Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Die schöne deutsche Meinungs- und Pressefreiheit von Bernd Weikl, Standpunkte

Die schöne deutsche Meinungs- und Pressefreiheit

Von Bernd Weikl

Die schöne deutsche Meinungs- und Pressefreiheit

 

Deutsche Politiker reisen gern in andere Länder und beklagen dort mangelnde Meinungs- und Pressefreiheit. Weshalb aber tun sie dieses? Die Antwort ist einfache: Sie lenken damit von unserem Mangel an Meinungsfreiheit und einem Diktat gewisser Presse ab, die nur eine staatlich festgelegte Meinung zulässt. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

 

Am 01. Juli 1996 habe ich es leider versäumt, meine Aussagen als Fachmann und Insider der Zensur der Süddeutschen Zeitung vorzulegen – und wurde nicht nur bestraft, sondern sogar vernichtet.

 

 Am 03. Juli 1996 widmet mir die sehr renommierte Süddeutsche Zeitung einen vernichtenden Kasten unter dem Titel: „Eine sehr, sehr deutsche Rede“. So nannte der bayerische Generalintendant Everding im Publikum am 01. Juli 1996 meine Aussagen. Am 04. Juli 1996 sandte ich dem zuständigen Journalisten von der SZ meine Gegendarstellung zu seinen mir in den Mund gelegten Aussagen, die natürlich nicht beantwortet wurde. Ich wiederhole den Vorgang heute mit weiteren Erklärungen dazu und aufgrund des zwanzigjährigen „Jubiläums“ seines Erscheinens.

Im Artikel „Eine sehr, sehr deutsche Rede“ in der SZ vom 3. Juli 1996, Seite 13, wurde über meinen Diskussionsbeitrag in der 9. „Künstlerbegegnung“ behauptet:

 

1.Eigentlich hätte sich Weikl zum an sich leisen und trockenen Thema „Staatliche Kunstförderung“ äußern sollen. Aber stattdessen erklang seine Stimme im Max-Josef-Saal der Münchner Residenz schwer und voll.

 

Ja, schwer und voll: Das stimmt. Ich habe auch noch 20 Jahre später eine durchtrainierte volltönende Sängerstimme. Und damit habe ich den bayerischen Bildungsauftrag zitiert und erklärt, weshalb die Unterhaltungsbranche damit nichts zu tun hat und haben kann. Ich habe den Unterschied zwischen der subventionierten E-Musik und der U-Musik in ihrer Rezeption anhand psychologischer Gesetze und eigener Studien an der Psychiatrie München Nussbaumstrasse und Psychiatrie an der Wiener Universität nachgewiesen. Siehe hierzu meine wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

 

  1. Es gäbe so wenig deutsche Star-Dirigenten, weil die urdeutsche Kultur „systematisch“ ausgehöhlt würde.

Das ist völlig frei erfunden! Ich habe das weder wörtlich noch sinngemäß vorgetragen.

 

  1. Das Fernsehen wäre in direkter Linie verantwortlich für die zunehmende „Kriminalität hierzulande“.

 

Auch das ist falsch und frei erfunden! Ich habe das Fernsehen nicht als in direkter Linie verantwortlich für die Kriminalität in Deutschland bezeichnet. Dazu freilich heute der Schauspieler Till Schweiger im Nachtmagazin vom 21. Juli 2015: „Das Fernsehen trägt dazu bei, dass Leute so abgestumpft sind.“

Die heutigen Video- und Printmedien berichten täglich und keineswegs nur nachts vor kleinem Publikum, sondern bei höchsten Einschaltquoten über brutale Handlungen. Ob das 21. Jahrhundert dabei noch Rücksicht auf „unsere Jugend“ nimmt, verneint die Psychologin, Therapeutin und Autorin Gabriele Baring. Und weiter sagt sie: „Wenn Kinder täglich Gewalt, Morde und Vergewaltigungen im TV und Inter- net sehen und sich das auch noch in Computerspielen stundenlang ,reinziehen‘, dann prägt sie das. … sie sehen dann Gewalt als Lösung ihrer Probleme.“

Wissenschaftliche Studien bestätigen schon lange Gabriele Barings Einsichten und die Feststellung Till Schweigers. Sie legen eine deutliche Verbindung zwischen Sehen und Handeln nahe. Eine regelmäßige Beobachtung von Gewalt kann zu einer psychischen Abstumpfung, einer Betäubung gegenüber dieser Gewalt führen. Die Beobachtung von solcher Gewalt in Regie- und Bühnenbild etwa bei Aufführungen von Richard Wagners Musikdramatik kann unverändert auch heute aggressives Handeln – und zwar auch besonders gegen Juden – nach sich ziehen. Gewalt gegen Asylanten gibt es heute fast alltäglich.

