Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Die jüdische Geschichte – von Moses bis zu Bibi von Gilad Atzmon übersetzt von wunderhaft

Die jüdische Geschichte – von Moses bis zu Bibi

Von Gilad Atzmon
Übersetzt von wunderhaft

12. Februar, Veterans Today
Die jüdische Geschichte ist eine befremdlich einseitige, antihistorische Darstellung, die zwangsläufig zu dem Zeitpunkt beginnt, an dem sich das Leid der Juden nachweisen läßt und und die die vorherigen Umstände, die zu diesem Leid geführt haben mögen, außer Acht läßt. In der jüdischen Geschichte sind die Mitglieder des auserwählten Stammes niemals die Agressoren noch tragen sie irgendeine Verantwortung für ihre eigene Notlage. Im Gegenteil, sie sind stets die Opfer des ´irrationalen´ und ´unerbittlichen Judenhasses´ der Goyim.

Gestern hat der israelischen Premierminister, Benjamin Netanjahu, einen außergewöhnlichen Einblick in die trügerische Natur der jüdischen Geschichte gegeben.

https://www.youtube.com/watch?v=v7HsY5w6U08

In seiner, nach dem Abschuß einer israelischen F-16 in syrischem Luftraum gehaltenen, Rede konzentrierte sich Netanjahu mit der Behauptung auf die iranische Aggression , daß der Iran mit einer Drohne in israelichen Luftraum eingedrungen sei. Selbstverständlich ist beim besten Willen nicht klar, ob eine solche Drohne tatsächlich existiert hat und ob sie vom Iran betrieben worden ist. Allerdings verleitete der israelische Premierminister dazu zu übersehen, daß er selbst sowie seine militaristische Regierung und deren von ihr abhängigen Lobbyorganisationen (wie AIPAC*, CRIFF*(?), CFI*, LFI* etc.) es waren, die seit mindestens einem Jahrzehnt für Militäreinsätze und Sanktionen gegen den die Islamische Republik kämpfen.

Wie oft haben wir israelische Politiker geloben hören den Iran anzugreifen? Im Jahr 2012 hat The Time of Israel berichtet, daß „Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak ihren Sicherheitschefs im Jahr 2010 befohlen haben das Militär darauf vorzubereiten die Nuklearanlagen des Iran, falls nötig, innerhalb von Stunden angreifen zu können, was diese brüskiert zurückgewiesen haben“. Trotz alledem, ist mit der von Bibi präsentierten Zeitachse das Jahrzehnt der israelischen Kriegslust gegenüber dem Iran ausgelöscht worden. Bibis Chronik des Konflikts begann 48 Stunden vorher, als er erklärt hat, daß eine vermeintlich iranische Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen sei.

Diese einzigartige Form wahnhaften und/oder heuchlerischen Realitästsverlustes ist nicht von den Zionisten oder den Israelis erfunden worden. Er ist ist tief eingebettet in die jüdische Kultur, die jüdische Ideologie und sogar in das Alte Testament. Der Holocaust, beispielsweise, wird als „die systematische, bürokratische, staatlich finanzierte Verfolgung und Vernichtung von sechs Millionen Juden durch das Nazi-Regime und seine Kollaborateure“ gelehrt (VSA, Holocaust Museum). Diese Darstellung ist ihres gesamten geschichtlichen Zusammenhangs entleert. Die Geschichte des Holocaust ist ein judäozentrisches Konstrukt, das mit dem Nachweis des jüdischen Leidens (1933) beginnt. Um aus dem Holocaust ein einwandfreies Kapitel der Geschichte zu machen, wird es notwendig sein zu fragen, ´was waren die Umstände, die zu dem starken Anstieg judenfeindlicher Gefühle in Europa und darüber hinaus geführt haben?´*

Noch einmal, wenn wir die jüdische Geschichte der osteuropäischen Progrome im 19. Jahrhundert oder die spanische Inquisition untersuchen, finden wir eine Chronik, der eine ähnliche Zurückweisung geschichtlicher Fakten zugrunde liegt. Wie in der jüdischen Geschichte des Holocaust oder in Bibis gestriger Rede, beginnen diese Chroniken zu dem Zeitpunkt, an dem das jüdische Leid nachgewiesen wird, ohne die Umstände zu berücksichtigen, die zu solchen Entwicklungen geführt haben. Wir haben es hier mit Erzählungen zu tun, die ihres wichtigsten Elements entbehren, ihrer Begründung. Wir erleben einen ewigen Kampf um zur Unterdrückung der Selbstreflektion.

All das mag die jüdische Furcht vor Antisemitismus erklären. Bei dieser jüdischen Sorge handelt es sich nicht notwendigerweise um die Furcht vor den „gnadenlosen und haßerfüllten Goyim“, sondern wahrscheinlich eher um die Angst vor Selbstreflektion – dem Blick in den Spiegel – der endgültigen Übernahme der Verantwortung für die eigenen Taten.

Die jüdische Geschichte in Form selbst verursachter Trennung ist so alt wie die Juden selbst. Lassen Sie uns untersuchen in welcher Weise die Pharaos in den biblischen Exodus* eingeführt worden sind:

8 Da kam ein neuer König auf über Ägypten, der nichts von Joseph wußte. 9 Der sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Kinder Israel ist zahlreicher und stärker [mächtiger] als wir. 10 Wohlan, laßt uns kluge Maßnahmen gegen sie ergreifen, daß ihrer nicht zu viele werden; sie könnten sonst, falls sich ein Krieg wider uns erhöbe, zu unsern Feinden übergehen und wider uns kämpfen und aus dem Lande ziehen.“ (Exodus 1: 8-10)

Während der König Pharao deutlich anti-jüdische Gefühle äußert, besteht ein bemerkenswerter Mangel jedweder Zusammenhänge, welche diese Darstellung wirklich sinnvoll erscheinen ließen. Inwiefern waren die Juden mächtiger? Wurden sie des Verrats verdächtigt, besaßen sie eine doppelte Staatsbürgerschaft? Haben sie die Stadt oder ihre Kultur beherrscht? Oder war es die frühe ägyptische Filmindustrie, die sie beherrscht haben? Die Bibel behält diese Informationen für sich.

