Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts Von Werner Rügemer

Aktueller Online-Flyer vom 26. Oktober 2018    NRhZ

Literatur
Aus dem Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ (3)
Rothschild, Lazard & Co: Wie mischen diese elitären Investmentbanken in der Politik mit?
Von Werner Rügemer

In seinem neuen Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ untersucht Werner Rügemer die heute bestimmenden Kapitalakteure des kapitalistischen Westens. Dazu zählt neben BlackRock & Co, Blackstone & Co usw. auch die etwas lichtscheue Branche der elitären Investmentbanken. Sie sind der Öffentlichkeit kaum bekannt, aber einflussreich: Lazard, Rothschild, Schroders, Perella Weinberg sind gegenwärtig die größten. Auch sie bekamen nach der letzten Finanzkrise weiteren Auftrieb. Sie konzentrieren sich auf den Umbau von Unternehmen und Staaten und mehren dabei auf ihre Weise die Selbstbereicherung und die Macht der transnationalen kapitalistischen Klasse. Dazu ein Auszug aus Rügemers Buch.

Lazard Ltd.

Lazard mit operativem Hauptsitz in New York, Niederlassungen in 26 Staaten und mit 2.500 Beschäftigten gilt als Erfinder des wichtigsten Investment-Spezialgebiets, Mergers & Acquisitions (M&A): Kauf und Fusion von Unternehmen. Nach der gesetzlichen Trennung des krisenverursachenden Investmentbanking vom Kleinkundengeschäft in den USA – Roosevelts New Deal in den 1930er Jahren, als Konsequenz aus dem Bankrott der Wall Street-Banken – zog sich Lazard ganz auf das Spezialgebiet zurück. Während der Staat die Kleinkunden und Konsumenten schützte, ließ und lässt er den Investmentbanken freien Lauf.

Beratung für Unternehmen und marode Staaten – In den letzten Jahren beriet Lazard etwa die Hauptaktionäre des französischen Luxuskonzerns L‘ Oreal beim Kauf  einer Modefirma, Nippon Steel beim Kauf der Ovaco Group, den Chemiekonzern Sanofi beim Kauf neuerer Biochemie-Aufsteiger und den größten Baukonzern der westlichen Welt, Vinci, beim Kauf von Infratec, dem Betreiber von Stromnetzen in Skandinavien. (1)

Daneben beriet Lazard auch Private Equity-Investoren („Heuschrecken“) wie Blackstone beim Kauf von Supermärkten in Italien, die überschuldete italienische Bank Monte dei Paschi di Siena beim Verkauf von Abteilungen. Lazard organisierte den Börsengang der Restaurantkette Vapiano. Aber auch der belgische, südkoreanische, marokkanische und australische Staat wurden bei Käufen und Verkäufen beraten.

Ein besonders lukratives Geschäft ist die Beratung von überschuldeten Staaten, denen rigorose Kürzungs- und Privatisierungsmaßnahmen aufgezwungen werden: Griechenland, Kroatien und die Ukraine haben Regierungen, denen das Wasser bis zum Hals steht. Hier vertritt Lazard im Auftrag der Troika (IWF, Europäische Kommission, Europäische Zentralbank), abgeschirmt von der Öffentlichkeit, die Interessen der Kreditgeber, die ebenfalls selbst lieber im Hintergrund bleiben. Um an Aufträge zu kommen, hält die Bank enge Beziehungen zu den wichtigen Eigentümern von Unternehmen und zu Regierungen. Ein in Deutschland bekannter Lazard-Banker ist John Kornblum, wobei die Öffentlichkeit nicht weiß, dass er diesen Hintergrund hat, obwohl er Dauer-Quasselstrippe in TV-Talkshows ist.

Der bekannt-unbekannte Lazard-Banker John Kornblum – John Kornblum verkörpert die enge Verbindung elitärer Investmentbanken mit Konzernen, Regierungen, Militär und Geheimdiensten. Von 1997 bis 2001 war er US-Botschafter in Deutschland. Vorher war er US-Botschafter bei der NATO. Im Krieg gegen Jugoslawien war er an der Osterweiterung der NATO beteiligt. Mit dem damaligen US-Botschafter Richard Burt handelte er 1985 den Austausch von DDR-Bürgern aus, die vom CIA als Informanten angeworben und enttarnt worden waren.

Nach seiner Botschafter-Funktion wurde er Aufsichtsratsmitglied in deutschen Konzernen, die umstrukturiert wurden, etwa bei Thyssen Krupp und Bayer sowie bei Motorola Europe. Dabei konnte der Ex-Botschafter seine Verbindungen spielen lassen: Er agierte gleichzeitig als Präsident von Lazard Deutschland. Er half der Bank, „zu einer der führenden Investmentbanken in Europa zu werden.“ (2)

Er berät das Center for Strategic and International Studies (CSIS, Washington) und ist in den Vorständen und Beiräten der US-Handelskammer in Deutschland, der Berliner American Academy und des American Council on Germany. (3) Er berät die US-Konzerne Boeing, Pfizer und Accenture. (4) Seit 2015 gehört er zum Team des Immobilienentwicklers BEWOCON, der „exklusive Wohnimmobilien in Berlin“ betreut, so Living Spree, das Stadtpalais Wilmersdorf, die Tiziangärten („Ein Stück vom Himmel inmitten von Seen und Innenstädten“), die Blücherhöfe und den Diplomatenpark: Kornblum soll mit seinen Kontakten das reiche Klientel aus USA und Asien nach Berlin holen. Als Kulturfreund und Wohltäter fördert er die Deutsche Oper Berlin, das Frankfurter Senckenberg-Museum und die Martin Luther King-Stiftung. Die transatlantische Arbeitsteilung sieht er so: „Die EU mit ihrer Softpower ist nur in Verbindung mit der US-Hardpower erfolgreich.“

Kornblum wird bis heute von den deutschen Leitmedien als wichtigster Experte für die Beziehungen USA – Europa herangezogen; dabei wird aber nur genannt, dass er US-Botschafter in Deutschland war – seine Funktion bei Lazard bleibt dem Publikum unbekannt.

Lazard holt sich Politiker und gehört Blackrock – „Lazard rekrutiert mit Vorliebe Charakterköpfe, die ein gutes Netzwerk mitbringen“. So berief Lazard den Ex-Chef der Staatskonzerns Deutsche Bahn, Rüdiger Grube, 2017 zum Chairman von Lazard Deutschland. Die Bank hatte von Grube den Auftrag für die Teilprivatisierung der Bahntöchter Schenker und Arriva bekommen. (5) 2016 hatte Lazard den ehemaligen Mitarbeiter des französischen Finanzministeriums Matthieu Pigasse zum Chairman in Frankreich berufen, er ist zugleich Aktionär bei Le Monde und Huffington Post. Ebenso berief Lazard den deutschen Ex-Staatssekretär im Finanzministerium und späteren Direktor der EZB, Jörg Asmussen, zum Leiter des Europa-Geschäfts.

Politisch stand die Bank traditionell auf der Seite von Regierungen, die Kriege führten. Die politische Richtung spielte eine untergeordnete Rolle: Im 19. Jahrhundert kreditierte sie die US-Nordstaaten im Bürgerkrieg; mit ITT unterstützte sie den Putschistengeneral Pinochet in Chile. (6) Inzwischen ist die verfilzte Privatbank in die souveräneren Hände der heute Finanzmächtigen geraten. Ihre Hauptaktionäre heißen Vanguard, Blackrock… (7) Der juristische Sitz ist in der Finanzoase Bermuda: In der Hauptstadt Hamilton treffen sich jährlich zur Hauptversammlung ganz entspannt die Vertreter von Vanguard, Blackrock…. (8)

