Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Und Tschüss Kirche, könnt mich mal irgendwo vergraben!

Für alle Leser hier einen Briefwechsel von einer guten Freundin, die aus der Kirche ausgetreten ist, weil…. ach lesen Sie selbst, wie die Kirche zu Israel und Palästina steht:

 

Sie erhalten diese Nachricht, da Braccini Cornelia Ihnen eine Nachricht über die von Ihnen unter http://www.forum-pfarrblatt.ch erreichbare Website zugeschickt hat.

Die Nachricht lautet:

Sehr geehrte Forum Mitarbeiter,

kürzlich habe ich über ihre info Adresse eine Mail gesandt, Herrn Binotto angeschrieben. Und noch keine Antwort erhalten. Das finde ich schade und verstehe auch nicht warum. Das Leid der Palästinenser ist mir nahe und ich habe Ihnen einen Link dazu: http://www.nahostfrieden.ch/pdf/Aufruf-Daoud_Nassar-2%2714-05-20.pdf geschickt.

Was kommt wohl noch alles auf das geplagte Volk zu ? Wir müssen ihnen helfen! Schreiben Sie im Forum doch öfter über das traurige Schicksal der Palästinenser, die 1948 vertrieben wurden und seitdem dort misshandelt werden, ihr Land geklaut wird und sie nicht mehr zurück können.

Und die Welt schaut zu. Ganz abartig: der Papst trifft sich mit Netanyahu !!! Das geht gar nicht !!! Weiss der Papst nicht, was in Israel läuft ? Es wäre an ihm, ein Zeichen zu setzen. Wie kann er sich nur mit Besatzer treffen ?? Dies ist nicht in meinem Sinne, da bin ich mit „meinem“ katholischen Vertreter ganz und gar nicht einig. Was tun wir hier um den Palästinensern zu helfen?

Falls Sie Aktionen planen, bin ich gerne freiwillig dabei.

Lia Braccini

 

Hier nun die Antwort des Herrn Binotto

 

Sehr geehrte Freau Braccini

Herzlichen Dank für ihre Mails. Selbstverständlich ist uns die Situation der Palästinenser nicht gleichgültig. Allerdings ist dies – leider – nicht der einzige Ort auf dieser Welt, an dem Menschen Schweres durchmachen müssen. Das thematisieren wir immer wieder, beispielsweise in der Nummer 9 zum Thema Syrien.

Dass der Papst sowohl Vertreter der Israeli wie der Palästinenser trifft, halte ich für richtig und wichtig. Wer in einem Konflikt vermitteln und Frieden stiften will, tut gut daran, keine Seite auszuschliessen. Zudem ist die Lage im Nahen Osten sehr komplex und mit einfachen Schuldzuweisungen nicht zu lösen. Wir gehen deshalb in der diese Woche erscheinenden Nummer auf die Friedensbemühungen des Papstes ein (s. Editorial).

Als Pfarrblatt organisieren wir keine Aktionen – wir berichten aber darüber, wenn solche – mit einer gewissen Resonanz – stattfinden. Wenn sie aktiv werden wollen, wenden Sie sich deshalb am besten an ihre Pfarrei.

Freundliche Grüsse

Thomas Binotto

 Das hat gereicht!

Sehr geehrter Herr Binotto

 

Es gab eine Zeit, da las ich Ihre Beiträge im Forum wirklich gerne. Sie schienen mir bodenständig und mit Witz. Ausserdem nicht allzu heilig rüberkommend. Nun bin ich aber gar nicht mehr zufrieden mit dem, was im „Forum“ steht. Vor allem nicht ihr Editorial !! Was heisst nicht zufrieden.. ich bin schockiert !! Herr Binotto, sie haben mich dazu bewogen:

Ich werde nun aus der Kirche austreten. Können Sie das gleich so weiterleiten ? Danke.

