Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Ein Mauretanier berichtet über seinen 13-jährigen Leidensweg in Guantanamo

Übersetzung von Christine Reynaud / Artikel von Frédéric Schneider 

Der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi wird seit 13 Jahren im amerikanischen Gefängnis von Guantanamo auf der Insel Cuba gefangen gehalten. Er beschreibt die vielfachen Folterungen, die er durch seine Wächter erlitten hat. Das Buch wird am Donnerstag in Frankreich erscheinen. Der Gefangene wurde nie angeklagt und befindet sich jedoch immer noch hinter Gittern.

guantanamo bay photo
Photo by DVIDSHUB

Der Mauretanier  Mohamedou Ould Slahi wird seit 13 Jahren im amerikanischen Gefängnis von Guantanamo gefangen gehalten, ohne je angeklagt worden zu sein. In einem Buch, das am Donnerstag erscheinen wird und woraus große Auszüge in The Gardian veröffentlicht wurden, beschreibt er die Folterungen, die er erlitten hat.

 

„Das erlaubte mir die Stellung zu wechseln“

 

„Meine Füße waren erstarrt wegen der Ketten, die die Durchblutung meiner Händen und Füßen verhinderten. Ich war jedes Mal froh, Schläge zu bekommen, weil er mir ermöglichte, die Stellung zu wechseln. „Rühre Dich nicht, Du Hurensohn!“ sagte … (Name gestrichen). Aber manchmal konnte ich nicht vermeiden, mich zu bewegen. Es war dem erhaltenen Fußtritt wirklich wert“ kann man im englischen Blatt lesen, das Le Figaro übersetzt hat.

 

Mohamedou Ould Slahi gibt zu, dass er an der Seite von Al Qaida in Afghanistan gegen das von der Sowjetunion unterstützte Regime gekämpft hatte. Er versichert, dass er seit 1992 nicht mehr an Kämpfen beteiligt war. Er wurde 2001, kurz nach den Anschlägen des 11. September, festgenommen und verdächtigt, ein Attentat gegen den Flughafen Los Angeles mitgeplant zu haben.

 

„Lebendige Leiche“

 

Er erzählt, dass er falsche Geständnisse gemacht hat, um die Folterungen, die er erlitt, zu stoppen. Er soll einem der Vernehmer, der ihn fragte, ob er die Wahrheit sage, geantwortet haben: „Es ist mir egal, Hauptsache Sie sind zufrieden “. Er wurde am 11. September 2001 in Mauretanien festgenommen und danach in Jordanien, in Afghanistan und anschließend in Guantanamo inhaftiert:  Er bezeichnet dies als „eine Welttournee der Folterung und der Erniedrigung“.

 

Er wurde als „lebendige Leiche“ von Afghanistan zum amerikanischen Gefängnis auf Kuba transportiert: gefesselt, geknebelt, mit einem Sack über dem Kopf. Als es ihm gelang, einem  Soldaten mitzuteilen, dass er Schwierigkeit zu atmen hatte, zog ihm dieser den Gürtel über den Bauch noch enger.

 

Halluzinationen

Er wurde „zusätzlichen Verhörmethoden“ unterzogen, die vom damaligen amerikanischen Verteidigungsminister Donald Rumsfeld ab 2003 genehmigt wurden. Er wurde gezwungen, Salzwasser zu trinken, wurde aufs Meer mitgenommen,, wo man ihn drei Stunden lang geschlagen und anschließend mit Eisklumpen bedeckt hat: die Folterungen verursachen bei ihm Halluzinationen. Seine Wächter hätten es ausgenützt, um ihn dazu zu verleiten, sie anzugreifen oder zu fliehen.

 

Im Sommer und Herbst 2005 begann er, dieses Buch zu schreiben. Die amerikanischen Behörden beschlagnahmten jede geschriebene Seite und stuften sie als „Geheim“ ein. Nach sechs Jahren Einsatz von Rechtsmitteln seiner Anwälte, nach 2500 Änderungsanträgen, wurde die Veröffentlichung von Mohamedou Ould Slahis Bericht genehmigt.

 

Seine Befreiung wird von der amerikanischen Regierung verhindert

 

Er befindet sich noch unter den 122 Gefangenen von Guantanamo, obwohl 2010 entschieden wurde, dass er aus der Haft zu entlassen sei. Ein Widerruf der amerikanischen Regierung verhindert seine Entlassung.

 

Les carnets de Guantanamo*, die am kommenden Donnerstag in Frankreich erscheinen, werden gleichzeitig in zwanzig Ländern veröffentlicht. Mohamedou Ould Slahi schließt mit den Worten: „Ich habe nur das erzählt, was ich erlebt, gesehen und direkt erfahren habe. Ich habe versucht, weder zu übertreiben noch zu beschönigen, und so gerecht wie möglich gegenüber der amerikanischen Regierung, gegenüber meinen Brüdern und mir selbst zu sein.“

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