Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Stell dir vor es ist Krieg und Wolf Biermann geht hin!

wolf biermann photo

von Opposition 24

Geht es Herrn Biermann wirklich noch gut?

In der gestrigen ARD Talkshow Jauch zum Thema Putin lobt er den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel in den höchsten Tönen. Sie sei die einzige, die eine klare Haltung vertrete. Russland befände sich längst im heißen Krieg – Putin müsse gestoppt werden. Biermann wörtlich:

“Ich verachte das reaktionäre System von Putin”

Sanktionen hätten jedoch keinen Sinn, denn die Diktatoren hätten immer genug “zu fressen” – niemals hätten Sanktionen eine Diktatur gestürzt, sondern nur dem Volk geschadet.

Biermann siedelte  1953 vom Westen in die DDR aus freien Stücken über und wurde 1976 wieder in den Westen ausgebürgert. In der DDR hatte er jahrelang aufgrund seiner harschen Regimekritik unter Auftrittsverboten und Überwachung durch die Stasi zu leiden.

Jüngere Generationen konnten mit diesem Künstler bis zu seiner urplötzlichen Rückkehr auf die Politbühne der Republik wohl nur noch wenig anfangen.

Sein Auftritt im Bundestag am 7. November, bei dem er seinen legendären Song Ermutigung im Parlament zum Besten geben durfte, auch seine Schelte an die LINKE, rief statt Ermutigung in vielen Lagern aber eher Verwirrung hervor.

Da kommt ein ehemals mutiger Politkünstler, der niemals müde wurde, sich mit den Mächtigen anzulegen, auf Einladung des konservativen Lagers und freut sich, dass sich die Zeiten so dolle geändert haben, dass er sogar sein Liedgut im Parlament vortragen kann ohne anschließend verhaftet zu werden. Die Linken bezeichnete er als reaktionär, sie seien keine echten Linken – unausgesprochen sollte das wohl bedeuten, dass der wahre Linke nur ein Biermann sein kann.

Ein Linker, der sich mit Konservativen gemein macht?  Eine verdiente Persönlichkeit, die auf ihre alten Tage noch mal ins Rennen geschickt wird – vielleicht muss er seine Rente ein wenig aufbessern oder es ist ihm einfach ein Bedürfnis im Herbst des Lebens seinen Frieden mit dem Westen zu schließen.

Einst hat er ihn enttäuscht verlassen, dann gedemütigt vom Osten  dort wieder seine sichere Heimat gefunden, während andere Dissidenten in Bautzen ihr Dasein fristeten. Biermann ist ein Kind des Westens, ohne ihn und dieses System wäre der Künstler Biermann nie entstanden. Was verwundert es also letztlich, dass Biermann sich brav einreiht und Gesicht zeigt?

Schoss er früher noch mit Gedichten wie DREI KUGELN FÜR RUDI DUTSCHKE gegen den Springerkonzern, so ist er heute voll auf Linie – anders wäre er wohl kaum so positiv in den Schlagzeilen der BILD erwähnt worden. Ach, was hat man seine Linkenschelte dort scheinheilig zelebriert.

Anders als mit den Linken hat er mit den DDR Duckmäusern Gauckel und Merk kein Problem. Schneller als gedacht, könne es auch mit Putins Russland zu Ende gehen, das eigene Volk und nicht der Westen seien Putins größter Feind.

Was treibt diesen Mann zu solchen Worten? Ist Biermann gar zum Kapitalismus konvertiert?

Ich habe keine besonders große Sympathie für Vladimir Putin und kann Biermann noch soweit folgen, wenn er Putin nicht als einen schlechten Demokraten, sondern als gar keinen Demokraten bezeichnet, aber wo bleibt bitteschön die Kritik am Westen?

Ist der Westen automatisch gut, wenn Russland böse ist?

Welch magisches Denken bei einer so großen Persönlichkeit –  in der Entwicklungspsychologie ordnet man diese Art zu Denken Kindern im Vorschulalter zu. Vermeintlichen Putinverstehern hat man das schon tausendfach um die Ohren geschlagen.

Aber bei der augenblicklichen Konfrontation der Mächte muss man alle Seiten genau unter die Lupe nehmen.

Wo bleibt die Kritik an den geopolitischen Interessen der USA? Wo bleibt die Kritik an der Haltung der EU gegenüber den USA, die sich untertänigst den Forderungen der Obama Administration nach Russland Sanktionen zu ihrem Nachteil gebeugt hat?

