Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Ein ehemaliger Journalist von Charlie Hebdo prangert die „neurotische Islamophobie“ der Mannschaft dieser Zeitung an

Veröffentlicht am Samstag, den 28. Dezember 2013

(Übersetzung)

Olivier Cyran, ehemaliger Journalist bei der umstrittenen Zeitschrift Charlie Hebdo brach sein Schweigen, um die neurotische Islamophobie anzuprangern, die, seiner Meinung nach, seine Mannschaft nach den 11. September 2001 befallen hat.

In Wirklichkeit hat Olivier Cyran nur auf einen vor einigen Tagen im Namen seiner Mannschaft in Le Monde veröffentlichten Artikel reagiert. In diesem Artikel bezeichnet sich Charlie Hebdo als „nichtrassistisch“.

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Photo by dalbera

„Charlie Hebdo“ nicht rassistisch? Wenn Ihr das so sagt…schreibt Olivier Cyran zurück und erwähnt eine „bedauerliche Umwandlung“, die die Mannschaft von Charlie Hebdo nach der „Wende vom 11. September 2001“ infiziert hat.

Also hat Euch Le Monde barmherzigerweise seine Abteilung Weißwäscherei geöffnet, um Eure total zerknitterte Ehre glatt zu bügeln“ spottet der Journalist und schreibt weiter: „das zerstörerische Lachen des Charlie, das ich mochte, klingt nun in meinen Ohren wie das Lachen des glücklichen Idioten, der am Tresen seine Kleindung aufknöpft oder des Schweins, das sich in der Scheiße wälzt.“

„Ich war schon kein Mitarbeiter von Charlie Hebdo mehr, als die Selbstmordflugzeuge gegen Eure Redaktion aufgeprallt sind, aber die neurotische Islamophobie, die ab diesem Tag Eure Seiten nach und nach erobert hat, ging mir persönlich nahe, weil sie die Erinnerung an den schönen Momenten, die ich bei dieser Zeitung in den 1990er Jahren verbracht hatte, versaute“ schreibt der Journalist.

Der Journalist „zeigt“ ganz klar die Islamophobie von Charb, dem Zeichner von Charlie Hebdo: „Im einem Ende 2011 auf der Webseite von Charlie Hebdo veröffentlichten Video sah man dich, Charb, den Ruf des Muezzins nachahmend, während sich deine kleinen Freunde vor Lachen schüttelten. Zum Piepen, die Nummer mit den Korangesängen beim Redaktionsschluss, Michel Leeb hätte es nicht besser gemacht.“

Olivier drückt außerdem seine ganze Verbitterung aus und weist auf die „Rolle“ hin, die Charlie Hebdo bei der Verbreitung der in Frankreich herrschenden Islamophobie gespielt hat: „Ich schreibe Euch nicht, um mit Euch über guten Geschmack zu reden, sondern eher über dieses Land, das Ihr durch Euren Beitrag auch ungesünder gemacht habt. Ein Land, das jetzt einer Frau verbietet in einer Krippe zu arbeiten, weil das Stückchen Stoff, das sie auf dem Kopf trägt, die kleinen Knirpse traumatisieren könnte.“

So ist Olivier Cyran der Ansicht, dass die Versessenheit von Charlie Hebdo eine Art Zwangsvorstellung geworden sei, die dazu beiträgt, ein falsches Bild des Islam und der Moslems zu verbreiten.

Das zwanghafte „Bombardieren“ der Moslems, das Ihr Wochenblatt seit mehr als 10 Jahren betreibt, hat ganz konkrete Folgen. Es hat mächtig dazu beigetragen, in der linken öffentlichen Meinung die Idee zu verbreiten, dass der Islam ein Hauptproblem der französischen Gesellschaft sei.  Dass Moslems zu erniedrigen nicht mehr ein Privileg der Rechtsextreme, sondern ein durch die Laizität, die Republik und das Zusammenleben geheiligtes Recht auf Unverschämtheit  sei. Und seien wir auch nicht knauserig mit Ausflüchten, – die Rechte der Frauen, da es heute weitgehend anerkannt ist, dass der Ausschluss eines verschleierten Mädchens keine blödsinnige Diskriminierung sei, sondern der Ausdruck eines sinnvollen Feminismus, der es gebietet, auf die herumzuhacken, die man angeblich befreien will“  schreibt er.  

 


http://www.egaliteetreconciliation.fr/Un-ancien-journaliste-de-Charlie-Hebdo-denonce-la-nevrose-islamophobe-de-l-equipe-du-journal-22290.html

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