Und hier noch meine Begründung: Sie reden von den Israelis als Opfer. Das waren sie in der Tat ! Und wie schrecklich, das bezweifelt niemand !! Nun aber sind 70 Jahre vorbei und leider leider sind aus den Opfern Täter geworden. Und zwar die Schrecklichsten !! Das ist jedoch nicht ihre Schuld allein ! Den „Schuld“, wenn man von Schuld reden will, ist der Westen, Europa, die unbedacht in 1948 Grenzen für Israel in Palästina zog ! Dabei wurden 750’000 Palästinenser aus ihren Häusern vertrieben. Mittlerweile ist es so, dass die Palästinenser, wie wir alle sehr gut wissen, nur  noch schikaniert werden. Und dann wird ihnen auch noch verboten sich zu wehren ?? Haben Sie die Bilder der toten Kinder gesehen ? Ich schicke Ihnen ein paar. Als kirchlicher Vertreter und Vater müsste dies Ihnen das Herz brechen. Aus ihrem Editorial lese ich jedoch nur über Scheinheiligkeit, welche wir „Israelkritiker“ haben sollen. Ja ich bin Israelkritikerin, aber nicht wegen deren Religion. Mir ist egal, an was die Menschen glauben ! Aber wenn Opfer so zu Tätern werden, ist es mit nichts mehr zu entschuldigen ! Und der Vergleich zu den Pädophilen finde ich eher widerllich !! Was wollen Sie damit sagen: das Pädophile nun halt nichts für ihre Veranlagung haben und deshalb gestreichelt werden müssen von der Justiz? Wollen Sie den Vergleich ziehen: die armen Israelis können doch nix dafür und deshalb dürfen sie Kinder abschlachten ?

Das widert mich an !! Und Tschüss Kirche, könnt mich mal irgendwo vergraben – aber niemals Scheinheilig !!

Lia Braccini

Buchtipps zur Info und Weiterbildung:

Evelyn Hecht-Galinski „Israel darf alles“

Ilan Pappe, israelischer Professor: „die ethnische Säuberung Palästinas“

PS und noch was: Sind Sie Ihrer Meinung weil in der Bibel steht etwas vom auserwählten Volk ??? Ich bin sicher – zu Tausend Prozent, falls es Gott gibt, erlaubt er niemandem, auch nicht dem auserwählten Volk, Kinder zu töten !!!!

2 Kommentare zu Und Tschüss Kirche, könnt mich mal irgendwo vergraben!

  1. Zum besseren Verständnis, hier ist noch das Editorial, auf welches ich dem Forum-Mitarbeiter am Schluss geantwortet habe:

    Goldene Regel

    Israel-Kritiker argumentieren gerne mit der Shoah: Gerade die Juden müssten es doch besser wissen, fordern sie. Solche Kritiker erwarten also vom Opfer, dass es aus seiner Geschichte gefälligst etwas zu lernen habe, und sie tun so, als ob Leiden dazu da sei, die Leidenden zu erziehen. Genauso könnte man von jedem Opfer sexuellen Missbrauchs verlangen, dass es gefälligst zur Sexualität ein besonders reifes und gelöstes Verhältnis haben solle, schliesslich habe es ja die Chance gehabt, aus seiner Geschichte zu lernen. – Eine durch und durch widerliche Argumentation!

    Und wenn solche Kritiker dann noch palästinensische Terroraktionen damit erklären, dass man für die Verzweiflungstat von Unterdrückten Verständnis aufbringen müsse, dann wird die Widerlichkeit durch unverfrorene Scheinheiligkeit gesteigert.

    Wer das Verhalten der Konfliktparteien beurteilen will, der muss für alle Beteiligten die gleichen Massstäbe ansetzen. Beispielsweise die goldene Regel. Sie lautet: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg’ auch keinem andern zu. – Man kann auch damit argumentieren, dass Gewalt und Gegengewalt in eine Gewaltspirale führen. – Man kann die Verhältnismässigkeit anmahnen. – Kann den Schutz von Zivilisten verlangen. – Menschenrechte einfordern. – Es gibt reihenweise ethische Grundsätze, die es zu berücksichtigen gilt. Nur müssen diese Grundsätze dann gleichermassen und konsequent auf alle Konfliktparteien angewendet werden.
    Thomas Binotto

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