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Das Prinzip Telepolis Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

 

Wie kritischen Artikeln die Wirkung genommen wird
Das Prinzip Telepolis
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Es ist zum Staunen. Wir lesen: „Israelkritik kann Antisemitismus sein“. Oder: „Nobelpreis für einen ‚Genozid-Leugner'“. Es sind die Überschriften von zwei Artikeln. Im ersten Fall geht es um die Verabschiedung eines Resolutionsentwurfs in der französischen Nationalversammlung, der die IRHA-Antisemitismus-Definition zum Maß aller Dinge erhebt. Im zweiten um die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke. Was schließen wir? Richtig: in Artikel 1 wird die Auffassung des Autors dargelegt, dass Israelkritik Antisemitismus sein kann, und in Artikel 2 wird vermittelt, dass der Literaturnobelpreis an einen Genozid-Leugner verliehen worden ist – also dass Peter Handke ein Genozid-Leugner ist. Und in Artikel 2 springt uns zudem ein grauenhaftes Bild vom „Schädel eines Opfers des Massakers in Srebrenica“ entgegen. Da wird eine Leserin, die – oder ein Leser, der – von Hetze und Propaganda der Herrschaftsmedien die Nase voll hat, sich abwenden. Sie oder er wird sich sagen: für so etwas ist mir die Zeit zu schade. Doch, oh Wunder, ganz so ist es nicht. Die Inhalte der Artikel besagen so ziemlich das glatte Gegenteil. Und wo entdecken wir dieses Phänomen? In einem Online-Magazin, das sich Telepolis nennt und als „alternativ“ gilt. Haben wir damit das „Prinzip Telepolis“ entdeckt? Sehen wir uns die Artikel etwas genauer an.

„Israelkritik kann Antisemitismus sein“

Der Artikel „Israelkritik kann Antisemitismus sein“ wird mir dem folgenden Satz eingeleitet: „Die französische Nationalversammlung stimmte mit großer Mehrheit für die ‚Arbeitsdefinition der Internationalen Holocaust Alliance gegen Antisemitismus in allen seinen Formen‘.“ Mit großer Mehrheit? Das liest sich im Artikel – von Günter Schenk – ganz anders. Dort wird ausgeführt, dass die französische Nationalversammlung aus 577 Abgeordneten besteht und dass 154 Abgeordnete dafür gestimmt haben. Ist das – 154 von 577 – die Mehrheit? Günter Schenk führt dazu aus: Das anfangs fast vollständige Plenum hat sich bis zur Abstimmung großenteils verflüchtigt. Zum Zeitpunkt der Abstimmung waren nur noch 179 Abgeordnete anwesend, so dass 154 von 179 Anwesenden für den Resolutionsentwurf gestimmt haben. „Hat eine Mehrheit für die Resolution gestimmt?“, fragt Günter Schenk. Telepolis gibt die – verfälschende – Antwort: eine „große Mehrheit“ sei dafür gewesen. Was ist das für ein Spiel, was für eine Strategie, die Telepolis hier verfolgt?


Kopf des Artikels von Günter Schenk

Viel Raum nimmt im Kopf des Artikels eine weitgehend aussagelose grafische Darstellung ein. Sie lässt die Leserschaft orientierungslos zurück. Aber kommen wir nun zur Überschrift des Artikels: „Israelkritik kann Antisemitismus sein“. Ist das die Hauptaussage des Autors Günter Schenk? Nein! Keineswegs! Der Begriff „Israelkritik“ kommt im ganzen Artikel nicht vor. Nun gut, sinngemäß geht es um die Frage, ob Israelkritik etwas Antisemitisches an sich haben kann – aber nicht als Auffassung des Autors, sondern als Gehalt der Antisemitismus-Definition bzw. der verabschiedeten Resolution („Erscheinungsformen von Antisemitismus können sich auch gegen den Staat Israel… richten“), die der Autor verurteilt, indem er sie als „einen manifesten Versuch zur Einschränkung von durch die Verfassung verbriefter Freiheitsrechte“ wertet und damit ablehnt. Entsprechend beschließt er seinen Artikel mit dem deutlichen Satz: „Die Erfahrung im benachbarten Deutschland mit willkürlichen Raumverweigerungen und anderen Einschränkungen verbriefter Freiheiten lässt grüßen!“

Sehen wir uns noch an, was die Nationalversammlung beschlossen hat. Im verabschiedeten Resolutionsentwurf heißt es, wie es abwegiger kaum sein kann: „Die Nationalversammlung… ist der Auffassung, dass die von der ‚Internationalen Allianz für das Gedenken an den Holocaust‘ verwendete Arbeitsdefinition es ermöglicht, den zeitgenössischen Antisemitismus so präzise wie möglich zu benennen.“ Und: „Die Nationalversammlung… unterstützt die von der ‚Internationalen Allianz für das Gedenken an den Holocaust‘ als nützliches Leitinstrument in der allgemeinen und beruflichen Bildung verwendete operative Definition des Antisemitismus und unterstützt Justiz- und Strafverfolgungsbehörden bei ihren Bemühungen, antisemitische Angriffe effizienter und wirksamer aufzudecken und zu verfolgen.“ Wie wertet Günter Schenk dies? Er schreibt: „Es ging dem Antragsteller um die Durchsetzung der äußerst fragwürdigen und umstrittenen ‚Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance gegen Antisemitismus‘ (IHRA), mit der der Versuch unternommen wird, durch die Einführung des Begriffes ‚Israel-bezogener Antisemitismus‘ einen neuen Straftatbestand zu begründen. Wie damit jedoch der wirkliche Antisemitismus bekämpft werden soll, lässt diese schwammige Definition im Dunkeln.“

Und Günter Schenk kommt auch noch auf den heiklen Punkt BDS zu sprechen. Ziel sei es, „die internationale gewaltfreie Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) nach dem Vorbild des ähnlichen Boykotts der Apartheid Südafrikas“ auszubremsen. Und Günter Schenk macht auch klar, wer im Hintergrund die Fäden zieht, wer der „Mastermind“ ist. Er zitiert den israelischen Propagandaminister, der sich „Minister für Strategische Angelegenheiten“ nennt: „Wir erwarten natürlich praktische Schritte vom französischen Parlament gegen BDS-Vertreter…“ Dazu Günter Schenk: Es sei nicht davon auszugehen, dass die „mit JA stimmenden Abgeordneten vor ihrer Abstimmung wussten, wer ihr Mastermind ist“. Das alles sind klare Aussagen – zu klar, als dass zugelassen werden dürfte, dass die Leser „verführt“ werden, den kriminellen Charakter des israelischen Staates und dessen Machenschaften, die das Denken von Millionen Menschen in die Irre leiten, in der gebotenen Klarheit zu sehen und womöglich noch dagegen aktiv werden.

„Nobelpreis für einen ‚Genozid-Leugner'“

Sehen wir uns den zweiten Artikel an. Neben dem, dem hetzerischen Mainstream gemäßen, den Nobelpreisträger Peter Handke verteufelnden Titel „Nobelpreis für einen ‚Genozid-Leugner'“ und dem grauenhaften, desorientierenden, das verbreitete Feindbild „Die Serben“ stützende Totenkopffoto mit der das Massaker als Fakt hinstellenden Bildunterschrift „Schädel eines Opfers des Massakers in Srebrenica“, gibt es ein Inhaltsverzeichnis, in dem die drei Abschnitte aufgeführt sind, aus denen der Artikel besteht. Als erstes wird für Abschnitt 1 der Titel „Nobelpreis für einen ‚Genozid-Leugner'“ wiederholt. Auch beim dritten Abschnitt ist die Stoßrichtung klar. „Srebrenica und Kriegsverbrechen“ weist auf das tausendfach eingebläute Feindbild hin, mit dem das militärische Eingreifen des „Westens“ in Jugoslawien gerechtfertigt werden sollte und immer noch soll. Lediglich die Überschrift zum zweiten Abschnitt lässt einen gewissen Spielraum zur Interpretation. Sie lautet: „Lizenz zum Töten – von Serben“. Was soll, was kann das heißen? Worauf bezieht sich „von Serben“? Auf das Töten oder auf die Lizenz? Mit Artikeltitel und Foto dürfte der Normalleser soweit konditioniert sein, dass er zweites annimmt. Natürlich! Das ist uns immer wieder eingetrichtert worden. Es sind die Serben, die sich die Lizenz zum Töten herausgenommen haben, und niemals die Anderen – schon gar nicht die NATO.


