Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

In Erinnerung an meinen verstorbenen Freund Peter Kleinert!

In Erinnerung an Peter Kleinert

Ein unabhängiger und unbestechlicher Vollblut-Journalist und Kämpfer für Solidarität und Gerechtigkeit ist von uns gegangen.

Als ich am Samstag dem 6. Februar, erfuhr, dass mein guter Freund Peter Kleinert plötzlich verstorben ist, war ich geschockt und fassungslos, und wie gelähmt von dieser furchtbaren Nachricht. War mein Freund Peter doch ebenso ein menschliches, wie journalistisches Vorbild für mich, so wie ich mir einen sauberen Journalismus immer vorgestellt habe.

Noch am Vorabend seines Todes hatte ich mit Peter lange und ausführlich telefoniert. Schon seit langem wusste ich ja, dass Peter schwer krank ist, und dass ihn einzig und allein die Arbeit für sein „Kind“, die Neuen Rheinischen Zeitung, am Leben erhält.

Vor einigen Tagen entschloss er sich, zusammen mit seiner wundervollen Lebensgefährtin Veronika, noch einmal aus der Türkei nach Deutschland aufzubrechen, um sich im hohen Norden etwas zu erholen und sich den Nord-Wind um die Nase wehen zu lassen, der ihn wieder auf Trab bringen sollte.

Mein Mann und ich sind sehr traurig, dass es uns nicht mehr möglich war, ein gemeinsames Wiedersehen zu erleben.

Auch ein Wiedersehen mit seinem geliebten Datca, seiner zweiten Heimat, war ihm nicht mehr vergönnt, leider wollte es das Schicksal anders. Wie schwärmte Peter immer von dieser türkischen Halbinsel, zwischen Rhodos und Kos gelegen, dem antiken Kindos, wo einst der griechische Künstler Praxitelles seine weltweit bis heute bekannte Aphrodite über den Hafen stellte.

Ich bewunderte, wie Peter trotz seiner Krankheit bis zuletzt weiter arbeitete. Die NRhZ, die Peter seit 2005, als Herausgeber und Redakteur zum Leben erweckte, wollte an die Tradition von Karl Marx Neuer Rheinischer Zeitung anknüpfen. Als Alternative zum meinungsbildenden Medienmonopol der Mainstream- Medien.

Peter Kleinert war von Beginn an bestrebt, eine unabhängige, engagierte und kritische Online-Zeitung zu machen. Das gelang ihm wahrlich mit Bravour. Schnell avancierte die NRhZ zu einer der erfolgreichsten Zeitungen im Netz. Ich selbst schreibe seit 2010 regelmäßig für die NRhZ, als wöchentliche Kommentatorin, nachdem ich mich seinerzeit von einem Blog und seinem „Blogwart“ getrennt hatte, der das genaue Gegenteil des Vollblutjournalisten und Profis Peter Kleinert verkörperte. Das war eine meiner besten journalistischen Entscheidungen, zumal Peter schon lange vorher meine Kommentare von diesem unbedeutenden Blog übernommen hatte, weil ihm meine Art zu schreiben gefiel. So fühlte ich mich seit dieser Zeit endlich gut aufgehoben bei der NRhZ, und seitdem verband mich mit Peter Kleinert ein mehr als freundschaftliches, fast väterliches Verhältnis.

Wie werde ich unsere Telefonate und E-Mails vermissen, er fehlt mir schon jetzt. Hoffte ich doch, recht bald sein Kürzel PK unter meinen Kommentaren, nach dem lesen und nochmaligen redigieren fertig ins System gestellt zu finden.

