Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Das Duell Von Volker Weidermann Kiepenheuer& Witsch

War es wirklich ein Duell? Konnte Marcel Reich-Ranicki wirklich  duellieren mit dem begnadeten Nobelpreisträger Günter Grass? Es ist Volker Weidermann zu danken, dass er  die Biografien von Grass und Reich-Ranicki so gegenüberstellt und damit die Fragen nach Widerstand, Schuld und Verfolgung aufstellt. Für mich war Günter Grass der Dichter der Nachkriegszeit, der sich für die Freiheit Palästinas einsetzte und mit seinem Gedicht „Was noch gesagt werden muss“ ein Zeichen setzte. Reich – Ranicki dagegen war mir kein Vorbild, sondern mehr als suspekt. Auch seine literarischen Versuche waren mehr als peinlich. Als Kritiker zu wirken, sagt nichts über menschliche Qualitäten aus, ganz im Gegenteil. Ich bin dankbar für meinen schriftlichen Gedankenaustausch mit Günter Grass, den ich nie vergessen werde. Leider war es durch Widrigkeiten nicht mehr möglich, ein persönliches geplantes Treffen zwischen uns zu verwirklichen. Solche aufrechten und mutigen Intellektuellen wie ihn, vermisst man heute, er fehlt. Ein wichtiges Buch, dass mir viele neue Einblicke gebracht hat.

Das Duell

Der Dichter und sein Kritiker – eine wechselvolle Fehde und ein großes Stück deutscher Geschichte. Die „Zwangsehe“, wie Günter Grass sie einmal nannte, wurde offiziell am 1. Januar 1960 geschlossen: An diesem Tag besprach der damals 39-jährige Kritiker Marcel Reich-Ranicki „Die Blechtrommel“ des gerade 32-jährigen Autors. Er verriss den Roman.

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