Kopf des Artikels von Michael Ewert

Auch hier haben wir den Fall, dass der Artikel – von Michael Ewert – ganz anders angelegt ist. Dazu ein paar Leseproben: „Natürlich kann man fragen, ob Handke den Nobelpreis verdient hat. Ich weiß es nicht… Ich weiß aber, dass niemand in Deutschland einen der renommiertesten Literaturpreise bekommt bei einer dissidenten Meinung zu Themen, die eine zentrale Bedeutung für das offizielle Weltbild haben. Die Rechtfertigung für den Krieg gegen Jugoslawien gehört definitiv dazu. Man muss dem Komitee in Stockholm das Kompliment machen, dass es nicht auf den Strich der westlichen Parteilinie gegangen ist.“

Und: „Unter den muslimischen Opfern in Srebrenica befand sich – interessant für einen ‚Völkermord‘ – keine einzige Frau und kein Kind… Überreste von ‚mehr als 7.000‘ Toten oder exakt ‚8.372‘ in der Gegend von Srebrenica zu finden, stellt keine Schwierigkeit dar: Es war ein Schlachtfeld… Der französische General Philippe Morillon, seinerzeit Kommandeur der UNO-Streitkräfte in Bosnien, sagte vor dem [International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) – dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien] ISGH, [Naser] Orics Greueltaten [als Kommandeur der Armee der Republik Bosnien-Herzegowina in der ostbosnischen Stadt Srebrenica] seien ein Grund für die Reaktion der Serben im Juli 1995 gewesen, die in der Einnahme von Srebrenica gipfelte. In diese Ereignisse sei… der seinerzeitige Präsident Serbiens, Slobodan Miloševic, nicht involviert gewesen. Das ICTY war anderer Ansicht und ließ ihn, bevor der Prozeß vollends zur Farce geworden wäre, in seiner Zelle sterben. Er war Schuldiger an einem ‚Völkermord‘. Zweifel an dem einen wie dem anderen durfte und darf es nicht geben: Miloševic war der neue Hitler…“

Und hier die Schlusssätze: „Damit hier nichts aus dem Ruder läuft, muss in Srebrenica ein Genozid stattgefunden haben. Es kann nicht anders sein, weil es anders nicht sein darf. Eine Welt würde einstürzen. Es ist eine Welt, die sich nur die Profiteure großer Konzerne und der Waffenindustrie leisten können: eine Welt der Ausbeutung, autoritärer Strukturen und todbringender Herrschaft. Zwischen ihren Riesenbeinen, um Shakespeare zu paraphrasieren, wandeln die Heerscharen hingebungsvoller Hilfsarbeiter ‚und schau’n umher nach einem schnöden Grab’… Wie als zweites Naturell haben sie das Leitmotiv verinnerlicht: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht – man muss immer lügen, damit man es selber glaubt. Dem hat sich Handke entgegengestemmt, was ihm nicht nachgesehen wird. Das ist verständlich.“ Auch das sind – wie bei Günter Schenk – Aussagen, die verdeckt werden müssen – zu denen die Leser besser gar nicht erst vordringen sollen.

Abschließende Fragen?

