Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Wenn ein Dealer „eine Reise tut“, dann können wir etwas erleben!

Es begann mit einem unfreundlichen Akt gegenüber dem Iran und friedliebenden Muslimen weltweit. Ausgerechnet mit dem Staat, der weltweit radikale Prediger und Milizen fördert, der die Menschen und Frauenrechte mit Füßen tritt, Sharia-Gesetze nicht anders als der IS betreibt und nicht zu vergessen, dass fast alle der 19 Terroristen des 9/11 saudische Pässe hatten, machte Trump den ultimativen Waffendeal.

Was Trump auf seiner ersten Auslandsreise, die ihn nach Saudi-Arabien führte und weiter in den „Jüdischen Staat“, ist eine einzige gefährliche Kriegserklärung an Iran und schafft keinen Frieden, sondern einen gefährlichen Un-Frieden. Trump heizt den Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten auf und mit dem US-Milliarden Rüstungs-Geschäft hat er eine Brandbombe gezündet, die uns das Fürchten lehren sollte.

Als der saudische Außenminister Adel al-Jubeir stolz verkündete, dass Saudi-Arabien, in den kommenden Jahren 380 Milliarden US-Dollar in den USA investieren will, von denen mehr als 110 Milliarden in Waffenverkäufe gehen, wie Raketen und Munition, Kurz- und Mittelstreckenraketen Kampfhubschrauber, Schiffe für die Küstenwache, sowie das Raketenabwehrsystem Thaad gehen werden, begründete US-Außenminister Tillerson das scheinheilig damit, dass dieses Kriegsgerät Riad helfen soll, dem „schädlichen Einfluss des Iran“ etwas entgegenzusetzen. Wer hier den schädlichen Einfluss ist doch wohl eher das wahabitische Königshaus, was den Terror über die Welt verbreitet. (1)

Während Trump bei den Saudis seinen Milliarden Waffendeal feierte, haben speziell arme US-Bürger, die gerade Trump gewählt hatten mit der massivsten Mittelkürzung aller Zeiten zu rechnen. Sein Haushaltsentwurf sieht u. A. vor, die Essensmarken für ca. 44 Millionen- US-Amerikaner die auf diese Hilfe angewiesen sind, zu kürzen. Ebenso wie medizinische Hilfe. Trump will das Budget von „Medicaid“ in den nächsten zehn Jahren um achthundert Milliarden US-Dollar kürzen. Weniger Geld für Obdachlose und Arme, während die „Verteidigung“, sprich das Pentagon für Rüstungsausgaben bis zu 15 Milliarden mehr zur Verfügung gestellt bekommt. Ich frage mich wirklich, wie lange es noch gewisse „Linke Euphorien“ für Trump geben wird? (2)

Die USA haben die Saudis damit dermaßen aufgewertet, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, wann es zu einem Angriffskrieg gegen Iran kommt? Nach dem Jemen Krieg und saudischen Gräueltaten, wird Saudi-Arabien nach dem „Jüdischen Staat“ zu einer weiteren Kriegszeitbombe, die die ganze Welt und den Weltfrieden erheblich beeinflussen kann und wird.

Schließlich verpflichten sich die USA mit diesem immensen Waffendeal im Falle eines militärischen Konflikts, der saudischen Monarchie als Schutzmacht beizustehen. Was da bedeutet, können wir uns nur allzu gut ausmalen!

Besonders dreist erscheint es, wenn die Saudis den Iran als „Speerspitze des globalen Terrorismus“ bezeichnen, ausgerechnet ein Land, das seit hunderten von Jahren noch nie ein anderes Land angegriffen hat, aber seit dem Angriffskrieg durch den Irak in einem Trauma lebt.

Während Trump, ebenso wie der „Jüdische Staat“ und das Netanjahu Regime, das Feindbild Iran in einer dämonisierenden Art aufbauschen und als Gefahr schlechthin darstellt, kommt dieser Tatbestand den Saudis als Hüterin von Mekka und Medina, den heiligsten Stätte des Islam, sehr zu passe, um endlich die alleinige Hegemonie zu beanspruchen. Es ist sehr zu bezweifeln ob diese Strategie aufgeht, da sie nur mit weiteren Kriegen durchzusetzen sein wird.

Natürlich bestreiten die Saudis, mit Terror in Verbindung gebracht zu werden, aber ihre Handlungen beweisen genau das Gegenteil. Allerdings konnten sie sich sicher sein, dass Trump das Wort „Menschenrechte“ in Riad nicht in den Mund nehmen würde und daher hatte auch Raif Badawi der Blogger, der seit fast fünf Jahren in Haft sitzt, in Trump keinen Fürsprecher.

Trumps Ehefrau und Tochter traten unverschleiert auf und wurden mit Handschlag durch die saudische Königsfamilie begrüßt. Allerdings haben sich die Zeiten geändert, denn als Michelle Obama 2015 mit ihrem Ehemann, dem damaligen US-Präsidenten, bei ihrem Besuch in Saudi-Arabien ohne Kopfbedeckung mit offenen Haaren auftrat, war es Trump, der sofort dagegen twitterte.

Tatsächlich hatten Jared und Ivanka Kushners als „orthodoxe“ Juden eine Sondergenehmigung ihres sehr speziellen Rabbiners bekommen, am heiligen Schabbat nach Riad zu fliegen! Pikanter Weise hatte Kushners Rabbi Haskel Lookstein, der auch Ivankas Konversion zum Judentum leitete, verneint, diese Erlaubnis gegeben zu haben und bezeichnete diese Meldung als Fake-News. Tatsächlich hatte das Weiße Haus es vermieden, den Rabbi namentlich zu nennen. (3)

Auch dass die Air Force One erstmalig von Riad nach Tel Aviv abhob, war einem „Trump-Deal“ geschuldetes Ereignis der besonderen Art.
Trump war in Saudi-Arabien wie ein König empfangen worden. Auf der gesamten Strecke vom Flughafen bis zum Ritz-Carlton Hotel waren nur Plakate zu sehen, die Trump und König Salman zeigten, unter ihrem gemeinsamen Wahlspruch „Gemeinsam siegen wir“, derweil Kampjets über ihnen dröhnten.

Das Treffen im Murabba-Königspalast, das den größten Rüstungsauftrag in der US-Geschichte besiegelte und Trump frohlocken ließ über diesen „enormen“-Deal und den „enormen“ Tag mit den Aussichten auf Jobs, Jobs und Milliarden, zeigt den „enormen“ Friedenswillen Trumps nach dem Motto „Frieden schaffen mit noch mehr Waffen“. Da hatte Trump das vollendet, was er schon im Wahlkampf propagiert hatte, nämlich dass die Saudis, seine Freunde „gute Leute“ sind, die er mag, weil sie ihm viele Appartements abkaufen würden, schließlich geben sie zwischen 40 und 50 Millionen pro Appartement aus. Merke: solche Muslime muss auch Trump mögen. (4)

Trump hielt eine „historische“ Riad Rede vor mehr als fünfzig muslimischen Staatschefs. Die illustre Gestalt wie der per Haftbefehl vom internationalen Gerichtshof in Den Haag gesuchte sudanische Staatschef Omar Bashir, hat es allerdings vorgezogen, fernzubleiben.
So konnte der saudische Außenminister Adel al-Jubeir verkünden, dass die Ansicht die „USA seien islamfeindlich“, vom Tisch sei. Während allerdings ein „erschöpfter“ Trump sich eine Freudsche Fehlleistung angesichts seiner „historischen“ Rede „über einen friedlichen Islam“ leistete, indem er von „islamischem“ Extremismus, anstatt wie in der vorab verbreiteten Fassung von „islamistischem“ Extremismus sprach.

Steve Bannon der Trump-Einflüsterer für den Botschaftsumzug von Tel-Aviv nach Jerusalem, flog zusammen mit Stabschef Reince Pribus zurück in die USA anstatt Trump in den „Jüdischen Staat“ zu begleiten. Um dort die Wogen zu glätten, wegen der Weitergabe von israelischen Geheimdienstinformationen an Russland. Übrigens versicherte Trump an Netanjahu, dass er dem russischen Außenminister Lawrow, nicht Israel als Urheber der Informationen genannt hatte. (5)

So flog der wahre Freund Israels, Trump, allein mit Entourage und Familienclan nach Israel weiter. Schon am Ben-Gurion-Flughafen war das ganze rechtsradikale Netanjahu-Kabinett auf Befehl angetreten, um Trump mit Handschlag zu begrüßen. Bauminister und Siedlerkönig Naftali Bennett erinnerte Trump sofort an sein Wahlkampfversprechen, die Botschaft nach Jerusalem in die „ewig“ ungeteilte jüdische Hauptstadt zu verlegen. Ob er sich da mal nicht täuscht!

Nach dem Empfang und Reden von Staatspräsident Rivlin wies dieser doch tatsächlich auf die „Feierlichkeiten“ zum 50.Jahrestag der „Vereinigung“ Jerusalems hin, als Versuch die illegale Judaisierung von Jerusalem zu legalisieren. Trump beteuerte seine Liebe zum „Jüdischen Staat“ und Netanjahu verwies auf die große und unverbrüchliche Freundschaft mit den USA. Am Mittag gab es noch eine kurze Pressekonferenz mit Trump und Rivlin mit leeren Floskeln und ohne Fragen der Internationalen Pressevertreter.

Trump machte in seiner Iran-Feindbild-Dämonisierung, im „Jüdischen Staat“ dort weiter, wo er in Riad aufgehört hatte, indem er dem Iran vorwarf Terroristen zu unterstützen. Die USA und der „Jüdische Staat“ sprächen mit einer Stimme, wenn die USA und Israel forderten, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen darf.

Als Trump anschließend als erster US-Präsident die Klagemauer in Jerusalem besuchte und dort auf besetztem Gebiet seinen Zettel in die Mauer steckte, nur begleitet von den Kushners und Rabbinern ohne Politiker, war das ein Zeichen der Verbundenheit mit der jüdischen Verwandtschaft und um seine Nähe zum „Jüdischen Staat“ zu zeigen. Aber es war ein unglaublicher Affront gegen das Völkerrecht und ein böses Zeichen gegen Palästina und die illegale Besatzung.

Ein kurzer Besuch der Holocaustgedenkstätte Yad Vaschem steht noch an und eine „große“ Rede im Israel-Museum. Auch in das illegal besetzte Westjordanland wird Trump gehen, um den Vichy-Präsidenten Abbas zu treffen und auf Frieden und Friedensgespräche einzustimmen. Auch das illegal besetzte Bethlehem wird besucht, alles in Allem viel Pomp und unfreundliche Akte gegen Palästina und viel Liebe für die jüdischen Besatzer.

Es wird noch näher darauf einzugehen sein, wenn der große „Dealer“ Trump „eine Reise tut“, was wir dann erleben!

2 Kommentare zu Wenn ein Dealer „eine Reise tut“, dann können wir etwas erleben!

  1. Bitte ersetzen:
    „…dass fast alle der 19 Terroristen des 9/11 saudische Pässe hatten,…“
    durch:
    „…dass fast alle der FIKTIVEN 19 Terroristen des 9/11 saudische Pässe hatten,“

  2. Der Komponist Robert Schumann (1810-1856) schrieb einmal, das Spiel mancher Virtuosen sei wie der Gang eines Betrunkenen. Wenn man Trumps Politik betrachtet, bzw. das, was der amerikanische Präsident – das „Trump“eltier – dafür hält, kommen einem Schumanns Worte in den Sinn.
    Nur: wenn ein Musiker schlecht spielt, ist er halt ein miserabler Musiker, seine Konzert bleiben uninteressant und werden bald vergessen, sind dann nur noch eine schlechte Erinnerung. Sonst passiert nichts.
    Ist aber ein Politiker miserabel und unberechenbar, kann er die Welt vollends ins Elend stürzen… Evelyn Hecht-Galinksi befürchtet genau das – und sie hat recht!

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