Ich lege nahe die jüdische Geschichte als ausgeklügeltes, Augen verschließendes Instrument zu betrachten, das den Juden die Fähigkeit zur Selbsreflektion vorenthält, die Wirklichkeit so zu betrachten, wie sie ist, in anderen gleichwertige Menschen mit denselben Bedürfnissen zu zu sehen.

Das jüdische Denken war sich gelegentlich seiner selbst als Kastrationsmechanismus bewußt. Die biblischen Propheten, beispielsweise, hatten Blitze einer solchen Selbstreflektion. Sie haben eine Geschichte eingeführt, eine Begründung, ein rationales Prinzip oder sollten wir sagen ein Grundprinzip, mit dem sie jedoch immer wieder gescheitert sind. Dasselbe kann über Jesus, Spinoza und Marx gesagt werden.

Das macht es so erstaunlich, daß es sich bei dem frühen Zionismus tatsächlich um einen verzweifelten jüdischen Versuch gehandelt hat, die jüdische Geschichtsleugnung anzugehen. Bernard Lazares Werk, Anti-Semitism its History and Causes, präsentierte eine profunde zionistische Studie über die Rolle der Juden und ihrer Kultur innerhalb ihres eigenen Leidens. Lazare war mit dieser Untersuchung nicht allein. Ber Borochov*, Max Nordau* und sogar Herzl selbst haben versucht die jüdische Frage innerhalb eines korrekten historischen Kontextes zu verstehen. Ihre Diagnose der jüdischen Diaspora-Kultur war scharfsinnig, obwohl ihr Heilmittel, wie Israels entsetzliche Politik der letzten siebzig Jahre gezeigt hat, sich als ziemlich katastrophal erwies.

Während der frühe Zionismis großteils anti-jüdisch gewesen ist, ist der Zionismus schon bald vom Judentum gekapert worden – die Form von wahnhaftem Judäozentrismus, die das Anderssein ablehnt und die geschichtliche Wirklichkeit leugnet. Die Rede von Premierminister Netanjahu illustriert diese einzigartige Unfähigkeit zur Selbstreflektion. Netanjahus Chronik beginnt mit einer vermeintlichen iranischen Aggression, ´vergißt´ jedoch, daß Israel über Jahre Syrien bombardiert und ein Jahrzehnt lang damit gedroht hat den Iran anzugreifen. Leidet Netanjahu unter Wahnstörungen? Ist er doppelzüngig? Es ist nicht an mir zu urteilen, und tatsächlich kümmert es mich nicht. Meine Aufgabe besteht in der Entschlüsselung der Botschaft und nicht in der Analyse ihres Überbringers.

Wenn der Zionismus erschaffen wurde, um die Juden Selbstreflektion zu lehren, hätten sie zu ´Menschen wie alle anderen´ werden können. Netahjahu, Israel und heutige Zionisten sind der Beweis dafür, daß das zionistische Projekt aussichtslos war. Solange der jüdische Staat sich selbst mit immer mehr Mauern der Trennung umgibt, solange die zionistischen Lobbies und Zio-Konservative auf weitere globale Konflikte für Israel drängen, wird deutlich, daß Zionisten Menschen wie keine anderen sind – Menschen, die unfähig zur Selbstreflektion oder zur Übernahme der Verantwortung für ihr eigenes Handeln sind.

*Der jüdische Historiker, David Cesarini*, hat in seinem letzten Buch,´Endlösung´,  eine solche Anstrengung unternommen und eingeräumt, daß die Geschichte des Holocausts problematisch und mangelhaft war.

*******
Gilad Atzmon ist ein in Israel geborener britischer Jazz-Saxophonist, Romancier, politischer Aktivist und Schriftsteller.
Atzmons Album, Exile, wurde im Jahr 2003 von der BBC zum Jazz-Album des Jahres gekürt.  Mit jährlich über 100 Auftritten ist er als der „sicherlich am häufigsten auftretende Mann des britischen Jazz“ bezeichnet worden. In seinen bisher neun aufgenommenen Alben erkundet er die Musik des Mittleren Ostens und politische Themen.  Er hat sich selbst als „hingebungsvollen politischen Künstler“ bezeichnet. Er unterstützt das Rückkehrrecht der Palästinenser und die Einstaatenlösung in dem israelisch-palästinensischen Konflikt.
 
Seine Kritik am Zionismus, der jüdischen Identität und dem Judaismus haben ebenso wie seine kontroversen Ansichten über den Holocaust und die jüdische Geschichte, zu Vorwürfen des Antisemitismus geführt. Ein Profil des Guardian aus dem Jahr 2009, das ihn als „einen der besten Saxophonisten Londons“ bezeichnet wird wird erklärt: „Es ist vielmehr Atzmons ungeschminkter Antisemitismus als seine Musik, der ihm, besonders in der arabischen Welt, wo seine Essays weit verbreitet sind, ein internationales Profil gegeben hat.

Quelle: https://www.veteranstoday.com/2018/02/12/the-jewish-timeline-from-moses-to-bibi/

Alle mit einem * gekennzeichneten Links wurden zusätzlich eingefügt.

Bitte unterstützen Sie den gefährdeten Erhalt dieses unabhängigen, werbefreien Blogs mit einer Spende, und empfehlen Sie ihn weiter.
Herzlichen Dank!

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: