Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Dankesrede nach der Verleihung des Kölner Karls-Preises am 28. 9. 2014 „Karl Marx lebt fort“

Lieber Peter, liebe Anneliese und lieber Andreas, lieber Ken, lieber Wolfgang, liebe Maren, lieber Walter und lieber Klaus, und liebe Freunde, ganz besonders möchte ich mich auch bei allen Freunden und Mitstreitern bedanken, die extra hierher nach Köln von weither angereist sind, um diesen Abend hier mit uns zu verbringen.

Evelyn Hecht-Galinski mit der Karl-Marx-Medaille Foto: arbeiterfotografie.com
Evelyn Hecht-Galinski mit der Karl-Marx-Medaille
Foto: arbeiterfotografie.com

Was für ein Preis und was für ein Namensgeber dieses Preises! Vor allen Dingen aber, was für eine Zeitung, die diesen Karls-Preis alle zwei Jahre vergibt. Bei diesen illustren Vorgängern, Werner Rügemer 2008, Wolfgang Bittner 2010 und Rolf Gössner 2012, fühle ich mich natürlich noch geehrter, diesen Preis zu bekommen und dazu noch als erste Ich danke allen, die mich auserkoren haben, für mich selbst sehr überraschend, mich mit diesem Preis auszuzeichnen.

Interessanterweise freuten sich und gratulierten mir so viele nette Menschen schon in den vergangenen Tagen, dass ich richtig gerührt war, über deren Anteilnahme. Allerdings gab es aus gewissen „semitischen Kreisen“ einen verhinderten Satiriker, dessen geistiges Auffassungsvermögen etwas überfordert schien und der versuchte, die Preisverleihung herabzuwürdigen. Ich allerdings gab dieser Stimme die ihr zustehende Bedeutung: KEINE!

Von großer Bedeutung ist es hingegen für mich, dass ich ein Redaktionsmitglied in dieser Zeitung sein darf, und so bemühe ich mich gerne, wöchentlich einen Kommentar vom „Hochblauen“ für die NRhZ zu schreiben. Besonders stolz macht es mich, dass ich in Peter Kleinert einen wirklichen Freund gefunden habe, der jede meiner oft etwas umständlichen Zeilen versteht und wenn nötig redigiert.Ich bin auch dankbar, dass die NRhZ, im Gegensatz zu den angepassten Mainstream-Medien, noch ein Rückgrat hat, ohne einzuknicken vor Kritik und unzensierten Journalismus auch der unbequemen Art veröffentlicht. Meistens kommen diese Kritiken ja von Gegnern, die sich oft sehr diffamierend äußern, ohne diese jedoch mit Fakten zu belegen. Dadurch verglühen sie immer mehr in Belanglosigkeit.Ich las in einem sehr interessanten Artikel über Karl Marx, dass auch er in seinen Texten immer aggressiver wurde, bis ihn die preußische Regierung auswies. Ich hoffe, dieses Schicksal bleibt mir trotz meiner provokanten und direkten Texte erspart! Karl Marx lebt fort. Die NRhZ lebt fort, in ihrer Vielseitigkeit der Meinungsfreiheit, die ich so schätze und so oft bei anderen vermisse. Daher werde ich auch diese wunderbare Medaille mit dem Karl Marx-Emblem in Ehren halten!

Das Preisgeld von 198 Euro – wegen des 198sten Jahres nach dem Geburtstag von Karl Marx – spende ich an meinen Freund Walter Herrmann von der Kölner Klagemauer und danke den drei Klagemauer-Mitstreitern Walter, Klaus und Arnold für ihre Aktivitäten. Gerade heute, in diesen unruhigen Zeiten der Gauckler und Drohnenkönige wird es immer wichtiger, den Finger in die Wunde zu legen und Missstände anzuprangern, die sonst kein Forum mehr finden.

Inzwischen beschäftige ich mich als politisch interessierte Bürgerin auch mit Themen wie Russland, und Putin-Bashing und dem Ukraine-Konflikt. Denn Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen werden nach Doppelstandards bewertet. Das macht mich so wütend, genau wie die unsägliche Antisemitismuskampagne der Springernden Republik unter Federführung des grauenvollen Graumann. Dazu möchte ich sehr gern zwei Teile aus einem Gedicht eines meiner Lieblingsdichter zitieren:

Zur Zeit der Verleumder

Sie nennen mich
Verräter an meinem Volk
Sie nennen mich
jüdischer Antisemit
weil ich spreche von dem
was sie tun in Israels Namen
gegen Palästinenser
gegen Araber anderer Länder
und auch gegen Juden
die totgeschwiegen werden Später einmal
werden Juden übrigbleiben
wenn dieser Wahnsinn vorbei ist
zu suchen beginnen
nach Spuren von Juden
die nicht mittaten
sondern warntenIch jedenfalls bin schon sehr früh aufgestanden und habe gewarnt. Ich bin sehr froh, noch in einer multikulturellen Vielfaltsgesellschaft in Deutschland zu leben und möchte diese nicht durch Kampagnen und Phobien zerstört sehen.
Und ich für meinen Teil finde, dass wir, die hier Versammelten eine Menge da gegen diese Zerstörung tun! Das sollte uns Ansporn sein und Elan zum Weitermachen geben, auch wenn es manchmal nicht leicht fällt!

Einer meiner Lieblingskabarettisten, Georg Schramm, sagte einmal einen Satz, den ich nie vergessen habe, ich zitiere: „Ich habe die Wut nicht erfunden, ich habe ihr nur eine Stimme gegeben!“ Allerdings sagte er auch einmal, es sei alles für die Katz! Da ich einen Hund habe, mache ich weiter.

Zum Schluss noch etwas Persönliches: Ich danke meinem Mann Benjamin, der immer an meiner Seite ist, mich immer unterstützt. Ohne seine Hilfe und seinen Zuspruch hätte ich manchmal vielleicht schon aufgegeben!

Ganz herzlichen Dank auch an meinen Freund Ken Jebsen, der extra aus Berlin angereist ist, um die Laudatio zu halten, und seinen Kameramännern Paul und Marvin, die diese wertvollen Momente für uns festhalten und demnächst – auch in der NRhZ – veröffentlichen werden. Es ist wunderbar, dass es noch so viele Idealisten gibt. Darauf sollten wir nachher alle das Glas erheben.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: