Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Genug des scheinheiligen Gedenkens – ohne Konsequenzen!

Buchenwald Gaza

Am Samstag und Sonntag wurde der Befreiung von Auschwitz und Buchenwald vor 70 Jahren gedacht. Schworen nicht die Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald in einem Gelöbnis der Lebenden: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Lösung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“. Im KZ Buchenwald hatte der Kampf der Häftlinge bereits 1943 durch die Widerstandsorganisation „Internationales Lagerkomitee Buchenwald“ begonnen, zu dem der Kommunist Emil Carlebach gehörte, der nach der Befreiung einer der Gründer der Frankfurter Rundschau wurde.

Was ist aus diesem Ziel geworden? Eine Welt des Friedens und der Freiheit? Warum ist es richtig und wichtig, auch schlimme Bilder von Leichenbergen zu zeigen, aufgenommen in den ehemaligen Konzentrationslagern? Warum soll es Walter Herrmann, dem Betreiber der Kölner Klagemauer per Gerichtsbeschluss verwehrt werden, authentische Bilder aus Gaza, von durch die „Jüdische Verteidigungsarmee“ ermordeten Kinder während des letzten Angriffs 2014 zu zeigen?

Dürfen Deutsche diese Bilder nicht sehen, weil diese die Auswirkungen des zionistischen Terrors zeigen? Also gibt es zweierlei Maß, für Gräueltaten? Ja die IS-Gräuel der Köpfung sind schrecklich! Aber sind es die Saudischen sogar öffentlichen nicht genauso? Und was ist von einem Außenminister des „Jüdischen Staates“ zu halten, der „Köpfungen“ von Palästinensern vorschlägt? „Kopf ab Lieberman“!

Scheinheilig wird gedacht, während die Kriege und Angriffe immer weiter gehen. Scheinheilig inszeniert sich US-Präsident Obama während des Amerika-Gipfels in Panama, indem er endlich feststellt: „Der kalte Krieg ist vorbei. Kuba ist keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten“. Ein „historischer Moment“, und dass es an der Zeit sei, etwas neues auszuprobieren. Er, Obama, habe Castro aber deutlich gemacht, „dass wir nicht aufhören werden, über Themen wie Demokratie, Menschenrechte sowie Versammlungs- und Pressefreiheit zu sprechen“!

Das sagt also ein US-Präsident nach 50 Jahren gescheiterter US-Außenpolitik: „Der einzige Lichtblick dabei ist es in meinen Augen, dass schon im letzten Dezember vereinbart wurde, die diplomatischen Beziehungen nach 50 Jahren wieder aufzunehmen.

Auch mit Präsident Maduro von Venezuela traf sich Obama und versicherte diesem (scheinheilig!), dass Washington Venezuela nicht bedrohen wolle, sondern „nur die Demokratie, die Stabilität und den Wohlstand in Venezuela und der Region unterstützen will“.

Wie passt es dann zusammen, dass die USA den „Wohlstand“ Venzuelas mit Sanktionen belegen und noch Anfang März sieben maßgebliche venezolanische Funktionäre, die an der „Unterdrückung der Opposition“ beteiligt sein sollen, auf die US-Sanktionsliste setzen ließen?

Ist nicht die wahre Absicht der USA, Maduro zu stürzen und regierungsfeindliche Proteste in Venezuela zu fördern? Ist das nicht ganz ähnlich, leider erfolgreich in der Ukraine gewesen? In Russland wurde es auch versucht, aber glücklicher Weise ohne Erfolg.

So hält sich mein Optimismus wegen der „Friedenspolitik“ Obamas in Grenzen, genau wie nach seiner Wahl, die ich schon damals wenig euphorisch sah, im Gegensatz zu vielen anderen!

Ebenso scheinheilig ist es, wenn sich Außenminister Steinmeier um das Ansehen Deutschlands wegen des Brandanschlages in Tröglitz fürchtet. Ich fürchte um das Ansehen der deutschen Politiker, die sich täglich über die „Springernde Bild und Welt“ äußern, Blätter, die schon soviel Unheil über Deutschland brachten und heute quasi als „Neben-Regierungssprecher Organe“, aller Parteien agieren.

Warum redete auch SPD-Minister Gabriel mit Pegida? Warum spricht der sächsische Ministerpräsident Tillich, CDU, mit „gespaltener Zunge“ wenn es um Pegida geht?

Sind es nicht vielmehr die „Geister die sie riefen“, die jetzt marschieren? Jeder der jetzt noch zu Pegida-Aufmärschen geht, nach der Ankündigung, dass dort Geert Wilders, der Rechtspopulist und Islamophobist sprechen wird, ist durch nichts mehr zu entschuldigen und ist ein Rassist! (1)

Eine aktuelle Emnid-Umfrage bestätigt eine ganz andere Einschätzung. Jeder vierte Deutsche würde bei sich zu Hause Flüchtlinge aufnehmen: 33% der Ostdeutschen wären demnach bereit, Hilfesuchende in der eigenen Wohnung einzuquartieren, und 76% der Ostdeutschen und 84% der Westdeutschen haben demnach keine Probleme damit, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Flüchtlingsheim entstünde.

Allerdings, wer gab diese Umfrage in Auftrag, wo wurde diese Umfrage veröffentlicht? In der Bild am Sonntag, ausgerechnet dem Organ, das die Hetze als Verkaufsmotto erfunden hat“ und betreibt! Kurt Tucholsky hat einmal geschrieben: „Lügen ist ihr Geschäft!“ Ich meine, „Angst machen bringt Quote“!

Um dieses Ansehen, dass wir dank der „Springernden Hetzblätter“im Ausland produzieren, mache ich mir allerdings schon Gedanken seit den 68er Jahren und Demonstrationen in Berlin, die mit dem Benno Ohnesorg-Mord, den „Jubelpersern“ und dem Dutschke-Attentat ihren traurigen Höhepunkt fanden, den ich noch selbst erlebt habe. Schon damals demonstrierten wir gegen den Springer-Konzern, ein sehr wichtiges Mittel im Protest! Auch heute wird dieser Protest wieder belebt, indem vor der Bild-Zentrale demonstriert wurde!

Warum sorgt sich Außenminister Steinmeier nicht um das Ansehen von Deutschland, wenn der Bundessicherheitsrat, der geheim tagende Ausschuss des Kabinetts, unter Führung von Kanzlerin Merkel, in dem er als Außenminister, sowie die Verteidigungsministerin und der Innenminister über genehmigungspflichtige Rüstungsexporte entscheiden und gerade wieder einen U-Boot-Export in den „Jüdischen Staat“ genehmigten?

Es ist das fünfte, von insgesamt sechs U-Booten, die von Deutschland dem „Jüdischen Staat“ versprochen wurden. Vier wurden bereits geliefert und zu einem Drittel aus unseren Steuergeldern finanziert! Auch dieses fünfte U-Boot wird erneut mit einem Drittel aus unseren Steuergeldern finanziert, geschätzten 165 Millionen Euro, von 600 Millionen der Gesamtkosten.

Dieses fünfte der Dolphin U-Boote ist 68 Meter lang und mit Torpedo Rohren ausgestattet. Es wurde im April 2013 in aller Heimlichkeit auf der Werft von Thyssen-Krupp auf den Namen „Rahav“ getauft, der von einem Seeungeheuer aus der jüdischen Mythologie stammt. Der Name passt wie geschaffen zu dem „jüdischen Ungeheuer“ aus der heutigen politischen Mythologie im „Jüdischen Staat“, der schon nach Abnahme des vierten Bootes vollmundig dieses U-Boot „eine klare Botschaft an unsere Feinde nannte“.

Dieses Verkauf- Geschenk ist nicht nur „heikel“, sondern es ist ein Verbrechen, solche U-Boote, die der „Jüdische Saat“, laut gut unterrichteter Kreisen, nach Erhalt so modifiziert, dass sie mit nuklearen Marschflugkörpern bewaffnet werden können! Ist es dem Ansehen Deutschlands förderlich, an einen „Jüdischen Staat“, der das Völkerrecht mit Füßen tritt, Besatzung, Judaisierung und Raub als Staatspolitik betreibt, der Menschenrechte permanent verletzt, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberung betreibt, Rüstungsgüter und U-Boote als „solidarische Hilfe“ zu gewähren, mit Steuergeldern einer deutschen Bevölkerung, die sich nicht einverstanden mit den Verbrechen gegen das palästinensische Volk erklärt?

Wie kommt es, dass der „Jüdische Staat“ seinen „Alleinvertretungsanspruch“ als einzige Atommacht im Nahen Osten solange ungestraft behalten darf? Wie kommt es, dass der Iran fälschlicher Weise immer wieder dämonisiert wird, während der „Jüdische Staat“ es immer erfolgreich verstanden hat, sich als kleines, angegriffenes Land darzustellen, das sich nur dem Frieden und der Terrorbekämpfung verbunden fühlt?

