Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Prof. Dr. Mathias Rohe: Islamisches Recht | Jurapol

Jurapol im Dialog mit Prof. Dr. Mathias Rohe, Professor für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Richter am Oberlandesgericht Nürnberg a.D., und Islamwissenschaftler.

Prof. Dr. Mathias Rohe ist einer der renommiertesten Islamwissenschaftler Deutschlands und Verfasser des Buchs „Das islamische Recht“.

Der Verfasser stellt fest, dass es sehr ausgeprägte Meinungen über den Islam und das Islamische Recht gibt, bei gleichzeitig großer Unkenntnis über die Materie.

Ist Islamisches Recht dasselbe wie Sharia? Ist das Islamische Recht frauenfeindlich und was ist eigentlich der Dschihad genau?

1 Kommentar zu Prof. Dr. Mathias Rohe: Islamisches Recht | Jurapol

  1. Zunächst meine Hochachtung an Dr. Mathias Rohe für seine objektive Darstellung der islamischen Rechtsordnung und der Erläuterung des Begriffes „Schari´a“. Dem meisten von dem, was er sagt kann ich zustimmen, nur nicht der extrem liberalen Richtung des Islams, für die Herr Rohe seine Sympathie nicht verbirgt.
    Es ist schmerzlich zu hören oder zu lesen, wenn Ignoranten wie der deutsche Bundesinnenminister Thomas de Maizière fordern, die „Schari´a“ dürfe in Deutschland nicht zur Anwendung kommen. Es zeugt von tiefgreifender Desinformation, wenn der Begriff „Schari´a“ einzig auf den kleinen Bereich des islamischen Strafrechts reduziert oder der Koran als „Gesetzbuch“ bezeichnet wird. Ebenso ignorant ist die Meinung der Extremisten der anderen Seite, Gesetze allein auf der Grundlage von Koran und Sunna haben zu wollen, da die meisten Regelungen auf selbständigen Entscheidungen in Rechtsfragen auf Grund der Interpretation der Quellen durch die Gelehrten bestehen.
    Letztlich bleibt aber doch ein wesentlicher Unterschied zwischen Prof. Rohes Auffassung und der muslimischen, indem nach letzter die islamische Rechtsordnung trotz aller darin enthaltenen Flexibilität göttlichen Ursprungs ist und Gottes Anordnungen nicht menschlicher Aufhebung und Abänderung unterliegen dürfen. Mit anderen Worten: die grundlegenden Vorschriften und Verbote und moralischen Werte stehen über jedem von Menschen gemachten Gesetz, insbesondere, wenn es ihnen zuwiderläuft. Der Islam erklärt bspw. Ehebruch für eines der größten Übel und zählt ihn zu den schweren Sünden. Daher kann in einer islamischen Rechtsordnung kein von Menschen gemachtes Gesetz diesen für erlaubt erklären, selbst wenn dies durch eine parlamentarische Mehrheit geschähe. Ein Staat, in dem das geschieht, ist per definitionem nicht „islamisch“, selbst wenn er sich als solcher bezeichnen sollte.
    Wenn einige „moderne“ oder „liberale“ Muslime, behaupten, sie „dächten das, was Gott im Koran im Ansatz vorgegeben hat, weiter“, bedeutet das, daß sie selbst sich für klüger halten als Gott – auch wenn sie selbst bestreiten, sich für klüger zu halten. Wenn Gott im Koran explizit festgelegt hat, daß in bestimmten Fällen der Erbanteil einer Erbin die Hälfte des Anteils eines männlichen Erben beträgt, dann ist davon auszugehen, daß Gott das aus einem bestimmten Grund, aus Seiner Weisheit heraus, die wir nicht kennen, getan hat, und es steht uns nicht zu, das mit auf bloßen Vermutungen begründeten Schlußfolgerungen abändern zu wollen, wie Imam Benjamin Idriz es tun möchte. Der in den heutigen westlichen Gesellschaften verbreitete Umstand, daß Frauen arbeiten gehen und wesentlich zum Unterhalt der Familie beitragen, während ihre Männer zu Hause bleiben, kann über die Menschheitsgeschichte und verschiedenen Völker hin nicht als normal und repräsentativ angesehen werden, auch nicht, daß ein Sozialstaat die Einkommensschwachen und Einkommenslosen auffängt. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, und das Abendland könnte schon bald in Chaos und Bürgerkriegen versinken, so daß sich all diese Umstände wieder ändern. Daher ist es als Überheblichkeit anzusehen, wenn gewisse besserwisserische Muslime Gottes Anordnungen nach Gutdünken ändern wollen.
    Anscheinend ist Prof. Rohe auch von dem Genderwahnsinn befallen, unter dem heute so viele Deutsche leiden, da er – sprachlich unnötig – zur männlichen Pluralform die weibliche hinzu nennt und diese auch noch voranstellt, wie „die Musliminnen und Muslime“. Möge Gott die Deutschen von dieser ihrer neuen Torheit befreien!

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


%d Bloggern gefällt das: