Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Über die Bescherung des Auserwähltseins Von Gilad Atzmon Übersetzung von wunderhaft.blogspot Andreas Ungerer

Ich danke Andreas Ungerer von wunderhaft.blogspot sehr für die Übersetzung von Gilad Atzmons Artikel und die Genehmigung ihn zu veröffentlichen.

 

Über die Bescherung des Auserwähltseins

24. Juni 2019 Vor einigen Tagen berichtete die BBC über einen außergewöhnlichen Fall von Identitätsbetrug in Frankreich. Seit Ende 2015 hatten ein oder mehrere Täter zwei Jahre lang unter Verwendung des Namens des französischen Verteidigungsministers, Jean-Yves Le Drian, von wohlhabenden französischen Patrioten den geschätzten Betrag von etwa 80 Millionen Euro ergaunert.

Über die Bescherung des Auserwähltseins

Von Gilad Atzmon
Übersetzt von wunderhaft

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24. Juni 2019
Vor einigen Tagen berichtete die BBC über einen außergewöhnlichen Fall von Identitätsbetrug in Frankreich. Seit Ende 2015 hatten ein oder mehrere Täter zwei Jahre lang unter Verwendung des Namens des französischen Verteidigungsministers, Jean-Yves Le Drian, von wohlhabenden französischen Patrioten den geschätzten Betrag von etwa 80 Millionen Euro ergaunert.

Die Opfer dieses Betrugs wurden in den Glauben versetzt vom französischen Verteidigungsminister gebeten zu werden, bei der Aufbringung des Lösegelds für im Nahen Osten von Islamisten in Geiselhaft genommene Journalisten behilflich zu sein. Da Frankreich offiziell kein Lösegeld an Terroristen zahlt, hat der falsche Minister den Opfern versichert, dass die Zahlungen nicht zurück verfolgbar wären und darum gebeten sie auf eine Bank in China zu überweisen.

Die BBC betrachtete die Operation als „eine der obskursten und erfolgreichsten Gaunereien der jüngsten Zeit.“

Es mag sie nicht überraschen, dass es sich bei dem beschuldigten bösartigem Genie hinter diesem Betrug um einen französisch-jüdischen Betrüger tunesisch-jüdischer Herkunft namens Gilbert Chikli handelt. Chikli wuchs in dem Arbeiterviertel Belleville im Nordosten von Paris auf.

Im Jahr 2015 ist Chikli wegen Finanzbetrugs an französischen Unternehmen schuldig gesprochen worden, denen er vorgemacht hatte ihr Vorstandsvorsitzender zu sein. Zur Zeit des Urteilsspruchs versteckte sich Chickli sicher in dem jüdischen Staat, der sich weigert seine Staatsbürger auszuliefern.

Im August 2017 verließ Chikli sein Glück, als er den Fehler beging in die Ukraine zu reisen, wo er auf Antrag der französischen Polizei festgenommen wurde. Chikli hat der Polizei erzählt, daß er auf einer Pilgerreise zum Grab eines wohlbekannten Rabbiners war. Bei der Suche nach seinen telefonischen Kontakten stellte sich allerdings heraus, dass er in die Ukraine gereist war, um dort eine Silikonmaske zu kaufen.

Der vermutete Tatverlauf endete dort jedoch nicht. Jüngsten Berichten zufolge soll ein falscher Le Drian, derzeit französischer Außenminister bei verschiedenen französischen Botschaften rund um den Globus erschienen sein und versucht haben Geld für die einflussreiche Hilfsorganisation ´Friends of France´ herauszuquetschen. Im Februar wurden drei französisch-israelische Staatsbürger in Verbindung mit diesem neuen Schwindel in der Nähe von Tel Aviv festgenommen.

Chiklis Masche ist erstaunlich kreativ, und Kriminologen mögen meinen, daß sie an Genialität grenzt. Obwohl Chikli nicht der Erfinder der Kunst des Betruges ist, hat er sie auf eine neue Ebene gehoben.

