Diplomatie aus der Hintergasse Von Michail Rostowski

Nicht umsonst hat sich Polen zum treuesten aller US-Vasallen entwickelt und kann seinen Russland und Deutschlandhass endlich freien Lauf lassen.     Evelyn Hecht-Galinski

Diplomatie aus der Hintergasse

Die “polnische Galanterie” war einmal sprichwörtlich, aber die Gegenwart ist nicht sehr galant – und das ausgerechnet auf dem Feld der Diplomatie, auf dem Zurückhaltung und Höflichkeit zu den Grundanforderungen der Tätigkeit gehören. Von Michail Rostowski Wir alle haben unsere eigenen Gründe und Dinge, auf die wir stolz sein können.

Diplomatie aus der Hintergasse

Von Michail Rostowski

Die “polnische Galanterie” war einmal sprichwörtlich, aber die Gegenwart ist nicht sehr galant – und das ausgerechnet auf dem Feld der Diplomatie, auf dem Zurückhaltung und Höflichkeit zu den Grundanforderungen der Tätigkeit gehören.
Diplomatie aus der HintergasseQuelle: www.globallookpress.com © Florian Gaertner/photothek.de vi

Von Michail Rostowski

Wir alle haben unsere eigenen Gründe und Dinge, auf die wir stolz sein können. Einige sind stolz auf ihren Erfolg in der Wissenschaft, Kultur oder im Geschäftsleben. Die anderen geraten in unbeschreibliche Ekstase schon bei dem Gedanken über ihre ausgeprägte Fähigkeit, beim Kartenspiel zu schummeln. Und worauf, was denken Sie, ist die Führung des polnischen Außenministeriums am meisten stolz? Doch, doch, Sie haben meine Andeutung richtig verstanden. Das Auswärtige Amt in Warschau ist voller Stolz auf etwas, worauf man eigentlich nicht stolz sein sollte – auf eine beispiellose Schnösel- und Proll-Diplomatie. Sie können es nicht glauben und bedürfen konkreter Beispiele? Bitte sehr.

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Der Pressesprecher des polnischen Außenministeriums, Lukasz Jasina, äußerte sich im Lokalfernsehen über die nächtliche Vorladung des russischen Botschafters Sergei Andrejew in seine Organisation: Der Leiter der diplomatischen Vertretung Russlands “wurde von Minister Zbigniew Rau empfangen, und das Gespräch war sehr kurz, ohne jegliche Höflichkeit und sogar ohne Händedruck”. Und hier noch weitere Details der Audienz, die Lukasz Jasina den polnischen Zuschauern mit unverhohlenem Stolz mitteilte: Das Treffen “dauerte vier Minuten, der Herr Minister überreichte dem Botschafter eine diplomatische Protestnote, in der die Situation und unsere Sicht der Dinge beschrieben wird”, welche “der Herr Botschafter zur Kenntnis nahm” und anschließend das Außenministerium verließ.

Herzlichen Dank an Herrn Lukasz Jasina für diese Formulierung – “Herr Botschafter”. Sie zeugt davon, dass im polnischen Außenministerium noch nicht alles aussichtslos ist, zumindest aber, dass man in diesem Lokal noch nicht zum Gauner-Jargon übergegangen ist. Allerdings bedeutet “noch nicht aussichtslos” nicht, dass “alles gut ist”. Vor geraumer Zeit hörte ich eine scherzhafte Redewendung: “Ein Diplomat ist jemand, der dich auf solch eine Art und Weise zur Hölle schickt, dass man sich auf die Reise freut.” Leider gibt es im polnischen Außenministerium keine Diplomaten diesen Niveaus. Dort arbeiten Persönlichkeiten (entschuldigen Sie, es ist schwierig, sie als Diplomaten zu bezeichnen) von einfacherem Kaliber. Vielleicht erinnern Sie sich an die Anekdote über den glücklosen Bürger, der bei der Wäscherei anrief, aber versehentlich im Kulturministerium landete? Aus Gründen des guten Geschmacks werde ich das “kulturvolle” Wort, das er dort gehört hat, in dieser Kolumne nicht wiedergeben. Wenn Sie aber neugierig darauf sind (nicht empfehlenswert), so rufen Sie doch das polnische Außenministerium an oder schreiben Sie ihnen. Und machen Sie mir bitte keine Vorwürfe, dass ich falsche Anschuldigungen gegen dieses Büro erhebe. Deren Pressesprecher Lukasz Jasina gab selbst zu, die Mitarbeiter dort seien Liebhaber von Gesprächen “ohne jegliche Höflichkeit”.

Beim Verfassen dieser Kolumne fiel mir plötzlich ein, dass es früher einmal den Ausdruck “polnische Tapferkeit” gab. Obwohl, nein, so einfach war es in Wahrheit nicht. Nach den Offenbarungen von Lukasz Jasina konnte ich mich eine Weile nicht entscheiden, ob ich mich tatsächlich daran erinnert habe, was wirklich vorgefallen ist, oder ob mir das Gehirn aus einem seltsamen Grund eine Täuschung untergejubelt hat. Allerdings bestätigte eine schnelle Suche im World Wide Web, dass der Ausdruck “polnische Galanterie” tatsächlich einmal in Mode war.

Nachfolgend die Inhaltsangabe des Forschungsartikels “The Polish style of negotiations” (“Polnischer Verhandlungsstil”) von M. A. Bulakhtin, Doktor der Geschichtswissenschaft an der Staatlichen Nationalen Forschungsuniversität Perm: “Der Artikel befasst sich mit der Analyse der charakteristischen Merkmale der polnischen Verhandlungskultur. Zu beachten ist die Notwendigkeit, die Regeln und Normen der Höflichkeit, die in der polnischen Gesellschaft angebracht sind, zu berücksichtigen. Hierzu gehören insbesondere das Bestreben, gute und harmonische zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, ein respektvoller und freundlicher Umgang mit dem Gesprächspartner, Rücksichtnahme, das Vermeiden direkter und offener Kritik, die den Partner verletzen könnte, sowie die Verwendung sanfter und höflicher Formulierungen. Im Kontakt mit polnischen Gesprächspartnern sollten Sie auch eine Besonderheit der polnischen Kultur berücksichtigen, nämlich die Neigung, direkte und eindeutige Äußerungen von Zielen und Absichten zu vermeiden, sowie das Unausgesprochene in der Kommunikation polnischer Partner, was erhöhte Aufmerksamkeit bezüglich der Verwendung nonverbaler Kommunikation erfordert.”

Nach der Lektüre fiel ich für eine Weile in einen Zustand der intellektuellen Prokrastination. Sogar eine verrückte Theorie fiel mir ein: Vielleicht gibt es irgendwo in den Weiten des Universums ein anderes Polen, dessen Außenministerium noch immer Taktgefühl an den Tag legt?

Leider nicht, es scheint nur ein Polen zu geben. Natürlich enthält die Anmerkung zu Maksim Bulakhtins Artikel noch die folgende kuriose Information: “Man sollte die Emotionalität polnischer Gesprächspartner berücksichtigen, die Verletzlichkeit, vornehmlich dann, wenn ihre persönliche Würde berührt wird, zum Beispiel durch direkte kritische Bemerkungen, das Aufzeigen von Fehlern oder der Inkompetenz in einer Sache. Sie bereiten sich zudem nicht immer gründlich auf Verhandlungen vor und bevorzugen die Improvisation. Die fristgerechte Einhaltung von Verpflichtungen ist ihnen nicht so wichtig, sie setzen sich gerne kurzfristige Ziele. Erwähnenswert ist auch die Fähigkeit der polnischen Partner, sich schnell an die jeweilige Situation anzupassen und flexibel zu sein.”

In dieser Beschreibung erkenne ich bereits einige Züge der heutigen Mitarbeiter des polnischen Außenministeriums. Hier zum Beispiel ist ein solches Merkmal: “Sie sind nicht immer gründlich auf Verhandlungen vorbereitet, sondern improvisieren lieber.” Doch, entschuldigen Sie, wie kann man “die Verletzlichkeit der polnischen Gesprächspartner berücksichtigen”, wenn diese sich damit brüsten, dass ihr Außenminister mit dem Botschafter eines fremden Landes “ohne jede Höflichkeit” spricht? Das Einzige, was mir die leiseste Hoffnung auf eine glänzende Zukunft der Warschauer Diplomatie gibt, ist “die Fähigkeit der polnischen Partner, sich schnell an die Situation anzupassen und flexibel zu sein”. Sollte das polnische Außenministerium noch über solche Fähigkeiten verfügen, so sind sie nicht nur fällig, sondern geradezu überfällig.

Übersetzt aus dem Russischen.

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