Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Jüdische Allgemeine : „Abgedreht und orientierungslos“ Von Lasse Stodollick

„Abgedreht und orientierungslos“

Es irritiert, sich im Jahr 2019 über Jürgen Todenhöfer überhaupt noch äußern zu müssen. Doch anscheinend hat sich immer noch nicht herumgesprochen, dass Todenhöfer eben nicht der liebe Gutmensch‐TV‐Onkel ist, als der er im Fernsehen nach wie vor gerne herumgereicht wird.

Das „stürmerische“ Zentralorgan des Zentralrats der Juden hat wieder hetzerisch zugeschlagen. Diesmal traf der „Hasbara Bannstrahl“  den prominenten Publizisten und Autor Jürgen Todenhöfer, der sich schon lange für die Freiheit Palästinas einsetzt.

Vor 15 Stunden setzte Jürgen Todenhöfer diese persönliche Erklärung zu diesem Artikel der Jüdischen Allgemeinen auf seine Facebookseite, die ich meinen Lesern und Unterstützern nicht vorenthalten möchte.

Evelyn Hecht-Galinski

 

„Jüdische Allgemeine“ fordert TV-Boykott gegen Jürgen Todenhöfer.

SORRY, JÜDISCHE ALLGEMEINE! ABER DAS EINTRETEN FÜR DIE MENSCHENRECHTE DER PALÄSTINENSER IST KEIN ANTISEMITISMUS! WIR MÜSSEN DIE PALÄSTINENSER GENAUSO GUT BEHANDELN, WIE WIR ISRAEL BEHANDELN.

Liebe Freunde, in einem Kommentar der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ wird nach meinem Auftritt in der TV-Sendung „Talk am See“ mit Nachdruck gefordert, mich nicht mehr zu TV-Sendungen einzuladen. Ich sei ein antisemitischer „Israelhasser“. Jeder, der mich auch nur ein wenig kennt, weiß, dass das ignoranter Schwachsinn ist.

Der Boykottaufruf, den die „Jüdische Allgemeine“ im Internet verbreitet, ist voller Unwahrheiten. In der TV-Sendung hatte überhaupt niemand Israel kritisiert. Die Politik Israels kam gar nicht zur Sprache. Hat der Autor der „Jüdischen Allgemeine“ die TV-Sendung überhaupt gesehen? Oder schlief er bereits den Schlaf der „Selbstgerechten“? Und träumte von weiteren Boykottaufrufen gegen unbequeme Mahner?

Ein Beispiel von weiteren Unwahrheiten des Artikels: Die Behauptung, ich hätte 2014 in einer Hausruine Gazas mit „frisch ausgepacktem Kinderspielzeug“ ein anti-semitisches Foto „inszeniert“, wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahr. Gaza war in jenen Tagen des Gazakriegs voller Ruinen, in denen Kinderspielzeug herumlag. Leider. Ein Kriegsreporter erzählte mir später, immer wenn man in Gaza Kinderspielzeug in zerbombten Häusern fotografiere, heiße es anschließend, die Fotos seien „gefakt“. Das sei inzwischen ein „running gag“.

In meinem aktuellen Buch „Die große Heuchelei“ habe ich die triste Szene noch einmal genau beschrieben und das Foto bewusst noch einmal veröffentlicht. Nicht weil ich gegen Israel wäre, sondern weil ich gegen Bombenkriege bin. Kriege töten immer Kinder. Im letzten Gazakrieg über 500.

Noch ein Wort zu den abstrusen Antisemitismus-Vorwürfen, mit denen versucht wird, mich als Kritiker völkerrechtswidriger Aktionen zum Schweigen zu bringen:

Ich finde jede Form von Rassismus widerlich. Antisemitismus genauso wie Islamfeindlichkeit. Ich gehe noch weiter: Ich bejahe seit jeher das Existenzrecht Israels und den berechtigten Wunsch seiner Bürger in Frieden zu leben. Juden sind genauso viel wert wie Christen, Muslime und andere Menschen. Und Israelis genauso viel wie die Bürger anderer Staaten. Die Bekämpfung von Rassismus ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Generation. Sie ist eines meiner Hauptanliegen.

Dass ich genau deshalb auch für die Menschenrechte der Palästinenser eintrete, lasse ich mir von niemandem verbieten. Menschenrechte sind unteilbar. Auch die Palästinenser haben ein Recht auf Achtung ihrer Menschenwürde. Und auf einen eigenen, lebensfähigen Staat, den man ihnen tausendfach versprochen hat. Wer das „Antisemitismus“ nennt, ist entweder nicht sehr intelligent oder selbst Rassist.

Ich habe mich in meinem ganzen Leben nie antisemitisch geäußert. Im Gegenteil. Ich habe Antisemitismus immer offensiv bekämpft. Ich habe in meiner Jugend sogar mitgeholfen, eine antisemitische NPD-Großveranstaltung „umzufunktionieren“, weil ich ihren Antisemitismus unerträglich fand. Die Kurzrede, die ich damals gegen die NPD wegen ihres aggressiven Antisemitismus hielt, war die erste Rede meines Lebens. Ich bin von den NPD-Anhängern gnadenlos ausgepfiffen worden.

Wer allerdings gewisse, auch von der UNO als völkerrechtswidrig verurteilte Teile der Politik Netanjahus ablehnt, ist weder antisemitisch noch anti-israelisch. Fast die Hälfte der Bevölkerung Israels lehnt Netanjahus Politik ab. Tausende demonstrieren gegen sie. Sind diese Israelis deshalb anti-israelisch? Ich kritisiere auch die Außenpolitik der deutschen Bundesregierung. Bin ich deshalb anti-deutsch?

In meinem neuen Buch „Die große Heuchelei“ habe ich meinem Traum von einer Aussöhnung zwischen Christen, Juden und Muslimen ein eigenes Kapitel gewidmet. Diese Aussöhnung ist keine Utopie. Das hatte man lange auch vom Verhältnis zwischen Christen und Juden geglaubt. Und doch ist diese Aussöhnung heute zwar noch nicht vollständig, aber doch weitgehend gelungen. Die überwältigende Mehrheit der Deutschen will, dass Juden in Deutschland überall selbstbewusst ihre Kippa tragen können. Ich auch.

An der Aussöhnung von Juden, Christen und Muslimen müssen allerdings alle hart arbeiten. Auch die Amtsträger und Funktionäre der drei Religionen. Und auch ihre Publikationen. Mit Boykottaufrufen, Meinungsterror, gehässigen Verleumdungen und dem leichtfertigen Schleudern der Antisemitismus-Keule gegen alle, für die Menschenwürde unteilbar ist, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.

Das sehen auch die meisten meiner jüdischen Freunde so. Sie schreiben mir das ganz offen. Ich kann dem Autor des Boykottaufrufs gegen mich gerne einige dieser Briefe zeigen.

Ich wohne übrigens am Ort einer früheren jüdischen Synagoge. Der ersten in München. Ich fühle mich dort richtig zuhause. Und wenn ich durch den Mittleren Osten reise, verbringe ich oft Stunden der Meditation nicht nur in Kirchen und Moscheen, sondern auch in Synagogen. Sie strahlen einen ganz anderen Geist aus als der gehässige Boykottaufruf in der „Jüdischen Allgemeine“.

Euer JT

 

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