Wo bleibt die Kritik an den Waffengeschäften der Bundesrepublik, wenn er schon die Unterstützung des Assad Regimes in Syrien durch Putin anprangert?

Wo bleibt die Kritik an den längst bekannt gewordenen Aktivitäten der amerikanischen Geheimdienste in der Ukraine? Als wären nur die Russen dort konspirativ unterwegs? Die Aufrüstung der ukrainischen Armee durch die USA findet unterdessen ganz offen statt.

Wo bleibt die Kritik an der zentralstaatlichen EU, ihren Immunität genießenden privatwirtschaftlichen Institutionen, die mindestens so undemokratisch sind wie Putins Russland?

Wo bleibt seine Kritik an der Spaltung der Gesellschaft, die eben diese Politik zu verantworten hat, mit der er Seit an Seit nun noch einmal durch die Medien geistern darf? Wann folgt sein nächster bezahlter Auftritt?

Hat er nicht stets in der Vergangenheit gegen jede Autorität aufbegehrt, sich bei jeder Ungerechtigkeit zu Wort gemeldet, gleich ein Lied, ein Gedicht dazu verfasst?

Heute steht er in einer Reihe mit den Hartz 4 Genossen und den Verfechtern der Austeritätspolitik, die zu immer mehr drastischen Einschnitten für die einfache Bevölkerung in der gesamten EU führt.

Auch das sind Sanktionen, mein lieber Herr Gesangsmeister, während sich die Direktatoren weiterhin die Taschen füllen. Nicht nur in Russland, sondern überall auf der Welt. So funktioniert der Markt. Und wenn es im eigenen Revier nichts mehr zu holen gibt, dann …

… werden den Menschen erst die Taschen geleert, dann werden sie für einen kargen Sold an die Front geschickt. Das ist alles – millionenfach von den Biermanns auf der ganzen Welt in so vielen Sprachen besungen.

Nach “Sag mir wo die Blumen sind” im Original von Pete Seeger und “Universal Soldier” von Buffy St. Marie war es heute Zeit für den Abschluss der Trilogie:

Stell dir vor es ist Krieg – und Wolf Biermann geht hin!

Ermutigung, das war einmal… nach wie vor ein starker Text. Aus Biermann wurde unterdessen Biedermann und der geht mit den Brandstiftern.

 


Bildquellen:

Photo by qnibert00

auch hier zu lesen: http://opposition24.de/stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-wolf-biermann-geht-hin/

4 Kommentare zu Stell dir vor es ist Krieg und Wolf Biermann geht hin!

  1. Bierbesoffen, kopfüber in die Jauchegrube!
    Einzige Glanzlichter Krone-Schmalz und Platzek. Ich will meine Gebühren zurück!

    Ist Biermann neulinks oder altrechts? Dachte ich doch die ganze Zeit,die Rechten sind eher kriegsgeile Knallköppe und Putinversteher ,eher linksorientiert und für Frieden . Jetzt sitzen die Kriegshetzer , ja wo sitzen die eigentlich? Auf keinen Fall bei den sog. Neurechten. Hilfe ich kenne mich nicht mehr aus!

    Wann gehört ein „Hassprediger“ zu den „Guten“? Ich sollte mich mal wieder bei Orwell über den ganzen Neusprech aufklären.

  2. Meine Analyse ist einfach, aber bestimmt richtig. Von seinem Ego getrieben, möchte der Sänger mal auf dem „Hugenottenfriedhof“ (Dorotheenstädtischen)begraben werden, wo Brecht und andere große Deutsche liegen. Deshalb hat der sich so widerwärtig eingeschleimt.
    Aber er hat ja mal ein Lied gesungen mit dem Text: „So oder so, die Erde wird rot: Entweder lebenrot oder todrot“. Heute setzt er auf den letzteren Teil – damals war das anders.

  3. dem Mann fällt seit 40 Jahren nichts mehr ein; auch hat er übersehen,dass es seit 30 Jahren keine Sozialdemokratie mehr gibt, er ist ein Feigenblatt ohne Wirt.

  4. Aber auch: Wo bleibt die Kritik an der israelischen Regierung, die in den letzten Jahren, schreckliche Massaker an der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen verübt hat?
    Wer behauptet, Putin sei gefährlicher als Adolf Hitler, der hat seine Maske von seiner Fratze gezogen und sich als Neonazi geoutet!

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