Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

CHARLIE-HEBDO oder „Der Verrat der Intellektuellen“

charlie hebdo photo
Photo by Valentina Media

(Übersetzung des Artikels „La trahison des clercs“ von Jacob Cohen vom 7. Januar 2015)

Ich übernehme diesen Titel einem Buch aus den 20er Jahren, in welchem der Autor die damaligen Intellektuellen kritisiert, die sich dem politischen Kampf abgewendet hatten.

Wo ist der Bezug zum heutigen Attentat?

So ist Charlie-Hebdo eine satirische, anarchistische, revolutionäre, ätzende Zeitung, Feind aller Mächte, die alle Missbräuche angeprangert hat (damit Sie sich eine Vorstellung machen können: sie war die erste, die die Atomkraft angeprangert hatte und die den kapitalistischen Wachstum schon ab Ende der 60er Jahre, und, man sollte ihre hervorragenden Titelseiten („Unes“) , ihre Zeichner wie Reiser oder ihren anarchistischen Pseudophilosoph, den Professor Choron, nicht vergessen). Diese Zeitschrift, die eine wahrhaftige Institution des revolutionären, gallischen Geistes war, wurde durch einen gewissen Philippe Val, der einiges auf dem Kerbholz hatte und der sich bei Bernard-Henri Lévy verdingte, in Geiselhaft genommen und wandelte sich in ein pro-zionistisches Organ, indem sie über die Araber und insbesondere die Palästinenser lästerte, den CRIF  (Pendant zum Zentralrat der Juden in der Schweiz) und seine Lakaien anbetete und ging soweit, dass sie die Flagge der unbegründeten und wahnhaften Islamophobie schwenkte und alles, was wie Islam oder Moslems aussah, ausspie. Es scheint – Sarkosy hatte es gesagt, also sehen Sie die Verbindung -, dass es der Preis für die Redefreiheit sei. Dieses Prinzip hat aber immer vor der Schwelle der Synagogen, des Alten Testaments, des zionistischen Regimes, der Shoa usw. Halt gemacht, um denjenigen nicht weh zu tun, die „viel gelitten haben“. Die Moral der Geschichte – und man kann dieses Prinzip auf andere Kollaborateure ausweiten – Philippe Val wurde Direktor von France Inter. Und Charlie-Hebdo ist weiter auf dem schönen Weg der Kollaboration mit den aktuellen Mächtigen marschiert, was ihr finanzielle, medienwirksame politische Unterstützungen gebracht hat.

Es ist nicht das erste Mal, dass es der jüdisch-zionistischen Lobby gelingt, ein Presseorgan „umzuwenden“, wie man einen Spion „umwendet“. Ich werde zwei Beispiele nennen, die mir besonders aufschlussreich erscheinen. Erstens „Les Lettres Modernes“, eine nach dem Krieg von Sartre gegründete Zeitschrift, die das antiimperialistische Denken auf höchstem Niveau darstellte. Die Zeitschrift wurde von Claude Lanzmann, der Autor des Filmes „Shoah“, der ihm Millionen eingebracht hatte, weitergeführt und er machte daraus ein Käseblatt zu Dienste des Zionismus. Das andere Beispiel ist „Libération“, worüber ich nicht länger schreiben werde, da seine Kollusion mit dem Zionismus offensichtlich ist und sein Hass des Islam unermesslich.

Diese Kampagnen islamischer Propaganda und Unterstützung für Amerika und Israel haben das unangenehme Nachspiel, ein abscheuliches Klima zu schaffen und blinde Gewalt- und Rachetriebe hervorzurufen. Das wirft man gewöhnlich dem „Terrorismus“ vor. Das ist ein wohlbekanntes Phänomen in den Gesellschaften unter imperialistischer Herrschaft, die kein anderes Mittel haben, um sich zu verteidigen. Der „Terrorismus“ wird durch die herrschenden Mächte geschaffen und gespeist, absichtlich oder nicht, und gibt ihnen damit einen Grund sich gegen die „Barbarei“ der Beherrschten zu wenden. Denken wir an die Bewohner von Gaza. Was hatten diejenigen im Hinterkopf, die den Irak und Libyen zerstört haben und Kriege in Afrika führen? Warum nimmt Frankreich an diesen Kriegen teil und wer profitiert davon? Warum diese ewigen Hetz- und Verunglimpfungskampagnen gegen die Moslems? Zum größten Teil um der jüdisch-zionistischen Lobby, Amerika und Israel gefällig zu sein!

Charlie-Hebdo, wie alle Medien in Frankreich tragen eine enorme Verantwortung in diesem allgemeinen Chaos. Immer mit dem Feuer zu spielen zum Vorteil von Interessen, die nicht die des französischen Volkes sind, führt letztendlich zu Attentaten und man riskiert einen Bürgerkrieg. Es wäre an der Zeit, dass diese „Kleriker“, d.h. die,  die eine intellektuelle Verantwortung tragen, zur Vernunft zurückkehren.


 

Übersetzt von Christine Reynaud

1 Kommentar zu CHARLIE-HEBDO oder „Der Verrat der Intellektuellen“

  1. Die Übersetzung dieses Artikels von Christine Reynaud ist außerordentlich verdientsvoll! Dank an Christiane und Dank auch an Evelyn !

    Am 7. dieses Monats kündigten zahrleiche Kultursender (auch DLF) geradezu schwärmerisch das am kommenden Tag (also gestern, am Tag dieses schrecklichen Mordes bei „Charlie Hebdo“) erscheinende Buch des französischen, meistens mit Sex-Geschichten in allen seinen Formen bekannt gewordenen, Erfolgsautors Michel Houellebequ „La Soumission“ (die Unterwerfung). Keinem der Rezensenten und Schwärmers kam in den Sinn, dass dieses Buch kaum etwas Anderes als eine „französisch-literarisch-verfeinerte“ Version der eher flachen deutschen Buchausgabe eines deutschen Möchtegernliteraten mit seinem „Deutschland schafft sich ab“ sei. Ein literarisches Machwerk, das deutsche, wohlgemerkt, welches ohne Problem in jene anderen eines Henryk M. Broder einzureihen wäre. Nun ist es gleichermaßen verwunderlich wie tragisch, dass die neueste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ auf der Titelseite mit gerade jenem Buch des Houellebequ „geschmückt“ werden sollte. Wer hat hier wen manipuliert? Aber auch in der bundesdeutschen literarischen Welt machte es offensichtlich kein Problem, dass hier ein Autor auf gefährlichste Weise mit dem Feuer spielt. „Charlie Hebdo“ aber wurde damit, wissentlich oder unwillentlich, zu einem agierenden Spielball des Anti-Islamismus, in einer vorhersehbaren aufgeladenen Stimmung in Frankreich.

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