Rothschild&Co

„Wir haben das Vertrauen von Regierungen, großen Institutionen, Familien und privaten Kunden, die zu den glücklichsten der Welt gehören.“ (9) Das englische „fortunate“ bedeutet „glücklich“, aber auch „vermögend“. Das stimmt übrigens mit der Verfassung des Staates überein, in dem die Bank die meisten Geschäfte macht: Die US-Verfassung garantiert das Recht auf das individuelle Glück, das vor allem im individuellen Genuss des möglichst großen Reichtums besteht. Mit 3.400 Beschäftigten in 63 Niederlassungen in 44 Staaten berät die Bank Regierungen und Unternehmen bei Käufen, Verkäufen, Fusionen, Krediten. Dabei kann sie auf die „Glücklichen“ aus dem Milieu der HNWI (High Net Worth Individuals, Hohe Nettowert-Kunden) und UHNWI (Ultra High Net Worth Individuals) zurückgreifen.

„Nummer 1 in der Welt“ – Unter der Rothschild Continuation Holding mit Sitz in der winzigen Finanzoase Zug (Schweiz) sind die global tätigen Rothschild-Filialen und zahlreichen Tochterunternehmen in Paris, London, New York, Frankfurt, Dubai, Bukarest, Tokio, Peking usw. rechtlich zusammengefasst. Großaktionär neben den Familienstämmen sind die Jardine Matheson Holdings – ein Welt-Misch-Konzern mit operativem Sitz in Hongkong und rechtlichem Sitz – ebenso wie Lazard – in Hamilton/Bermuda.

So präsentiert sich die Bank für M&A als „Nummer 1 in Europa und der Welt“, und zwar seit 2006. Im Jahre 2017 seien 650 Transaktionen im Gesamtwert von 560 Milliarden Dollar durchgeführt worden. Im Jahresbericht werden einige Beratungsmandate genannt: Koch Equity Development, eine Tochterfirma von Koch Industries, die einer der reichsten und politisch reaktionärsten Oligarchen-Familien der USA gehören; die französischen Luxus-Konzerne Arnault/Christian Dior; Metro Group bei der Aufspaltung des Konzerns (Deutschland); Vivendi beim Kauf des Medienkonzerns Havas (Frankreich); Royal Dutch Shell (Niederlande/Großbritannien); US Steel und Avaya (USA); die Pharmakonzerne Boehringer Ingelheim und Sanofi (Deutschland/Frankreich); Intel beim Kauf von Mobileye (USA/Israel). Beraten wurden auch die Private Equity-Investoren Bain Capital und Cinven beim Kauf des Chemie-Konzerns Stada (Deutschland), Waterland beim Klinikkauf in Deutschland sowie die Private Equtiy-Investoren Cerberus und Golden Tree für den Börsengang von Bawag (Österreich). Die überschuldete Regierung der Ukraine wurde beraten bei der Ausgabe von Eurobonds, die überschuldete Regierung Irlands bei der Privatisierung der maroden Allied Irish Bank. So habe man gegenüber dem Jahr 2012 den Umsatz verdoppeln können, der Gewinn 2017 sei auf 1,18 Mrd. Dollar gestiegen. (10)

Privatisierungen in ganz Europa – Rothschild rühmte sich 2007, seit den 1980er Jahren als Berater von mehr als 60 Regierungen mehr Privatisierungen in Europa und weltweit durchgezogen zu haben als jede andere Investmentbank. Zu den Privatisierungen zählen der Flughafen Fraport und die Deutsche Flugsicherung in Deutschland, das Telefonnetz der Türkei (Verkauf an Vodafon) und Serbiens (Verkauf an Telenor), die portugiesische Fluglinie TAP, in Dänemark das Elektrounternehmen DONG (Verkauf an Vattenfall) und die Fährengesellschaft Scandlines, in Frankreich der  Stromkonzern EdF und die Telefongesellschaft France Telecom. (11)

Rothschild beriet nicht nur die christlich lackierte Thatcher-Regierung, sondern dann Ende der 1990er Jahre genauso die sozialistisch lackierte Regierung von New Labour unter Anthony Blair beim neuen Privatisierungsmuster Public Private Partnership (PPP). Über den britischen Premier kam Rothschild als PPP-Berater des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder auch nach Deutschland. (12)

Inzucht mit Regierungspersonal – Solche Privatisierungen erweisen sich als Mechanismus des revolving door (Drehtür) zwischen Staat und Privat. Sie mögen den Steuerzahlern schaden, aber den Beratern und ihren „glücklichen“ Kunden nützen sie. Dafür versammelt und alimentiert Rothschild hunderte von hochrangigen Politikern und Funktionären in seinen internationalen, regionalen und nationalen Beiräten. Dort bekommen sie zwar in der Regel für zwei bis drei Sitzungen im Jahr weniger als 100.000 Dollar, aber dieses „(a)soziale Kapital“ ist offensichtlich mehr wert.

So wurde Ex-Kanzler Schröder nach seiner Amtszeit für ein Jahrzehnt in den Europa-Beirat berufen, um als Türöffner vor allem in Russland und Osteuropa zu dienen. Weitere Beiratsmitglieder waren bei der Aufnahme Schröders die ehemaligen Chefs von Coca Cola, Volvo und der englischen Zentralbank sowie Klaus Mangold von DaimlerChrysler, der auch heute noch Beiratsvorsitzender der Rothschild Deutschland GmbH ist und mit dieser zusätzlich einen noch besser bezahlten Beratervertrag hat. (13)

Auch die Regierung von Schröder-Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) verlor nicht die Verbindung. Für den Bankenrettungsfonds SOFFIN holte Finanzminister Schäuble Rothschild als Berater, im üblichen Geleitzug mit der US-Kanzlei Mayer Brown und deren Miteigentümer Friedrich Merz, dann noch KPMG, PWC, Freshfields und Goldman Sachs. (14)

Rothschild-Heirat im Weißen Haus – Lady Lynn Forester de Rothschild, Chefin der Zeitschrift The Economist, Mitglied des Council on Foreign Relations (CDF) in New York, war Beraterin von US-Präsident Clinton und hat alle Wahlkämpfe der beiden Clintons mitfinanziert. Ihre Heirat wurde bei den Clintons im Weißen Haus gefeiert. Als sich in der Demokratischen Partei Barack Obama gegen Hillary Clinton durchsetzte, unterstützte die Rothschild-Lady allerdings cool den republikanischen Rechtsaußen McCain. (15)

Die Drehtür-Kultur der „Glücklichen“ hat viele Formen. So amtierte Paul Volcker nach seiner Amtszeit als Chef der US-Zentralbank umgehend als Chef von Rothschild USA. (16) Lord Nathanael Rothschild ist Mitglied im International Advisory Board von Blackstone. (17) Man verwaltet das Vermögen der Allerglücklichsten, aber man ist sich dabei, wie auch die Kollegen von Lazard, neben Blackrock&Co nicht zu schade, als Aktionär auch bei einem Konzern der extremen Lohndrückerei wie Ryan Air auf möglichst hohen Gewinn zu pochen.

Als Rothschild-Banker kann man in der Politik ziemlich weit kommen, wenn man denn will. Beispiele sind der Handelsminister von US-Präsident Donald Trump, Wilbur Ross sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Wilbur Ross: Vom Rothschild-Banker zum US-Wirtschaftsminister

