“Aufgewacht in der Bundesrepublik” Von Bernd Weikl                                               

Ein neuer Gastbeitrag von Bernd Weikl zur “Wiedervereinigung

 

“Aufgewacht in der Bundesrepublik”

Von Bernd Weikl

                                              

 

Bei meinen Gastspielen an der Berliner Staatsoper habe ich während die DDR noch existierte, immer im „Hotel unter den Linden“ gewohnt. An den Übergängen von West nach Ost konnte ich wenigstens einen Vertrag mit der Staatsoper vorweisen. Zuweilen war auch das mit längeren Aufenthalten vor dieser hölzernen Bude und genauer Musterung meines Gesichtes verbunden.

Jede Vorstellung an der Staatsoper wurde mit 2 Drittel Ost und 1 Drittel West bezahlt. Da ich als Westler die DDR noch vor Mitternacht wieder verlassen musste, kam ich nach dem Abschminken und dem Empfang meiner Gage immer wieder in letzter Minute zu dieser hölzernen Bude und dem Uniformierten, dem ich dann erklären musste, dass ich gerade eine Opernvorstellung hinter mir hätte und solche Abende würden eben so lange dauern.

 

Meine Antwort schien ihm nicht sehr zu gefallen, so dass er mich fragen musste: „Haben Sie noch Devisen?“ Auf mein „Ja“ war er schon grantig: „Wie viel“? Meine damalige Antwort: „Zwölfhundert Ostmark“ hat ihn völlig aus der Fassung gebracht. Er brüllte mich an: „Dann tragen Sie doch das Geld auf die Bank!“ „Die Banken sind doch um Mitternacht geschlossen“, dass brachte ihn ganz aus der Fassung. Er rief einen Offizier. Ihm konnte ich endlich die Situation glaubhaft erläutern.

 

Zum feierlichen Konzert zur Wiedervereinigung gab es die 9. Beethoven unter dem großartigen Dirigenten Kurt Masur. Ich wohnte wieder im Hotel unter den Linden.

Und dann marschierte ich im Frack mit weißer Fliege, die Noten unter dem Arm hin zum Schauspielhaus auf dem Gendarmenmarkt. Das Schauspielhaus war von zahlreichen Polizisten umkreist. Und als ich als Solist des Konzerts dort hinein wollte, wurde mir der Eintritt verwehrt. Ähnlich der Situation am Schlagbaum zwischen Ost und West und „Haben Sie noch Devisen?“ wurde ich sehr streng befragt, was ich denn da drinnen zu suchen hätte. Man hatte den anderen Solisten ein Einlasspapier gegeben, mich aber vergessen. Es hat mich allerhand Erklärung bedurft bis ich auch den Saal betreten durfte.

 

Nach dem Konzert ging ich – wie immer – in das „Hotel unter den Linden“ und wachte am nächsten Morgen in der Bundesrepublik auf.

 

 

 

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