Können wir das, was wir hier dargelegt haben, tatsächlich als das „Prinzip Telepolis“ betrachten? Wenn ja: was soll mit diesem Prinzip erreicht werden? Sollen kritische Leser abgeschreckt werden zu lesen, damit sie in ihrer kritischen Haltung nicht weiter bestärkt werden? Sollen weniger kritische Leser verunsichert werden, indem sie Artikeleinstieg und Artikel nicht zur Deckung bringen können, so dass der kritische Inhalt der Artikel gebrochen wird und damit nicht so überzeugend wirkt, wie er mit einem angemessenen Einstieg überzeugend wirken könnte? Wer ist für das „Prinzip Telepolis“ verantwortlich? Dafür genügt womöglich ein Blick in das Impressum. Dort wird uns eine Mannschaft von Dutzenden von Mitwirkenden präsentiert. Aber im Kern sind es der Chefredakteur und zwei Redakteure, die für die Umsetzung des „Prinzips Telepolis“ in Betracht kommen. Weitere Frage: Wie verbreitet ist das „Prinzip Telepolis“? Das ist schwer zu beurteilen. Die Autoren dieses Artikels können allerdings aus eigener Erfahrung feststellen: ihnen ist das „Prinzip Telepolis“ auch außerhalb von Telepolis begegnet. In einem Fall konnten sie erreichen, dass der verfälschende Einstieg korrigiert wurde. Häufiger war allerdings der Fall, dass Artikelangebote von „alternativen“ Medien abgewiesen wurden. Zu fragen bleibt: ist das „Prinzip Telepolis“ Teil eines umfassenderen Prinzips, dass Gesellschaft und speziell Medien durchdringt, indem Schaltstellen besetzt werden, damit – wie Andreas von Bülow es ausgedrückt hat – „kritische Sachen im Zweifelsfall vom Transportband der Nachrichten“ genommen werden können? Und dann bleibt noch die Frage: Wie können wir dem „Prinzip Telepolis“ begegnen?

Die Telepolis-Artikel:

Israelkritik kann Antisemitismus sein
Günter Schenk, 12. Dezember 2019
https://www.heise.de/tp/features/Israelkritik-kann-Antisemitismus-sein-4613750.html

Nobelpreis für einen „Genozid-Leugner“
Michael Ewert, 09. Dezember 2019
https://www.heise.de/tp/features/Nobelpreis-fuer-einen-Genozid-Leugner-4608176.html

Online-Flyer Nr. 730  vom 18.12.2019

1 Kommentar zu Das Prinzip Telepolis Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

  1. Zuerst, den beiden Autoren dieser Medienkritik, Anneliese Finkentscher und Andreas Neumann von der Arbeiterfotografie sei Dank für ihre kritische Auseinandersetzung, in einem Fall mit meinem Artikel. Dazu möchte ich folgendes sagen: zum einen obliegt es bei den meisten Medien, auch Buchverlagen, der jeweiligen Redaktion oder dem Lektorat, über Titel zu bestimmen (Titel, nicht aber den Inhalt, für den allein der Autor verantwortlich ist). Dies zur formalen Seite der Kritik. Sie führt, zum anderen, zur inhaltlichen: Wenn die Aussage eines Titels offensichtlich nicht mit dem Inhalt übereinstimmt, diesem, wie in diesem Fall sogar widerspricht, im Titel, wie hier, eine Reizaussage verwendet, sehe ich das als erlaubte Dialektik an: hier eine These (die Überschrift), dort, der Überschrift widersprechend, der Artikel. Dies allerdings setzt intelligente, kritische Leserinnen und Leser voraus, was ich bei Telepolis, anders als bei Springers Massenblatt BILD, als gegeben ansehe. Mit ein wenig Augenzwinkern sei mir den beiden von der Arbeiterfotografie mit den Worten Helmut Kohls der Zuruf erlaubt: „es kommt immer darauf an, was hinten herauskommt“. Ob die Redaktion von Telepolis mit dem Titel etwas anderes beabsichtigte ist Spekulation und das kann und will ich nicht beurteilen. Die Annahme meines Artikels jedoch lässt kaum darauf schließen.

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