Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Thomas Klatt: Antisemitismusvorwurf Umstrittenes deutsches NGO-Engagement in Israel

von Günter Schenk

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Photo by opposition24.de

Sehr geehrte Redakteure beim Deutschlandfunk,

auf scheinbar „ausgewogene“ Weise berichtet Ihr Autor Klatt über in Israel tätige jüdische Nichtregierungsorganisationen, bezieht sich dabei

auf den nicht einmal dubiosen, sondern eindeutig den zur Unterstützung der kolonialen Siedlerbeweung angetretenen „NGO Monitor“ des Professor Gerald Steinberg. Dabei übernimmt Ihr Autor unhinterfragt dessen Argumente, die der offensichtlichen Delegitimierung jener israelischer Organisationen, die für Menschenrechte für die Palästinenser eintreten, dienen sollen. Steinbergs NGO Monitor kann fraglos auch als verlängerter Arm des Israelischen Informationsministeriums angesehen werden.

Es erstaunt, dass Sie dies Ihrem Autor durchgehen lassen, denn die Übernahme offizieller Positionen jener Regierung, die extremistisch-rassistische Minister in ihren wichtigsten Posten hält, kann kaum Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders in Deutschland sein.

Es kann Ihrer Redaktion nicht entgangen sein, dass, indem Ihr Autor anlässlich der palästinensischen Nakba 1948 von „der Austreibung aus dem eigenen Land 1948 durch die Juden..“ schreibt, womit der jüdischen Menschenrechtsorganisation zumindest unterschwellig antisemitische Tendenzen unterstellt werden sollen. Es ist mir auch nicht bekannt, dass irgendjemand jemals bei Berichten über die Verbrechen der Nazi am europäischen Judentum gefordert hätte, gleichzeitig über die an anderem Ort, nämlich in Palästina der dortigen Bevölkerung angetanes Unrecht zu berichten. Gerade dies aber fordert weiter im Artikel der bekannt-evangelikale Theologe Wolfgang Stegemann („die Treue Gottes“) wenn er der auf Spenden vieler zu verdankenden ISRAELPALÄSTIANA Zeitung (deren Autor auch bereits Daniel Barenboim war):

www.palästina-israel-zeitung.de

„vor allem die Einseitigkeit“ vorwirft. Einseitig, was denn sonst, wenn nicht von den andernorts mit gutem Recht und Notwendigkeit europäischer Verbrechen an den Juden, hier aber der Verbrechen der Verantwortlichen für den jungen Staat, direkt vor und dann nach – bis zum heutigen Tag – an der palästinensischen Ursprungsbevölkerung gedacht wird? Hat man je von Herrn Stegemann Vorschläge zur Herstellung von Gerechtigkeit für die Palästinenser vernommen? Mehr noch: hat Herr Stegemann jemals vom verbrieften Recht auf Widerstand gegen Unterdrücker gehört? Na gut, davon steht in seiner Bibel wenig, viel aber über die „erbarmungslose Vernichtung Armageddons“… Oh Gott!

 

Hat sich Herr Professor Steinberg, oder Mr. Tenenboom jemals darüber aufgeregt, dass, einseitiger geht’s nicht, deutsche nuklearfähige U-Boote an Israel geliefert werden – seit vergangener Woche bereits 5 –  und nicht – absurd allein der Gedanke – auch an die Palästinenser? Daran sollte der ebenfalls von Klatt zitierte, in New York lebende Publizist Tuvia Tenenboom erinnert werden. Geht Deutsche, wie Tenenboom meint, das, was Israel tut, wirklich nichts an? Erst vorgestern meldete die deutsche, gewiss nicht überzogener Israel-Kritik verdächtigte Tageszeitung DIE WELT von der durchgängigen Finanzierung der „geheimen“ Atomrüstung Israels. Gilt Tenenbooms Hinweis nur, wenn es sich um ungeheuerliche, spannungsfördernde Bewaffnung handelt, nicht aber um die Erinnerung der Freunde an die Verpflichtungen zur Beachtung von Menschen- und Völkerrechten?

 

Da hilft auch ein vulgär-theologischer Rückgriff Evangelikaler wie Stegemann nicht, der qua religlöser Mythen einem absurden Katasterrecht für den Besitz Palästinas nach tausenden von Jahren Vorrang vor Menschenrechten des 20. und 21. Jahrhunderts einräumen möchte, was er regelmäßig und in zahlreichen Artikeln versucht. Was schlägt Herr Stegemann vor, zur

Ein besonderes Geschmäckle erhält Ihr scheinbar die verschiedenen Seiten zu Wort kommender Beitrag, wenn man die Überschriften

auflistet: von „Dialog in Gefahr„, „Bedauerlicher Einzelfall„, „Verteidungungsversuche„, „Unterstützung dubioser Medien„, „Mehr Schaden als Nutzen„, ausnahmslos wird hier den gezielt vom Israeli Steinberg und dem deutsch-evangelikalen Stegemann der Versuch unternommen, den zivilgesellschaftlichen, unter anderen auch von der Bundesrepublik aus unterstützten Menschenrechtsorganisationen Dubiosität, Fragwürdigkeit zu unterstellen.

Beiden Gewährsleuten Ihres Autors, denen das mehrfach von Klatt verwendete Attribut „fragwürdig“ gut anstehen würde, wissen schließlich, dass per Gesetz Schulen, Institute usw. in Israel, die an die Nakba, das vor und nach der Staatsgründung Israels den Palästinensern angetane Unrecht erinnern, staatliche Unterstützung entzogen werden. Dies zur Erinnerungskultur im angemaßt „für alle Juden der Welt sprechenden „jüdischen Staat“!

Auf dies hinzuweisen, vermied Ihr Autor Klatt, griff jedoch auf in der Tat mehr als fragwürdige Quellen zurück, relativerte jedoch genannte Argumente von NGOs mit eindeutig manipulativen Überschriften.

Dies ist keine seriöse Berichterstattung. Es ist auch keine den Menschen in Israel dienende, denn sie bestätigt eine Politik, die für beide, Juden und Nichtjuden in der Region zum Unheil gerät.

Steinbergs NGO Monitor unternimmt seit Jahren erhebliche mediale Anstrengungen (u.A. in der NYT, besonders aber die Bundesrepublik

Deutschland betreffend), sekundiert von bekannten Journalisten im Dienste der Hasbara,  jedwede Organisation Israels, die Kritik an der völkerrechtswidrigen Kolonien-Politik Israels üben, sowie Anstrengungen zur notwendigen Aufarbeitung der eigenen, israelischen Gründungsgeschichte, zu verunglimpfen. Daran sollte der DLF nicht teilnehmen, denn, hat nicht gerade Deutschland bewiesen, wie segensreich der allzu oft schmerzhafte Umgang mit der eigenen Vergangenheit Gutes bewirkte? Davon wollen sowohl Steinberg wie Stegemann nichts wissen. Sie bevorzugen scheinbar, in Israel-Palästina, ein „weiter so“ ? Erinnern, ja, aber nur, wenn „wir“ es wollen!

Vom Deutschlandfunk erwarte ich etwas anderes als die geschickt als „ausgewogen“ verpackte Manipulation des Herrn Klatt (siehe die Überschriften!)

 

Mit besten Grüßen, Deutschlandfunk-Hörer

 

Günter Schenk
1a rue des Aveugles
F-67000 Strasbourg
– membre du Collectif Judéo Arabe et Citoyen pour la Palestine, Strasbourg

 

 


 

Beitrag hören im Deutschlandfunk

Antisemitismusvorwurf:Umstrittenes deutsches NGO-Engagement in Israel

Von Thomas Klatt

Von verschiedenen Seiten gibt es immer wieder Kritik, dass besonders deutsche Hilfswerke Organisationen in Israel unterstützen würden, die sich an israelfeindlichen Aktivitäten beteiligen. Der Vorwurf: Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ torpedierten mit dieser Finanzierung den israelisch-palästinensischen Dialog. hier weiterlesen

 


 

2 Kommentare zu Thomas Klatt: Antisemitismusvorwurf Umstrittenes deutsches NGO-Engagement in Israel

  1. Anmerkung von mir (Günter Schenk):

    der im hier übertragenen Text nicht zu Ende geführte Satz ist keineswegs „Zensur“ der Blogbetreiberin Evelyn Hecht-Galinski zum Opfer gefallen, sondern einem von mir zu verantwortendem Übertragungsfehler. Dies nur, um Missverständnissen keinen Vorschub zu leisten!

  2. Sie positionieren Professor Gerald Steinberg in der Nähe der Israelischen Regierung. Da haben sie wohl Recht.
    Die entsprechende Nähe ist aber auch bei den Theologenbrüdern Stegemann gegeben, die in der Schweiz (Ekkehard) und Deutschland (Wolfgang) dieselben Themen beackern. „Unser“ Stegemann betreibt (als Stftungspräsident) hier die Site Audiatur-online.ch, „Mit Unterstützung der israelischen Botschaft“, gemeint ist die israelischen Botschaft in Bern.
    Zu Details siehe das Konzept des anderen Stiftungsrats dazu (explizit Seite 16) http://www.infosperber.ch/data/attachements/WigdorovitsSchweizIsrael.pdf :

    MfG
    Werner T. Meyer

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