 

  1. Wir sind ausgelaugt von aus dem Ausland „importiertem Schuldgehabe“.

 

Völlig falsch! Das Schuldgehabe war und ist nicht importiert! Richtig wäre gewesen, dass ich gesagt habe: Wir dürfen nicht in andauerndem kontraproduktiven und daher gefährlichen Kollektivschuldgehabe verharren, planlos importieren und tatenlos zusehen, dass unsere eigenen Leute zur Seite geschoben werden, sonst verlieren wir auch noch den letzten Rest unserer Identität und jede Motivation, für unsere Gesellschaft einzustehen. Unsere Künstler werden im Ausland nicht mit jenen offenen Armen aufgenommen, wie die ausländischen Künstler vergleichsweise bei uns. Deshalb verbitte ich mir in diesem Zusammenhang auch den andauernden Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Deutschland ist hier nachweislich inländerfeindlich.

Die arbeitsrechtlichen Gesetze für ausländische Arbeitnehmer werden z. B. in den USA strikt befolgt und in Deutschland (1996) umgangen. Inländer haben es also sowohl im Inland als auch im Ausland besonders schwer.

 

  1. Bernd Weikl hat sich gegen moderne Opern und die in ihnen enthaltenen Provokationen gewandt.

 

Das war wieder glatt gelogen. Es wurde eine Oper für mich komponiert: „Oswald von Wolkenstein“. Komponist: Wilfried Hiller, Text: Felix Mitterer, Regie: Percy Adlon. Richtig wäre weiterhin gewesen, zu schreiben, dass ich mich unter Beifall für die Schaffung, Förderung und Aufführung moderner Opern ausgesprochen habe. Zu den Provokationen: Ist das die Aufgabe der Oper?

 

  1. Die Oper muss von unseren „eigenen Leuten“ gemacht werden, schob mir dieser Musikjournalist einfach als Aussage unter.

 

Auch das war falsch. Richtig ist, dass ich vortrug: Wir müssen unseren regionalen Künstlern Möglichkeiten schaffen, sich für uns alle, für unsere Gemeinschaft verwirklichen zu können. Auch müssen wir unseren Leuten Präferenz einräumen, ganz genau so, wie sie einige andere Länder nachweislich zuerst ihren eigenen Künstlern angedeihen lassen. Sie halten sich eben an die Gesetze zur Einführung von immateriellen Dienstleistungen. Wir tun nachweislich das Gegenteil. Und ebenso richtig ist, dass ein bayerischer Kultusminister, ein bayerischer Generalintendant und ein Musikkritiker eigentlich über diese arbeitsrechtlichen Einfuhrbestimmungen, die hier wohl genauer Einfuhrbeschränkungen genannt werden müssten, für Deutsche im Ausland genauestens hätten informiert sein müssen. Ich war vor 20 Jahren schon bestürzt darüber, dass wir Künstler von solchen Regierenden abhängen.

 

  1. Gewisse Künstler sollten besser „eingesperrt“ als gefördert werden.

 

Falsch! Richtig war, und es ist ja nachzulesen, dass ich geäußert habe: Regisseure, die eine gewisse Meistersinger-Inszenierung verbrochen haben und dann noch dem Publikum den Hintern zuwenden, sollten besser eingesperrt werden.

 

  1. Dem Kammersänger gelang sogar noch dieser Satz: „Ich verbitte mir den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit!“

Falsch! Richtig ist, dass ich den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit mit der bereits genannten Äußerung zurückgewiesen habe. Wir sind inländerfeindlich, habe ich gesagt. Ein berühmter israelischer Musiker meinte schon vor Jahren: „In Deutschland darfst du kein Deutscher sein!“

 

  1. „… schön und erhaben … süß wie Zuckerbrot“, jubelt mir der Journalist Gerhard Matzig im Kasten der Süddeutschen Zeitung vom 03. Juli 1996 auch noch unter. Eine sehr gebräuchliche Redensart: Das Opernpublikum will Zuckerbrot, statt Peitsche. Die Münchner Abendzeitung nimmt das sogar in den Titel der Ausgabe vom 03. Juli 1996

 

  1. „Ständig diese sozialen Provokationen! Darf, liebe Landsleute, darf die Oper provozieren? Und schön und erhaben soll die Oper sein.“

 

Das meint der Journalist mir auch so vorwurfsvoll in den Mund legen zu müssen. Damit beweist er auch, dass er eben für Provokationen in den Regiekonzepten eintritt. Das Publikum soll schockiert werden, dieser

überflüssige Feind im Auditorium. Da sind aber sehr namhafte Musikkritiker in der SZ ganz anderer, nämlich meiner Meinung über den Sinn „der schönen Künste“. Ich zitiere einige davon in dieser Schrift.

 

Der mit mir befreundete Leonard Bernstein war mit mir einig in seiner Aussage: „Was haben wir Künstler mit Öl und Wirtschaft, mit Überleben und Ehre zu tun? Die Antwort ist: Alles. Unsere Wahrheit, wenn sie von Herzen kommt, und die Schönheit, die wir aus ihr hervorbringen, sind vielleicht die einzigen wirklichen Wegweiser, die einzigen klar sichtbaren Leuchttürme, die einzige Quelle der Erneuerung der Vitalität der menschlichen Weltkulturen.“ Er hatte das Glück, 1996 nicht mehr am Leben zu sein, sonst hätten ihn am 01. und 03. Juli jenes Jahres die Herren Everding und Matzig – so wie mich – in Grund und Boden vernichtet.

 

Schon am Tag nach Veröffentlichung des vernichtenden Kastens am 03. Juli 1996 in der SZ, der nachweislich meine internationale Karriere beendete, liest man von Gottfried Knapp in derselben Zeitung über die Münchner Opernfestspiele und die dortige Neuproduktion „Simon Boccanegra“ von Giuseppe Verdi: „Regie gegen die Musik. In Verdis Simon Boccanegra geht es um mehr als nur historische Standeskonflikte, es geht um Emotionen, um Liebe und Hass, um Ehre und Verrat. Dafür wäre eigentlich der Regisseur zuständig. Doch von dem kommt keine inspirierende Geste: Tim Albery lässt seine Leute an der Rampe verhungern; und wenn er Regie führt, arbeitet er heimtückisch gegen die Musik. Dass Gabriele, der junge Liebhaber Amelias, ausgerechnet dort, wo er seiner Zerrissenheit in einer leidenschaftlichen Arie Ausdruck gibt, sich auf ein niedriges, schiefes Podest niederlassen muss, ist blanker Zynismus. Zum Glück hat sich Mario Malagnini durch den unbequemen Sitz nicht auch noch stimmlich in die Hocke zwingen lassen.“

Und von „schön und erhaben“ schreibt Joachim Kaiser wörtlich – ebenfalls und nur einen Monat nach meinem Vortrag am 08. August 1996 in der SZ. Erstaunlicherweise (oder vielleicht auch nicht) wurde ich damit schon wieder und ausgerechnet in der SZ mit meinen wirklichen Aussagen zum heutigen Regisseurstheater von Herrn Kaiser vollständig bestätigt. Wir lesen: „Muss man die Kunst vom Sockel holen? Einige Gedanken über Protest und Bewunderung: Ist es angemessen, großer, traditioneller Kunst die Aura des Besonderen wegzunehmen? … Steckt nicht auch Zerstörungslust in diesem Applanieren? … Aufklärer, die für ihre Kulturprodukte Reklame machen, unterschlagen alle Mühe und Arbeit, die geleistet, alle Durststrecken, die in Kauf genommen werden müssen, wenn jemand dem Schönen und Erhabenen so gewachsen sein möchte, dass diese Ansprache sich in Genuss, in Beglückungen und prägende Erfahrungen verwandeln können“. Joachim Kaiser spricht hier vom „Schönen und Erhabenen“, und der Journalist des mich sehr erfolgreich diskriminierenden Kastens schiebt mir genau diese Worte als unmögliche Aussage unter.

Christopher Schmidt kritisiert in der SZ am 14. November 2006 das „Elend der deutschen Subventionskultur“ und wird damit zum Fürsprecher der „Schönen Künste“. So berichtet Schmidt über die Ingredienzien, die ein Muss für zeitkonforme Regiekonzepte sind. An allen Bühnen, meint er, wird Blut zu einer überaus dominierenden Requisite. Dazu werden naturalistisch gefüllte Kotbeutel gereicht. Liebe zeigt sich als Sling-Sex und Vergewaltigung, als Fist- und Foot-Fucking. „Könnte es sein“, fragt Schmidt mit deutlichem Sarkasmus, „dass unser Theater heute das Blut so sehr liebt, weil es selbst blutleer ist?“ Und er wird noch deutlicher: „Nach dem zweifellosen Verlust seiner Relevanz muss das Theater sich heute fragen lassen, welche Zwecke noch seine Mittel heiligen.“ Um dieser Frage auszuweichen, kehre es einfach die Beweislast um und unterstelle seinem Publikum, es sei unaufgeklärt, auch verdrängungsselig, eskapistisch, aufbaubedürftig, konsumgierig, kuschelbedürftig und vollgestopft mit Ressentiments. Diese Vorwürfe könne es nur entkräften, indem es sich erpressen ließe und sich der Tugend enthielte, die das Theater eigentlich vorgäbe, ihm zu vermitteln, nämlich das selbständige Denken.

„Ist das Theater ein Verbrechen“, meint Schmidt weiter, „weil es Auschwitz nicht verhindert hat? Und wieso hat der Mann mit dem gestutzten Oberlippenbart immer noch so viel Macht über uns?“ Das deutsche Theater sei offenbar auf den Hund gekommen.

 

Der Karikaturist Dieter Hanisch wurde gerade jetzt aufgrund einer Karikatur für Netanjahu von der SZ gefeuert. Der Journalist Gerhard Matzig, der mir vor über 20 Jahren nachweislich Falschaussagen in der SZ untergeschoben und mir deshalb privat und beruflich unglaublich geschadet hat, ist heute noch in der SZ als Journalist tätig.

 

Das Wort „Lügenpresse“ führe ich nicht in meinem Vokabular. Eine führende Zeitung in Süddeutschland hat nachweislich und bewusst gelogen und mich dadurch international vernichtet. Herr Matzig nannte meine Rede dumpfdeutsch und deutschnational. Meine Aussagen am 01. Juli 1996 wurden als Tondokument archiviert. Ich besitze eine Kopie davon.

 

Bernd Weikl

 

 

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