Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Wegen Palästina rührt sich kein Mensch

von  Bernd Weikl

In der Münchner AZ vom 18. 12. 2013 berichtet Roland Braunmüller über den derzeitigen Chef des St. Petersburger Mariinsky-Theaters, Waleri A. Gergiev, der ab 2015 designierter Chefdirigent der Münchner Philharmoniker sei. Vor einem Konzert Gergievs in der Münchner Philharmonie hätten Aktivisten der schwullesbischen Szene gegen die Politik des russischen Präsidenten Putin demonstrieren wollen. Zu dem umstrittenen Anti-Schwulen-Gesetz in seiner russischen Heimat habe er sich – so Gergiev jetzt – auf einer Pressekonferenz am Dienstag, den 07.12.2013 nicht konkret mitgeteilt. Stattdessen habe er die Kulturpolitik Wladimir Putins gelobt und sich als dessen Freund bezeichnet. Der Oberbürgermeister Christian Ude äußerte sich zu diesem Thema: „Für die Stadt München gilt, dass jede Ausgrenzung, Benachteiligung oder Belästigung von Menschen aufgrund Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Religion, Behinderung oder sexueller Identität unterbleibt. Wir sehen es als Verpflichtung an, Diskriminierung wahrzunehmen, sich mit ihr auseinanderzusetzen und dafür Sorge zu tragen, dass für alle Menschen dieselben Rechte und Pflichten gelten.“ Weiter hieß es: „Verhaltensweisen, die diesen Grundsätzen widersprechen, werden nicht toleriert.“

Und diese Antidiskriminierungsgrundsätze, die Christian Ude überzeugend formuliert, müssen deshalb auch für die Palästinenser gelten, die auch aus eigener Erfahrung vor Ort tatsächlich wie Menschen dritter Klasse behandelt werden. „Wir sehen es als unsere Verpflichtung an, Diskriminierung wahrzunehmen … und dafür Sorge zu tragen, dass für alle Menschen dieselben Rechte und Pflichten gelten“, sagte Christian Ude. Er hat sich dabei nicht nur gegen eine Benachteiligung einer sexuellen Identität, sondern – wie er es formuliert – auch gegen eine Benachteiligung einer Herkunft und Religion ausgesprochen und sieht sich selbst und uns alle in der Pflicht, auch den Palästinensern dringend beizustehen.

Wann demonstrieren wir? Wann fordern Journalisten in den Medien dazu auf? Und wann erklären sich israelisch-jüdische Künstler schriftlich bei uns als Gegner der Politik ihrer Regierung, wenn dort Palästinenser unter unmenschlichen Bedingungen in ein Ghetto gesperrt sind und ihr Grundbesitz täglich konfisziert wird. (Daniel Barenboim ist wohl der Einzige.) Was sagt Christian Ude dazu?

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