Nicht der Iran hat den „Jüdischen Staat“ oder die Welt bedroht, nein es ist eben Israel das schon wieder mit einem  Angriff gegen den Iran droht. Es war der „Jüdische Staat“, der schon 1981 den Irak bombardierte, es war der „Jüdische Staat“, der die Libanon-Kriege führte; die Zerstörungen sind bis heute sichtbar! Es war der „Jüdische Staat“ der 2007 Angriffe gegen Syrien flog, es war der „Jüdische Staat“, der vor kurzem auf dem von ihm illegal besetzten Golan, al Nusra-Kämpfer medizinisch versorgte und ihnen logistische Hilfe leistete. Es war der „Jüdische Staat“ der Angriffe auf Kuneitra flog und der, wenn es ihm passte, die Lufträume souveräner Nachbarstaaten verletzte.

Der „Jüdische Staat“ fliegt weiter seine Drohnen über das von ihm abgeriegelte Gaza, und das alles ist nur möglich, weil Steinmeier und Konsorten es zulassen!

Warum ist wohl der Rassist und Hetzer vom Dienst, „König der Juden“ Bibi Netanjahu, wieder gewählt worden? Weil diese Politik der Isolation ankommt bei den jüdischen Wählern! Hatte er doch ehrlich gesagt, dass es mit ihm die „Zwei-Staaten-Lösung“ nicht geben wird! Er, der immer auf Konfrontationskurs gegen Obama ging, wusste genau, dass ihn nichts stoppen kann.

Nicht einmal als herauskam, dass der israelische Geheimdienst die „US-Freunde“ während der Iran-Verhandlungen abgehört hatte und geheime Protokolle an Gegner im Kongress weiter gegeben hatte, schien ihm das zu schaden. Schließlich hören sich die „Freunde“ ja gegenseitig ab.

Er ließ auch keine Chuzpe aus, weder vor dem US-Kongress, noch als ungebetener Gast in Paris. Aber er ist sich seiner Karte so sicher, dem „jüdischen Joker“, der AIPAC-Karte, die er, ebenso wie der gerade wieder gewählte Chicagoer Bürgermeister Rahm Emanuel immer einsetzt, wenn alles verloren scheint.

Auf der Strecke bleiben dabei immer die Palästinenser und die Besatzung, die kein Thema mehr zu sein scheinen. Das führt auch zu dem momentan schlimmsten Ereignis, den eingeschlossenen etwa 18.000 palästinensischen Flüchtlingen aus dem Lager Yarmuk in Syrien.Dieses Lager, das dank großzügiger Hilfe von Syriens Präsident Assad einmal seit der Staatsgründung „Jüdischer Staat“ 1948 160.000 vertriebenen palästinensischen Flüchtlingen Unterschlupf bot, und im Gegensatz zum Libanon einmal einem Stadtviertel glich, ist heute ein Todesghetto, mit dem Warschauer Ghetto vergleichbar, ist es doch für die palästinensischen Flüchtlinge noch schwieriger, als für „normale“ Syrer, diesem Bürgerkrieg und Elend zu entkommen.

Etwa tausend Palästinensern gelang es, in den Gazastreifen zu fliehen. Aber auch das wurde inzwischen durch die ägyptische und israelische Abrieglung unmöglich. Einigen gelang die Flucht nach Jordanien, wo sie abgesondert in einem Lager untergebracht wurden. Auch der Versuch der Palästinenserbehörde, Flüchtlinge in das vom „Jüdischen Staat“ illegal besetzte Westjordanland zu holen, schlug fehl und scheiterte an der vom „Jüdischen Staat“ unannehmbaren Forderung an die Flüchtlinge, vor der Einreise auf ihren Flüchtlingsstatus zu verzichten.

Da der „Jüdische Staat“ alle Grenzen, auch die zum besetzten Westjordanland kontrolliert, verweigert dieser jede unbürokratische Hilfe. Dieser „Jüdische Humanismus“ der  besonderen Art, zeigte sich ja auch schon im Umgang mit den schwarzen Asylsuchenden, die im „Jüdischen Staat“ in extra für sie gebaute Gefängnisse kommen, oder wie gerade wieder geschehen, in Fluchtländer abgeschoben werden! (2)

Haaretz, die liberale israelische Zeitung prangerte diese Zustände schon mehrmals an und forderte den „Jüdischen Staat“ auf, den Flüchtlingen beizustehen, da das eine „humanitäre Aufgabe erster Ordnung“ sei! (3)

Wie wäre es, wenn Deutschland diese Flüchtlinge, die letzten Opfer des Holocaust, da sie durch die jüdische Staatsgründung und die Verbrechen der Nakba ihre Heimat verloren, unbürokratisch nach Deutschland zu holen würde? Schließlich kommt der „Jüdische Staat“ seiner Pflicht nicht nach. Alle entstehenden Kosten sollten natürlich von den Zahlungen an den „Jüdischen Staat“ abgezogen werden, z.B. für die bei den U-Booten!

