besetzten Westjordanland 125 jüdische Siedlungen errichtet. hinzu kommen noch rund 100 vom „Jüdischen Staat“ nicht genehmigte, „wilde Siedlungen“. (3)

Nach internationalem Völkerrecht ist dieser Unterschied allerdings falsch, da alle Siedlungen auf  besetztem und geraubtem Land illegal sind!

Derzeit leben übrigens mehr als eine halbe Million jüdische Siedler in den illegalen Siedlungen, den „bewachten Wohnanlagen“, inmitten von etwa 2,7 Millionen eingemauerten Palästinensern! Dieser unerträgliche Zustand ist nur die Spitze des Eisbergs, da er zusätzlich zum Elend der Besatzung gegen die palästinensische Bevölkerung, speziell das Leiden der besetzten Kinder aufzeigt!

So ist der neuerliche EU-Vorstoß zu Siedler-Produkten, in dem 16 Außenminister der Europäischen Union, die EU-Beauftragte Federica Morgharini dazu aufgefordert haben, die Kennzeichnung von Produkten aus israelischen (jüdischen!) Siedlungen in den besetzten Gebieten eindeutig festzuschreiben. So soll es Verbrauchern ermöglicht werden, diese Produkte zu erkennen und nach Wunsch zu boykottieren!

In dem Text heißt es u.a., die seit Jahren diskutierte Kennzeichnung von Siedler-Waren sei „ein wichtiger Schritt für den Erhalt einer Zwei-Staaten-Lösung“. Unterschrieben wurde dieser Brief von Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien.

Ausgerechnet Deutschland, dass sich ja immer so „vehement“ für die „Fata Morgana“ der „Zwei-Staaten-Lösung“ einsetzt, gehörte nicht zu den Unterzeichnern des Briefes und hielt sich wie immer zurück! Frank-Walter Steinmeier, der SPD-GRO/KO-Außenminister, wollte und konnte nicht, aufgrund der „besonderen Beziehungen“ Deutschlands zu Israel.

Diese Einleitung bringt mich zum Thema des Titels zurück, den unsäglichen Nazi-Vergleichen! Haben es nämlich gerade Politiker im „Jüdischen Staat“ zu ihrem Lieblingsthema gemacht, Kritik an der Politik des „Jüdischen Staates“ sofort mit Nazi-Vergleichen zu begegnen. So schallte es sofort nach Unterzeichnung dieses Briefes vom Rechtspopulisten und Politiker der „Israel Beitenu“-Partei und „Noch“-Außenminister Avigdor Lieberman, dass ihn diese mögliche Kennzeichnung an den „gelben Judenstern“ im deutschen Nationalsozialismus erinnere!

Er verglich seine EU-Amtskollegen mit Nazis! 
Auch der gerade wieder gewählte neue und alte Ministerpräsident des „Jüdischen Staates“, Bibi Netanjahu, benutzte ausgerechnet den Holocaust-Gedenktag, um diesen mit Nazi- Vergleichen für seine durchsichtigen Gründe zu instrumentalisieren. Wieder einmal warnte er vor dem Iran, indem er der internationalen Staatengemeinschaft vorwarf, „ihre Augen vor der aggressiven Politik des Irans zu verschließen, wie einst gegenüber den Nationalsozialisten in Deutschland“. Netanjahu weiter: Damals habe die freie Welt versucht, das NS-Regime zu beschwichtigen und seinen guten Willen zu kaufen. Warnungen seien ignoriert worden. und auch heute sei die Blindheit groß. Dabei finde die Aggression des Irans und dessen Unterstützung radikaler islamistischer Gruppen etwa im Jemen, in Syrien oder Gaza(!) vor aller Augen statt.

Was sich Netanjahu da geleistet hat, übersteigt das Erträgliche! Nicht Iran hat dem „Jüdischen Staat“ gedroht, sondern dieser droht dem Iran ständig mit Angriffen. Netanjahu plädiert auch für die Beibehaltung der Sanktionen gegen Iran und ist ein entschiedener Gegner des  Nuklear-Abkommens mit Iran. Warum wohl nur? Weil der „Jüdische Staat“ als einzige Atommacht im Nahen Osten und einzige Bedrohung für alle Nachbarn bestehen bleiben will. Der „Jüdische Staat“ ist doch eine einzige Abschreckung für jeden friedfertigen Nachbarn, ganz das Bollwerk gegen den Islam!

Da möchte ich erneut auf den verstorbenen, aber unsterblichen Literaturnobelpreisträger Günter Grass hinweisen, der genau das sagte und mit „letzter Tinte“ in seinem Israel-Gedicht „Was noch gesagt werden muss“ schrieb: „“Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden“? (4)

In seinem letzten Interview für die spanische Tageszeitung El-Pais, das quasi einem Vermächtnis gleichkommt, warnte er vor einem Dritten Weltkrieg. Ich habe den deutschen Link mit Auszügen und für alle Leser, die spanisch verstehen, auch das Original-Interview aus El-Pais dazu gestellt. (5) (6)

Zum Glück war Grass ein „Unbequemer“, „Bequeme“ haben wir schon zu Genüge! (7) (8)

Ich empfinde es als Schande und Verbrechen am Gedenken und Andenken, den Holocaust zu missbrauchen, wie es Politiker im „Jüdischen Staat“ und von diversen jüdischen Organisationen immer wieder tun. Hier ein paar besonders bezeichnende Beispiele für diese Art der zionistischen Instrumentalisierung:

Schon 2001 rief der damalige Sprecher des sogenannten Siedlerrats, Jehoshua Mor-Josef, dazu auf, „Hitler-Arafat“ zu töten.
Menachim Begin der ehemalige Führer der Terrororganisation Irgun, spätere Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger, nannte Palästinenser „Tiere auf zwei Beinen“ (Untermenschen!)

Begin verglich auch die Nationalcharta der PLO mit Hitlers „Mein Kampf“, Arafat nannte er häufig den „neuen Hitler“, oder den Libanon-Einmarsch, als ob sie in das Warschauer Ghetto einmarschiert wären.

Ariel Scharon, der „Schlächter von Libanon“, der Sabra- und Schatilla-Mann, verglich Arafat mit Hitler. Hierzu ein sehr interessanter Bericht aus dem Jahr 2002, der zeigt, wie Scharon den Nahen Osten an den Rand des Krieges brachte! (9)

Festgenommenen Palästinensern wurden Nummern wie KZ-Nummern auf den Arm geschrieben.

Auch David Ben Gurion hatte schon sehr früh damit begonnen, den damaligen ägyptischen Präsidenten Nasser als „Hitler“ zu beschimpfen.

Der Begriff  der „Auschwitz Grenze“ für die Grenzen von 1967 wird immer wieder von vielen Politikern im „Jüdischen Staat“ gern verwendet! Ich schrieb darüber schon unter dem Titel: „Eingemauert im Ghetto der Auschwitz Grenze“! (10)

Moshe Feiglin, eines der übelsten Vertreter in dieser Sammlung, war schon sehr früh ein „Hitler-Verehrer“ und hatte einen „unnachahmlichen Gaza-Genozid-Plan“ (11)

Auch viele rassistische Rabbiner von Dov Lior oder David Batzri bis zu Shlomo Aviner sparten nicht mit diesen Vergleichen und wollten Palästinenser töten, „auch ihr Vieh und ihre Babys“!

Bis heute schmieren die jüdischen  Siedler in Hebron und Jerusalem Graffiti auf Mauern, in denen steht: „Araber ins Gas“.
Jugendliche im „Jüdischen Staat“ tätowierten sich KZ-Nummern ein, oder ebenso geschmacklos, die Regierung ließ Tattoos mit KZ-Nummern früherer KZ-Häftlinge an die Schüler in Schulen verteilen! (12)

Aber inzwischen ist man im „Jüdischen Staat“ dazu übergegangen, die „Holocaust-Instrumentalisierung bereits im „Kindergarten zu starten! (13)

Ich empfehle hierzu das Buch von David Novick „Nach dem Holocaust der Umgang mit dem Massenmord“, das einige sehr gute Erklärungen für dieses Phänomen gibt. (14)

Obwohl doch der „Jüdische Staat“ im letzten Jahr ein Gesetz auf den Weg brachte, das aus „Rücksicht auf Holocaustüberlebende“, unter Strafe stellte, Andere als Nazis zu beschimpfen oder Symbole des Nationalsozialismus zu verwenden. Ganz egal, ob sie gemalt, fotografiert, skizziert oder in Form einer Statue dargestellt sind. Ausnahmen sind die Verwendung im Unterricht, oder zu Dokumentationszwecken!

Diese „Ausnahmen“ werden seit der Staatsgründung vor 67 Jahren gründlich „benutzt“ um Völkerrechts- und Kriegsverbrechen zu vertuschen und jegliche Kritik im Ansatz zu stoppen!

Der Holocaust ist eine schreckliche Tatsache und kann gar nicht geleugnet werden, aber die Nakba, die Vertreibung der Palästinenser aus Palästina, vor 67 Jahren ebenso!

Vergessen wir auch nicht die „Konzentrationslager“ für die Palästinenser nach  der Staatsgründung des „Jüdischen Staates“ 1948 in Palästina und den Verbrechen der Nakba, der Katastrophe! (15)

Auch aus diesem Grund werden NGO`s, also Nichtregierungsorganisationen im „Jüdischen Staat“ so bekämpft, wie z. B. Zochrot (Erinnerung), die israelische Organisation, die jüdische Bürger an die Verbrechen der Nakba erinnern will und dafür verfolgt wird.

Ebenso, viele aufrechte Journalisten, wie Gideon Levy und Amira Hass, Kriegsgegner und Aktivisten im „Jüdischen Staat“ auch, die nicht mehr schweigen wollen! (16) (17) (18)

Mir gibt der soeben veröffentlichte Jahresbericht der Wohlfahrtsstiftung für die Holocaust-Überlebenden (FBHV) zu denken, der festgestellt hat, dass ein Viertel der Holocaust-Überlebenden im „jüdischen Staat“ in Armut lebt und sich deren Lage zusehends verschlechtert!

Also jeder vierte Holocaust-Überlebende der 189.000 noch Lebenden, das sind 45.000 unter dem Existenzminimum, natürlich hauptsächlich Frauen! Das ist die Schande, der Politiker im „Jüdischen Staat“, die ermordeten Holocaust-Opfer für ihre politischen Ziele instrumentalisieren, aber die noch Lebenden allein lassen! (19) (20)

Aber was kann man von einem „Jüdischen Staat“ mit dem „Jüdischen Anspruch auf Anerkennung“ und den „Jüdischen Religionsgesetzen“ als Grundgesetz schon erwarten? (21)

Mich erinnern diese Gesetze fatal an die „Nürnberger Rasse-Gesetze“, das „Reichsbürgergesetz“ zum „Schutz des deutschen Blutes“ !

Das ist kein Vergleich, sondern eine furchtbare Erinnerung.

Auch das sogenannte Rückkehrrecht, das allen Juden gestattet, in den „Jüdischen Staat“ „zurückzukehren“, aber den beraubten und enteigneten Palästinensern dieses legale Recht verweigert, ist eine Folge des Holocaust und muss endlich anerkannt werden!

„Jüdischer Staat“ und Demokratischer Staat, dass widerspricht sich und geht nicht und passt nicht zusammen!

 

 


 

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