Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Nuhr mal so gesagt: Das ist der Gipfel!

von Fantareis

Die hybride Lebensform mit der Bezeichnung Dieter Nuhr kokettiert selbst am liebsten mit ihrem Dasein im Grenzbereich zwischen Kabarett und Comedy-Klamauk. Man könnte auch von einem Borderline Syndrom sprechen.

dieter nuhr photo
Photo by az1172

Regelmäßig präsentiert der verbale Auftragskiller den Satiregipfel der Öffentlich Entrechteten Herren der GEZeiten und entführt das Publikum in die Matrix der transatlantischen Spindoktoren.

Grenzüberschreitung, Provokation und Tabubrüche gehören zweifellos zur Kunst, ganz besonders, wenn es sich um Satire handelt oder handeln soll. Doch was steht auf dem Programm? Das übliche marktkonforme Putin- und Russlandbashing, als Religionskritik getarntes Islambashing und neuerdings sogar Werbung für TTIP: “Wir werden auch nach dem Freihandelsabkommen leben…” Das liest sich wie eine Abschrift aus der NWO Agenda.

Kein Intendant sitzt schweißgebadet vor dem Bildschirm und zittert mit Nuhr um seinen Job, wenn dessen Reptilienhirn die Regie übernimmt und das Hohelied auf den Kapitalismus anstimmt.

Der Mann war mal so erfrischend anders – machte stets eine gute Figur zwischen all den anderen aufstrebenden Comedy Freaks seiner Zeit, die sich kein bißchen zu schade waren, für die Entwicklung ihrer Bühnencharaktere ausschließlich ihre analfixierten Persönlichkeitsanteile zu verwenden. Nuhr kam lässig-elegant daher, als der George Clooney der deutschen Comedy Szene, ein Beiname, der ihm sichtlich schmeichelte. Und er gab sich politisch, gebildet und eloquent, verzichtete auf irgendwelche “Hallo erst mal” Rituale und endloses Grimassenschneiden.

Nuhr ist kein Clown, der das klassiche Prinzip des Scheiterns zelebriert, sich selbst angreifbar macht und durch das Spiel mit seinen eigenen Schwächen das Publikum für sich gewinnt, aber auch kein gnadenloser Selbstdarsteller, denn dazu bedürfte es eines erkennbaren Selbsts.

Nuhr ist einfach nur eine marktkonforme Projektionsfläche, sein anfänglich als Markenzeichen missverstandenes Anders-Sein entpuppt sich bei näherem Hinschauen und Zuhören als reines Marketingkonzept. Denn noch wichtiger als die Gunst des Publikums, ist es die Gunst der Auftraggeber zu gewinnen. Dieses Konzept ist aufgegangen, aber Gunst und Kunst sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Beide zugleich kann man nicht tragen.

Nuhr möchte alles sein, nur kein Verlierer – so steht er auf der Seite der Winner und drischt Winnerweisheiten aus der Neoconküche. Wir sind die Überlegenen! Er fasst nicht die Sprachlosigkeit eines irgendwie empört frustriert und dennoch politisch interessierten Publikums in Worte und macht nicht die allgegenwärtige Alternativlosigkeit durch sein Programm noch irgendwie erträglich – er taumelt roboterhaft auf der Bühne herum, wie Barbies Ken in Lebensgröße mit einer Plastikschallplatte in seinem Innern.

Irgendwo auf seinem Rücken findet man die Zugkordel, an der man ziehen muss, um eine der drei gespeicherten Pointen abzuspielen.

Nuhr könnte auch, ebenso wie sein amerikanisches Vorbild, Werbung für kaffeepulvergefüllten Sondermüll in Gestalt von Aluminiumkapseln  machen oder demnächst gleich bei Starbucks auftreten. So werden dann in der passenden ARD Dauerwerbesendung aus kritischen Verbrauchern militante Umweltschützer und der Grimme Preis ist gesichert. Das ist alles keine Satire, sondern einfach nuhr der Gipfel!


aus Opposition 24

2 Kommentare zu Nuhr mal so gesagt: Das ist der Gipfel!

  1. Nuhr ist ein Mietmaul, das versucht, allen alles zu bieten. Er läßt sich nicht einfach vor den Karren spannen, er steht schon aufgezäumt da und ruft nach dem Kutscher, auf daß er ihn ins Ziel peitsche. Hieße er Nuhrmann oder Nuhrmeier — mehr als Nuhr- würde ich eh nicht hören, dann würde schon umgeschaltet sein.

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