Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Mit dem Iran-Abkommen macht Israel aus einem Festtag einen Trauertag

Gideon Levy, Information Clearing House 16. Juli

Ein intelligentes Israel, das nicht gehirn-gewaschen und von Angst erfüllt ist, sollte in dieser Woche glücklich sein. Der Tag, an dem das Abkommen mit dem Iran erreicht wurde, sollte ein Feiertag sein, an dem die Verhinderung des nächsten Krieges, des schlimmsten von allen, gefeiert werden sollte. Wenn ein Land behauptet, der Bedrohung seines Überlebens gegenüber zu stehen, was sollte es glücklicher machen, als eine Chance, den Krieg zu verhindern?

Aber es stellt sich heraus, dass in Israel allein die Chance, einen Krieg zu verhindern, eine Katastrophe ist – ein weiterer Holocaust. Eine Apokalypse ist verhütet worden, gewiss um ein Jahrzehnt verzögert – und Israel erklärte eine Notlage. Hilfe, es gibt keinen Angriff auf den Iran. Unsre klugen Pläne sind dazu verdammt, im Papierkorb zu landen.

Wie Israel sich danach sehnt, Flugzeuge zu sehen, die in der Dämmerung abheben und bombardieren und bombardieren, wie sie es jahrelang praktiziert haben. Wie Benjamin Netanjahu und seine Medien-Sprachrohre danach lechzen, dies zu sehen – vor allem amerikanische Bomber, aber auch israelische würden ok sein.

Was für ein berauschendes Bombardieren würde das gewesen sein. Was für einen Empfang würden wir unsern Jungs bei ihrer Rückkehr von der gewagten Operation über Bushehr gegeben haben! Und was für ein Desaster könnte sich ergeben haben? Aber die Verhütung von all diesem ist in Israel eine Katastrophe.

Die Kollaborateure Isaak Herzog und Yair Lapid sind schon mobilisiert worden. Die israelische Antwort auf das Nuklear-Abkommen mit dem Iran enthüllt, wie die israelische Seele reagiert. Israel ist über Jahre hinaus so schlimm korrumpiert worden, die Leute von so viel einschüchternder Propaganda gehirngewaschen worden, dass jedes Abkommen, dass durch gewaltfreie diplomatische Bemühungen erreicht wird, als rechtswidrig angesehen wird.

Wir sind im Denken so gut trainiert worden, dass Alles mit Gewalt, und zwar nur mit Gewalt getan werden muss, dass wir vergessen haben, dass es noch andere Wege gibt, um etwas zu erreichen. Aber diese Wege gibt es in Israels Wortschatz nicht mehr.

Das geschieht, wenn ein Land mit dem Schwert lebt und davon überzeugt ist, es gibt keine anderen Möglichkeiten, etwas zu tun. Das geschieht, wenn irgendeiner Gefahr – einer wirklichen oder eingebildeten – sofort mit Gewalt begegnet wird.

Ein Brigadekommandeur, der einen Steinwerfer zu Tode schießt und ein Israel, das begierig ist, den Iran zu bombardieren, sprechen genau dieselbe Sprache. Wenn diese Sprache die einzige ist, die hier gesprochen wird, und Israel sich weigert, andere anzuhören – geschweige denn versucht, sie zu lernen – dann hat Israel ein Problem. Vielleicht ist dies die Drohung für sein Überleben – in der Geschichte hat kein Land lang überlebt, das nur mit dem Schwert gelebt hat-

Israel, das plötzlich in die Katastrophe fiel, zittert nicht wegen Details des Iran-Abkommen, das wenige gelesen haben. Es handelt in dieser Weise, allein weil das Abkommen erreicht wurde. Jedes Abkommen, selbst wenn Irans Kapitulation vertraglich festgelegt wurde, würde eine ähnliche israelische Antwort haben.

Man versucht zu behaupten, dass Irans Rückkehr in die Familie der Nationen und sein wirtschaftliches Wachstum viel besser sei, als an die Wand gedrückt und isoliert zu werden.

Diese Meinungen werden in Israel als Wahn angesehen. Schließlich ist hier jeder ein Experte, der weiß, dass der Iran – übrigens anders als Israel – sich über internationale Resolutionen hinwegsetzt und sich nicht an Abkommen hält.

Der Name unseres Spiels ist immer „Verdacht, dass jeder schuldig ist, bis seine Unschuld bewiesen ist“. Wenn wir nichts haben als endlose Verdächtigungen – dann wird die ganze Welt im Geheimen unsere Zerstörung planen und hat nichts weiter, mit dem es sich befasst – dann haben wir mit einer Paranoia/Verfolgungswahn zu tun, und zwar mit einem fortgeschrittenen und alarmierenden Zustand. Frage irgendeinen Rucksacktouristen, der vom Ende der Welt kommt. Man kann wetten: er hat Antisemitismus gesehen.

Die Dinge sind besonders ernst, wenn die Antwort zu einem Chor wird, der keinen anderen Stimmen Raum gibt. Ob es gegen den Iran oder gegen Gaza geht. Es ist ein Lied, das nie endet – Lasst uns sie bombardieren.


 

(dt. Ellen Rohlfs)

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