Warum  sorgt sich der deutsche Außenminister Steinmeier nicht um die deutsche Kooperation mit Putschstaaten wie Ägypten, Ukraine, oder die Koalition der „Willigen“, die von der deutschen Regierung noch wohlwollend begleitet wird, die unter saudischer Führung, auch mit Hilfe deutscher Waffen zurzeit ein Blutbad im Jemen anrichtet?

Wie ist es möglich, dass sich eine deutsche Regierung so unmissverständlich auf die Seite von Völkerrechtsverbrechern und Aggressoren und Besatzern stellt? Wie ist es möglich, dass sich eine deutsche Regierung auf die Seite eines saudischen Königsregimes stellt, das als einziges Land der Erde christliche Kirchen verbietet und zerstört, und es mit Waffen unterstützt? Wie ist es möglich, dass sich eine deutsche Regierung unwiederbringlich an die Seite eines  „Jüdischen Staates“ und Besatzers stellt – einmalig in der Welt?

Die Nazi-Verbrechen und der Holocaust rechtfertigen es nicht, dass heutige Verbrechen von den Überlebenden und Nachfahren der Opfer vertuscht oder toleriert werden. Verbrechen bleibt Verbrechen, egal von wem begangen!

Immer wieder fällt mir dazu der Spruch meines Vaters ein: „Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen“!

Gedenken hat nur einen Sinn, wenn auch der neuen, gegenwärtigen Verbrechen gedacht wird, ohne Unterschied. Das sollten uns die Lehren aus der Vergangenheit sein!

 


Bildquelle: Buchenwald was made by Jule Rouard (scan Luc Viatour).

Please credit this : Jule Rouard – Luc Viatour

 

(1) http://www.sz-online.de/nachrichten/was-will-wilders-von-pegida-3079456.html

(2) http://www.haaretz.com/news/national/.premium-1.650157

(3) http://www.haaretz.com/opinion/1.651109

 

Einen Filmclip mit dem Buchenwald-Häftling und FR-Mitgründer Emil Carlebach finden Sie unter

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16186

1 Kommentar zu Genug des scheinheiligen Gedenkens – ohne Konsequenzen!

  1. Danke liebe Evelyn H.-G.,für diesen sehr objektiven,emotionalen und menschlichen Bericht.Aber an Heuchelei,Menschenverachtung,Macht-und Geldgeilheit krankt die gesamte westliche Welt.Und würde man in Ihrem Artikel statt Israel den Eigentümer des Planeten Erde,die USA und ihre Vasallen dazu einsetzen,mit all ihren Verbrechen,dann würde das Dilemma dieser Welt offenbar.Die westlichen Eliten denken nicht daran,ihren verbrecherischen Kapitalismus zu reformieren,der Ungerechtigkeit und Kriege,mit den bekannten Folgen,geradezu produzieren muss.Als Nachkriegs-Geborener habe ich Sachsenhausen und Buchenwald besucht,was mir unvergesslich bleibt.Unter Schock und Tränen,nachdem wir Jugendlichen zuvor vom Holocaust erfuhren,verließen wir diese Gedenkstätten und schämten uns etwas,für unsere Väter und Großväter.Auch konnten wir uns eine Wiederholung ähnlicher Verbrechen,wie das am eigenen Volke und Ausländern, nur weil die eine jüdische Religion hatten,nicht vorstellen.Wir Jugendliche,vertrauten der Lernfähigkeit unserer Erwachsenen.Aber schon ein Blick auf die Regierung Adenauers,mit ihren Nazi-Bonzen,ließ uns zweifeln.Und von Israel erwarteten wir,nach der eigenen Betroffenheit,die oberste Rolle als Gralshüter der Menschlichkeit.Das Recht Israels auf seine Verteidigung,fand jeder legitim.Nun habe ich im Hinblick auf den Holocaust große Probleme damit,das eine jüdische Regierung widerliche Kriegsverbrechen,z.B. in Gaza gegen Palästinenser,befiehlt.Begreifen diese Leute nicht,dass sie selber menschlich den Holocaust an ihren eigenen Familien entwerten?Was macht einen Tod durch eine Bombe,die den Körper des Opfers zerfetzt,humaner gegenüber einem Giftgasmord,wenn beide Tötungen gewollt sind???

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