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Nachruf und Weckruf zum Tod von Peter Kleinert Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Aktuelles
Überwindung der Zersplitterung des Widerstands
Nachruf und Weckruf zum Tod von Peter Kleinert
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Am 6. Februar 2016, also auf den Tag genau vor drei Jahren, starb der Initiator, Gründer und bis zu seinem Tod aktiver Redakteur und Herausgeber der Neuen Rheinischen, Peter Kleinert. Er hat in seinem Leben an vielen Fronten für Aufklärung und gegen Volksverdummung gekämpft. Und er wusste, dass das Verschweigen von Nachrichten – neben der üblichen Verdrehungstechnik, z.B. Opfer in Täter zu verkehren, als Information unters Volk gebracht werden muss. In diesem Sinne hielt er bis zum letzten Tag das Heft in der Hand. Peter Kleinert erkannte aber auch Barrieren, vielleicht sogar Barrikaden, die Änderungswillige selbst errichteten oder hinter denen sie sich verschanzten. Welch Erfolg für den politischen Gegner! In diesem Sinne veröffentlichen wir als Weckruf, als Aufruf zur Solidarität im Bestreben um “Gerechtigkeit und Sozialismus” Teile eines Interviews, das wir mit Peter Kleinert geführt haben. Die skandalöse Forderung des derzeitigen Vorsitzenden des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall (zeitweise auch NRhZ-Autor), “Feindsender” abzuschalten, stellt einen Tiefpunkt journalistischer Unabhängigkeit dar und konterkariert den Auftrag zur Meinungsbildung, für das der “68er” Peter Kleinert sein Leben lang gestritten hat. Für Pressefreiheit, nicht nur gegen Springer!


Foto aus Projekt der Arbeiterfotografie Köln: NRhZ-Initiator Peter Kleinert (April 2009 mit Kunstwerk von Hans-Jörg Tauchert). Verwendet als Plakatmotiv in peeeeep.com/nrhz-Druckversion Ausgabe 0004/2018. Titelstory: Mathias Bröckers: 9/11 ist der Lackmus-Test für echten Journalismus. Beziehbar über die NRhZ-Redaktion.

Was ist für Dich ein für die 68er-Zeit besonders typisches persönliches Erlebnis?

Als KölnerStadtAnzeiger-Reporter hab ich 1967 linken aber ratlosen Schülern des Bensberger Gymnasiums Dieter Süverkrüp für eine Abendveranstaltung empfohlen, auf der der dort in den Bundestag gewählte Notstandsminister Paul Lücke auftreten wollte. Überschrift meines Artikels war tags drauf „Lücke aus dem Saal gesungen“. Ich wurde nach einem Drohanruf von Lückes persönlichem Referenten in der Chefredaktion von Dr. Besser zwar wie gewünscht „aus der Lokalredaktion entfernt“ aber Politik-Redakteur in der “Zentralredaktion“ und konnte dort bis zu meinem Rausschmiss 1976 Gewerkschaftsarbeit machen… und mich im “Redaktionsbeirat“ eine Zeit lang für “innere Pressefreiheit“ einsetzen.

Was war damals das Wichtigste, was es Deiner Meinung nach zu erreichen galt?

Das war und ist heute noch der Kampf gegen das Kapital, für Frieden – damals in Vietnam -, gegen die Unterdrückung der Informations- und Meinungsfreiheit und deren Profiteure in Wirtschaft und Politik.

Welches sind wesentliche Ziele, bei Denen Du ein Scheitern der 68er-Bewegung siehst? Und wie kam es dazu?

Gerechtigkeit, Friedenspolitik und Sozialismus haben wir noch immer nicht, weil wir die meisten der arbeitenden Menschen nicht erreicht haben, nicht mal eine wesentliche Zahl der gewerkschaftlich Organisierten. Dabei spielten – neben den Medien – die Sozialdemokraten in den Gewerkschaftsführungen eine Rolle. Eine wesentliche Ursache scheint mir aber auch die ideologische Zersplitterung der “Linken“ zu sein: Jede Gruppe meint heute wie damals, sie allein wisse den richtigen Weg. Es fehlt an Solidarität.

Wie siehst Du für heute die Notwendigkeit einer ähnlichen Bewegung wie 1968? Was möchtest Du der heute jungen Generation vermitteln?

Warum eine „ähnliche Bewegung“, nachdem wir 68er die wichtigsten Ziele nicht erreicht haben? Ich denke, die konsequent gebliebenen Linken, die “junge Generation“ und vor allem die hierzulande Ausgebeuteten sollten mal nach Lateinamerika schauen. Aber nicht durch die schmierigen Fensterscheiben der “großen Medien“. Es gibt ja einiges an Gegenöffentlichkeit.

Interview (Ausschnitt) mit Peter Kleinert aus dem Arbeiterfotografie-Projekt “68er Köpfe”, 2009

Vita Peter Kleinert (Ausschnitt): Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger. Kündigung wegen eines Fernsehfilms über “Pressefreiheit“. Danach: KAOS-team. 2002 Gründung des KAOS Kunst- und Video Archiv. 2005 Gründung der Neuen Rheinischen Zeitung. Am 6. Februar 2016 verstarb Peter Kleinert in Eckernförde. Als politischer Kämpfer zählte er zu den Unentbehrlichen. 2014 war er zu seiner letzten Kölner Karlspreis-Verleihung an Evelyn Hecht-Galinski mit Laudator Ken Jebsen und Festredner Werner Rügemer aus seinem Wohnort Datca aus der Türkei angereist.

Zum Projekt: arbeiterfotografie.com/af-koeln/68er

Filmübersicht: kaos-archiv.de – Auswahl: onlinefilm.orgyoutube.com/user/arbeiterfotografie/videos

Siehe auch:

Fotogalerie zum Tod des NRhZ-Herausgebers Peter Kleinert mit komplettem Interview
Der Tag der Freiheit steht bevor
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
NRhZ 548 vom 10.02.2016
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22520

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