Wilbur Ross begann 1976 seine Bankerkarriere in der New Yorker Niederlassung von Rothschild, bevor er 2000 seine eigene Investmentfirma gründete. Die Verbindungen gingen aber nicht verloren. Als Rothschild 2011 den irischen Staat bei der Bankenrettung beriet, kaufte Ross mit einer US-Investorengruppe ein Drittel der Aktien der Bank of Ireland, nachdem die Troika die Garantie übernahm. Deshalb stieg danach der Aktienwert auf das Dreifache und Ross konnte seinen Gewinnanteil vom 500 Millionen Dollar einstreichen. Ähnlich verfuhr er in den von Rothschild, Lazard & Co beratenen EU-Krisenstaaten Griechenland, Portugal, Spanien und Italien. (18) Mit dieser Schädigung der irischen Steuerzahler hatte Ross sich für die Position als Handelsminister in der Trump-Regierung qualifiziert. (19) Über eine Kette von Briefkastenfirmen ist Ross an der Reederei Navigation Holdings beteiligt, die ihren rechtlichen Sitz in Panama hat: Er wettete auf den Verfall des Aktienwertes, weil er als US-Handelsminister und damit als Insider wusste oder annehmen konnte, dass wegen des von ihm selbst mitbeschlossenen Embargos gegen Russland die Aufträge für Transporte aus Russland zurückgehen. (20) Ross als Mitglied der transnationalen kapitalistischen Klasse demonstriert, wie mit „America first“ die Selbstbereicherung global organisiert wird.

Emmanuel Macron: Vom Rothschild-Banker zum Präsidenten Frankreichs

Der wohl größte M&A-Deal der Bank Rothschild der letzten Jahre war folgender: Der Miteigentümer Emmanuel Macron beriet den Nahrungsmittelkonzern Nestlé bei der Übernahme der Babynahrungssparte des US-Konzerns Pfizer. Nestlé bezahlte 11,8 Mrd. Dollar, der Bonus – zusätzlich zum Gehalt  für Macron betrug eine Million. (21)

Macron war in dieser Zeit auch Wirtschaftsberater des rechtsradikalen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Weil dessen Wiederwahl aussichtslos war, wechselte Macron gnadenlos opportunistisch als Berater ins Wahlkampfteam des Sozialistenführers Francois Hollande. Macron verkörpert die politische Haltung der neuen Finanzakteure: „konservativ“ oder „sozialistisch“ oder dann „überparteilich“ – egal. Demagogie gehört zum Geschäftsmodell: Während Hollande gegen „die Finanzwelt“ wetterte und einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent forderte, bereitete Macron das Gegenteil vor.

Als Wirtschaftsminister privatisierte er einen Teil des Transportwesens (Bus-Fernverkehr), schied aber aus, als er mit der „Reform“ der Arbeitsverhältnisse nicht weiterkam. Weil die Wiederwahl der Sozialisten aussichtslos und die bisherigen populistischen Parteien korrupt und verwirtschaftet waren, förderte sein Milieu eine Form des Sekundär-Populismus, in oberflächlicher Distanz zu den bisherigen kapitalverträglichen Parteien: Mit der Bewegung „En Marche“ wurde Macron Frankreichs Präsident. Wegen seines Aufstiegs wurde er als „der neue Sarkozy“ bezeichnet. (22) Nun privatisiert der vermögende Opportunist und Populist die Unternehmen weiter, die dem Staat gehören wie die Bahn SNCF, ebenso die Unternehmen mit Staatsanteil wie der Energiekonzern Engie. Er hat die steuerliche Belastung der „Glücklichen“ drastisch reduziert: Die Vermögensteuer schaffte er ab, ebenso die Besteuerung der Dividenden. (23)

Für die staatlich mitorganisierte Selbstbereicherung der „Glücklichen“ verwandelt sich der globalisierende Bankier nicht nur in einen Nationalisten; er will auch die mittelalterliche Einheit von Nation und katholischer Kirche wieder herstellen. Vor den versammelten Bischöfen Frankreichs beschwor er gegen die Aufklärung „die unzerstörbaren Bindungen zwischen der französischen Nation und dem Katholizismus… die katholische Kraft muss wieder und immerdar unsere Nation zum Leben erwecken.“ (24)

Die Propheten des moralisch und demokratisch abgewirtschafteten Kapitalismus beleben jedes erreichbare und passende Symbol, jede erreichbare Religion, jede noch so finstere Tradition, jeden glänzenden Palast.