Peter war ein besonderer Mensch und Freund, der für Anstand, Fairness, Solidarität und sauberen Journalismus stand. Wir ergänzten uns, politisch wie im privaten. Wie hast Du Dich gefreut, als ich meine Website „vom Hochblauen“ im letzten Jahr startete. Ich vergesse auch nie, als Peter uns vor ein paar Jahren in unserem Haus am Hochblauen besuchte. Er genoss die Stille und die Natur, und wir, mein Mann und ich, genossen die anregenden Gespräche. Allerdings ließ Peter seinen mitgebrachten Laptop kaum beiseite, da er fast ständig an seiner NRhZ weiter arbeitete, damit diese auch während seines Deutschland-Besuchs pünktlich erscheinen konnte. Niemals hätte er das Vergnügen vor die Arbeit an seiner Zeitung gestellt! Schließlich war es ihm wichtig, dass die NRhZ pünktlich jeden Mittwoch erscheinen konnte, und das war allein sein Verdienst und sein Leben. Hatte Peter doch die NRhZ als alleiniger Herausgeber geführt. Viele treue Unterstützer hat die NRhZ, die regelmäßig wie ich, oder sporadisch ihre Artikel dort veröffentlichen. Wir alle sehen es als eine wichtige Aufgabe, weiter in dieser unabhängigen Zeitung unsere Texte veröffentlichen zu können, selbstverständlich unentgeltlich, dass ist mir und war Peter besonders wichtig. Sorgfältig las er Woche für Woche die vielen eingesandten Artikel. Manchmal schickte er auch Artikel an mich, um meine Meinung zu erfragen, und das war immer eine ganz besondere Ehre für mich, wenn Peter mich um freundschaftlichen Rat fragte. Interessanterweise kamen wir in der Beurteilung fast immer zu fast identischen Ergebnissen.

Als mich Peter 2014 vorab fragte, ob ich bereit wäre den Karls-Preis, den die NRhZ seit 2008 alle zwei Jahre vergibt, anzunehmen, war ich gerührt und fühlte mich geehrt, auch wegen der früheren Preisträger Werner Rügemer, Wolfgang Bittner und Rolf Gössner. Wird doch der Karls Preis als Anerkennung für engagierte Literatur und Publizistik vergeben. Peter Kleinert und die NRhZ wollten damit unter anderem meinen Einsatz für ein freies Palästina, für die besetzten Menschen in Palästina und gegen die illegale Besatzung würdigen. Mit großer Freude bedankte ich mich und freute mich auf die Karls-Preis-Verleihung am 28.September 2014 in Köln. Besonders natürlich auf das Wiedersehen mit Peter, der es sich selbstverständlich als Verleiher und Stifter nicht nehmen ließ, nach Köln zu kommen. Seine wunderbare Rede anlässlich der Preisverleihung bleibt mir für immer als rührende Erinnerung. (1)

Der Preis umfasste 196,– Euro, eine historische Karl-Marx-Münze und einen Urlaub für mich und meinen Mann auf Datca bei Peter, den wir traurigerweise nun nicht mehr erleben können.

Die 196,– Euro spendete ich an meinen anderen Kölner Freund, Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer; auch für diesen Freund engagiere ich mich schon seit langem und auch um seine Gesundheit mache ich mir große Sorgen. (2)

Lieber Peter, solltest Du als ebenso Ungläubiger wie ich, doch noch von irgend einer Wolke herunter schauen, dann sei gewiss mein lieber Freund, ich werde bei jedem „Kommentar vom Hochblauen“ an Dich denken und versuchen, auch ohne unseren wöchentlichen Austausch, den ich sehr vermissen werde, ganz in Deinem Sinn für Zivilcourage und Unabhängigkeit zu stehen, wie wir es schon seit so vielen Jahren gemeinsam taten, vereint im Kampf für Gerechtigkeit und Solidarität.

Ich bin sehr froh darüber, dass Du noch zur rechten Zeit Deine NRhZ an unsere gemeinsamen Freunde Anneliese Fickentscher und Andreas Neumann übergeben konntest. Eine gute Entscheidung für die NRhZ, damit diese ganz in Deinem Sinn fortgesetzt wird.

Ein liebenswertes Herz hat aufgehört zuschlagen, ein wunderbarer toleranter Mensch ist von uns gegangen.

Ich weine um meinen besten Freund, der mir immer solidarisch zur Seite stand.
Lebe wohl, Peter.

2 Kommentare zu In Erinnerung an meinen verstorbenen Freund Peter Kleinert!

  1. Über den Tod von Peter bin ich so geschockt, dass ich mein Trauer nicht in Worte fassen kann. Peter ist von uns gegangen. Er fehlt uns und wir werden ihn sehr vermissen.

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