Was ich an Chiklis Operation für bemerkenswert halte, sind nicht die erstaunlichen Geldbeträge, die Raffinesse oder die mit ihr verbundenen Chuzpe, sondern den Umstand, dass Chiklis Betrügereien vom Mitleid anderer abhängen.

Er baute auf den Umstand, daß Menschen mitfühlend sind und einander halfen. Wir haben es hier mit einem beschämenden Schlag gegen den wertvollsten Aspekt der Menschlichkeit zu tun, der Güte und Brüderlichkeit.

Es ist nicht erstaunlich, dasss einige sehr wohlhabende und einflussreiche Menschen Chiklis Schlag zum Opfer gefallen sind und das aus augenscheinlichen Gründen: ehrbare Menschen sollte es schwer fallen oder gar unmöglich sein, sich das Ausmaß des Betrugs von Chikli und seinen Freunden vorzustellen.

Und  Chikli ist nicht allein mit seinen Praktiken. In den letzten Jahren habe wir etliche Fälle krassen Fehlverhaltens und Missbrauchs spektakulären Ausmaßes gesehen. Und, wie im Fall Chikli, finden wir Juden und Israelis im Zentrum dieser beschämenden Vorfälle.

Im Jahr 2010 hat ein israelisches Gericht entschieden, dass sieben Israelis, denen vorgeworfen wurde US-amerikanische Pensionäre um zig Millionen Dollar in dem so genannten ´Nigerian scam´ betrogen haben, in die Vereinigten Staaten auszuliefern, um dort verurteilt zu werden. Israel hat sich selbst in Verruf gebracht einer der Orte und berüchtigten Drehscheiben der abscheulichsten Verbrechen, wie Organhandel (siehe hier und hier), Menschenhandel sowie des Betrugs mit  Blutdiamanten, Kryptowährungen, und binären Optionen zu sein, und das Ausmaß unethischen Verhaltens reicht weit über die Grenzen des jüdischen Staates hinaus.

Im Jahr 2012 war Britannien schockiert darüber zu erfahren, dass es sich bei einem einer seiner bekanntesten Fernsehstars um einen Serien-Pädophilen gehandelt hat, der während seiner 50-järigen Laufbahn zahlreiche Sexualstraftaten an Kindern begangen hatte. Jimmy Savile hat Kinder in den Umkleideräumen der BBC, in Waisenhäusern und Behindertenheimen missbraucht. Niemand hat Jimmy Savile jemals angezeigt. Erst als sich Lord Janner mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert sah, zauderte das britische Establishment und war irgendwie verwirrt. Obwohl Lord Janner verdächtigt wurde in der Zeit zwischen Mitte der 1950er Jahre bis in die späten 1980er Jahre über 30 Kinder missbraucht zu haben, gelang es der britischen Justiz nicht ihn zu verurteilen.

Janner, ein früherer Parlamentarier (Labour) war Vorsitzender im Ausschuß der Vertreter der Juden (BOD), einer Organisation, die den Anspruch hat das britische Judentum zu vertreten und Gründer des Holocaust Educational Trust (HET). Bis heute haben weder BOT noch HET ihr Bedauern für ihre Zusammenarbeit mit Janner, der im Alter von 87 Jahren verstorben ist, noch bevor ein Prozess hätte stattfinden können, zum Ausdruck gebracht.

Lord Janners Familie achtet sehr auf die Wiederherstellung des Rufs ihres Familienoberhauptes. Kurz nach dem Tod des Lords erfuhren wir von der britischen Presse, dass Janners drei erwachsene Kinder gefordert haben „an den Ermittlungen zu den mutmaßlichen Verbrechen teilzunehmen.“

Außerhalb des Londoner Hauptsitzes der Ermittlungen, hat Lord Janners Sohn, der Kronanwalt* Daniel Jammer, die „chaotische und diskreditierende“ Untersuchung (der mutmaßlichen Straftaten seines Vaters) attackiert.

Er hat erklärt, dass es ein „grundlegender Fehler“ war „den guten Charakter und den Rechtsstatus unserer verstorbenen Vaters als harmlos zu betrachten.“

Im Februar 2018 haben wir erfahren, dass Lord Janners Sohn geschworen hat, den Mann, der die Behauptungen des Kindesmißbrauchs in Westminster angezettelt und ihm selbst pädophile Übergriffe vorgeworfen hat, privatrechtlich zu belangen.

Ich bin nicht in der Lage nachzuweisen, ob Lord Janner der Verbrechen schuldig war, die ihm vorgeworfen worden sind, jedoch kann ich bestätigen, daß Ermittlung zu seinem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in sich zusammengebrochen sind. Insgesamt haben 33 Männer und Frauen Lord Janner beschuldigt sie missbraucht zu haben. Ihre Notlage ist schlicht vergessen worden. Eines der am meisten beschämenden Kapitel der britischen Geschichte bleibt unangetastet.

Lord Janner ist bei Weitem nicht der einzige Verdächtige in einem Missbrauchsskandal. Während der letzten beiden Jahre haben wir von einem anderen zionistischen Enthusiasten erfahren, der über 80 Opfer traumatisiert, missbraucht und geschändet hat.

Im Oktober 2017 haben die New York Times und der New Yorker berichtet, dass Harvey Weinstein, der ehemalige Kopf von Miramax Films und The Weinstein Company (TWC), in einem Zeitraum von dreißig Jahren von zig Frauen der Vergewaltigung, sexueller Übergriffe und sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden ist. Mehr als 80 Frauen aus der Filmindustrie haben Weinstein mittlerweile wegen solcher Delikte angezeigt. Weinstein hat „jede Form erzwungener sexueller Handlungen“ bestritten.

Jeffry Epsteins Geschichte ist ähnlich ausfällig. Der verurteilte Sexualstraftäter hat Dutzende minderjähriger Mädchen prostituiert und sollte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Noch einmal: Es handelt sich hier nicht um den ´einmaligen´ Missbrauch an einem minderjährigen Kind, sondern er war ein Serientäter.

Laut Joseph Recarey, dem leitenden Ermittler in dem Fall, hat Epstein ein „pyramidal strukturiertes sexuelles Projekt“ betrieben.

Vox schreibt, dass die Mädchen und Frauen, die berichtet haben von Epstein missbraucht worden zu sein, ausgesprochen machtlos waren. Die meisten von ihnen „stammten aus benachteiligten Familien, von alleinerziehenden Elternhäusern oder aus Kinderheimen… Viele der Mädchen waren standen kurz vor der Obdachlosigkeit.“

Im November 2017 wurde der geniale Komödiant, Larry David, in der jüdischen Presse dafür kritisiert bei Saturday Night Live eingeräumt zu haben, dass viele der in Hollywood wegen sexueller Übergriffe Beschuldigten Juden sind.

Juden prahlen oft mit ihrem genialen Genpool und damit, dass so viele (20%) Nobelpreisträger jüdischer Herkunft sind. Regelmäßig rühmen sich Juden ihrer Macht in der Politik, den Medien und der Finanzwelt. „Juden müssen sich nicht davor fürchten ihre wohlverdiente Macht zu gebrauchen“, war der Titel eines diesjährigen Artikels von Alan Dershowitz, der einer der Juristen aus Epsteins Anwaltsteam gewesen ist und später von einem der Opferanwälte selbst der Mitgliedschaft in dem Sexhändlerring beschuldigt wurde. Hier drängt sich die Frage auf, ob derselbe ´Genpool´, der so viele eindrucksvolle jüdische Köpfe hervorgebracht hat, auch für die Menge des oben dargestellten groben Fehlverhaltens verantwortlich ist. Ich bin kein Biologe oder Evolutionswissenschaftler, jedoch gebe ich zu kein großer Anhänger der Idee eines ´jüdischen Gens´ zu sein.

Ich behaupte, dass Chikli, Janner, Weinstein und Epstein Gemeinsamkeiten haben. Ihre Handlungen stellen eine der Zurückweisungen dar, die auf eine absolute Menschenverachtung hindeuten. Da ist die Crux der Auserwählten. Auserwählt zu sein bedeutet, sich selbst als außergewöhnliches Geschöpf zu betrachten. Dies führt zu Blindheit gegenüber Andersartigen. Es ist eine Form der Straffreiheit. Auserwählt zu sein beinhaltet oft einen enormen oder vollständigen Mangel an Mitgefühl. Solch ein Mangel wird häufig mit Begriffen wie intensiver Narzissmus oder Psychopathie bezeichnet. Chikly ist sich der menschlichen Neigung zur Empathie sicherlich bewusst, und es ist dieser Impuls, den er zu seinen eigenen Gunsten ausnutzt, jedoch ihm selbst mangelt es an dieser emphatischen Qualität.

Nicht alle Juden und Jüdinnen bezeichnen sich auserwählt. Keiner der Juden in meinem sozialen Umfeld zeigt irgendeines der schrecklichen, oben beschriebenen Symptome. Als Leser früher zionistischer Texte weiß ich wohl, dass der Zionismus geschaffen worden ist, um die Juden in der Diaspora von ihren einzigartigen kulturellen Eigenheiten zu befreien und sie zu ´Menschen wie alle anderen Menschen auch´ zu machen. Auch bin ich mir darüber im Klaren, daß einige rabbinisch-jüdische Interpretationen des Auserwähltseins sich in gewissen Punkten von der aktuellen zionistischen, säkular-jüdischen politischen Interpretation der jüdischen Einzigartigkeit unterscheiden. Auch ist das Auserwähltsein nicht auf Zionisten oder Israelis begrenzt. Das Auserwähltsein ist zum Träger des jüdischen Selbstverständnisses geworden. Ihr Auserwähltsein ist, was Juden miteinander verbindet. Dies umfasst auch anti-zionistische Juden, welche den wertvollen Beitrag der so genannten ´Juden in der Bewegung´ hervorheben und jene Israelis und Zionisten, die ihr Auserwähltsein zum Nachteil des indigenen palästinensischen Volkes zelebrieren.

Wie einer der frühen Zionisten, wäre ich erfreut, wenn sich die Juden aus ihren Gefängnis des Auserwähltseins befreien, jedoch akzeptiere ich, dass sich solch ein Wandel nicht in Form einer kollektiven oder politischen Bewegung vollziehen kann. Der Ausbruch aus dem Auserwähltsein zum Normalen muss ein individueller Kampf sein, eine Preisgabe der Selbstverachtung, die letztlich zu einer aufrichtigen Suche nach Frieden und Harmonie mit dem Universum, der Erde und mit seinen Nachbarn heranreift.

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Gilad Atzmon ist ein in Israel geborener britischer Jazz-Saxophonist, Romancier, politischer Aktivist und Schriftsteller.
Atzmons Album, Exile, wurde im Jahr 2003 von der BBC zum Jazz-Album des Jahres gekürt.  Mit jährlich über 100 Auftritten ist er als der „sicherlich am häufigsten auftretende Mann des britischen Jazz“ bezeichnet worden. In seinen bisher neun aufgenommenen Alben erkundet er die Musik des Nahen Ostens und politische Themen. Er hat sich selbst als „hingebungsvollen politischen Künstler“ bezeichnet. Er unterstützt das Rückkehrrecht der Palästinenser und die Einstaatenlösung in dem israelisch-palästinensischen Konflikt.
 

Seine Kritik am Zionismus, der jüdischen Identität und dem Judaismus haben ebenso wie seine kontroversen Ansichten über den Holocaust und die jüdische Geschichte, zu Vorwürfen des Antisemitismus geführt. Ein Profil des Guardian aus dem Jahr 2009, das ihn zu „einem der besten Saxophonisten Londons“ bezeichnet, erklärt: „Es ist vielmehr Atzmons ungeschminkter Antisemitismus als seine Musik, der ihm, besonders in der arabischen Welt, wo seine Essays weit verbreitet sind, ein internationales Profil gegeben hat.

Quelle: https://www.gilad.co.uk/writings/2019/6/24/on-cohsenmess

Der mit einem * versehenen Link wurde zusätzlich eingefügt.

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