Fußnoten:

1 Siehe „Recent Transactions“ unter https://www.lazard.com, abgerufen 9.4.2018; auch die folgenden Angaben sind hier einsehbar.
2 Wikipedia englisch: John Kornblum, abgerufen 5.5.2018
3 https://www.csis.org, abgerufen 9.4.2018
4 www.americanacademy.de/staff-memberr/john-c-kornblum, abgerufen 9.4.2018
5 Von der Bahn zur Bank, Süddeutsche Zeitung 13.7.2017
6 Richard Parker: Bankers Behaving Badly, New York Times 27.5.2017
7 https://www.nasdaq.com/laz/institutional-holdings, abgerufen 9.4.2018
8 Lazard Ltd.: Annual Report on Form 10-K 2017, S. 1, investors.shareholder.com/lazard/SEC filings
9 https://www.rothschildandco.com, abgerufen 9.4.2018
10 Rothschild&Co: Rapport Annuel 2017, S. 12ff.
11 N M Rothschild&Sons: Relevant Experience, 25.10.2007, Memorandum für die Schwedische Regierung, www.regeringen.se/contentassets, abgerufen 11.4.2018
12 Brummer a.a.O., S. 23; Der Spiegel 12/2017, S. 17
13 Schröder berät die Investmentbank Rothschild, FAZ online 24.3.2006
14 Wie sich PWC und KPMG die Bälle zuspielen, WiWo 11.6.2009
15 https://www.politico.eu 5.8.2015, abgerufen 11.4.2018
16 www.americanacademy.de/person/paul-volcker/
17 https://family.rothschildarchive.org/people, abgerufen 11.4.2018
18 U.S. billionaire Wilbur Ross cashes out Bank of Ireland stake, Reuters 10.6.2014
19 Trump adviser more than tripled his money in Ireland, https://www.irishtimes.com 1.12.2016
20 Ganz schön abgezockt, Süddeutsche Zeitung 21.6.2018
21 Nestlé machte Macron reich, Blick (Schweiz) 30.9.2017
22 Macron is the new Sarkozy, https://www.lopinion.fr 3.5.2018
23 Sebastian Chwala: Macrons „Erneuerung“, junge Welt 7.7.2018
24 Emmanuel Macron tend la main aux catholiques, Le Figaro 10.4.2018

Werner Rügemer: Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts. Gemeinverständlicher Abriss zu den neuen Finanzakteuren

360 Seiten, 19,90 Euro, Papyrossa-Verlag, Köln. Typologie und Praktiken von BlackRock, Blackstone, Hedgefunds und anderer unregulierter Schattenbanken sowie deren Beraterheere (Wirtschaftskanzleien, Wirtschafts“prüfer“, Unternehmensberater, Ratingagenturen, PR) bei der Verwertung der aufgekauften Unternehmen, Banken und Krisenstaaten. Regulatory capture, systemische Rechtsverletzungen, prekäre Arbeitsverhältnisse, populistische Politik, Parallelgesellschaft in Finanzoasen. Porträts von Fink/BlackRock, Schwarzman/Blackstone, Thiel/Founders Fund, Dalio/Bridgewater, Bezos/Amazon, Schmidt/Google sowie von Ross, Kornblum, Rohatyn, Macron/Lazard/Rothschild. Kooperation von Google&Co mit Militär. Konflikt USA-EU-China. Vergleich des westlichen Kapitalismus mit China (Menschenrechte, Völkerrecht, erneuerbare Energien, Arbeitseinkommen, Armuts- und Korruptionsbekämpfung, wirtschaftliche Gesamtentwicklung, Globalisierung). Das Buch erscheint in chinesischer Sprache auch in China.

Siehe auch:

Auszug 1
Die neuen Finanzmächtigen im westlichen Kapitalismus
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25292

Auszug 2
Wie Angela Merkel und Blackstone den deutschen Kapitalismus veränderten – das war 2006: Erinnert sich jemand?
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25312

Veranstaltungshinweis:

Werner Rügemer liest aus „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“
Galerie Arbeiterfotografie, Merheimer Str. 107, 50733 Köln
Freitag, 23. November 2018, 20 Uhr

Online-Flyer Nr. 679  vom 24.10.2018

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