Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Eine Migranten-Partei wie „Denk“ in den Niederlanden fehlt in Deutschland

 

Sprachrohr der fragmentierten Minderheiten  Qantara 24.Mai 2019

Niederländische „Migrantenparteien“ zur Europawahl: Sprachrohr der fragmentierten Minderheiten – Qantara.de

Migrantenparteien in den Niederlanden befinden sich derzeit im Aufwind, vor allem die Partei „Denk“ der türkischstämmigen Politiker Tunahan Kuzu und Selçuk Öztürk. Wie lässt sich die anhaltende Popularität der „neuen Europäer“ erklären und worin bestehen ihre politischen Ziele? Antworten von Massimiliano Sfregola

 

 

 

Eine Partei wie die „Denk“ Partei fehlt in Deutschland! Diese Migrantenpartei wurde 2016 in den Niederlanden von den türkischstämmigen Tunahan Kuzu und Selcuk Öztürk gegründet. Sie waren so klug, ihr Parlamentsmandat nach ihrem Austritt 2014 aus der „Partei der Arbeit“ (PvdA) zu behalten, um damit diese „Denk“ Partei Gründung zu ermöglichen.

Vorangegangen waren fragwürdige Anschuldigungen eines mehr als zweifelhaften Positionspapier, dass massiv in die Identität der Minderheit eingriff, sowie die Integration als gescheitert ansah und vom damaligen und heutigen Vorsitzenden der PvdA und Minister für Soziales und Arbeit, Lodewijk Asscher unterstützt wurde.  Das war auch ein Bruch mit der offiziellen Politik der PvdA, die bis dato als „muslimfreundlich“ galt. Pikantes Detail dabei, ist das Asscher, ein „glühender“ Zionist ist und väterlicherseits aus einer bekannten jüdischen Familie stammte, sein Großvater Abraham Asscher war einer der Vorsitzenden des Judenrates Amsterdam, der eine mehr als zwielichtige Rolle in den deutschen Besatzungsjahren 1941-1943 spielte. Tatsächlich wurde Asscher, nachdem er aus dem KZ Bergen Belsen, in die Niederlande zurückgekehrt war, wegen Kollaboration mit den deutschen Besatzern, festgenommen und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Nach der Einstellung des Verfahrens 1947, folgte ein Prozess vor einem jüdischen Gemeindegericht, das ihn der Kollaboration für schuldig befand.

Schon Hannah Arendt, die in ihrem sehr aufschlussreichen Buch „Eichmann in Jerusalem“ in den sechziger Jahren, eine große Kontroverse auslöste, beschäftigte sie sich mehr als kritisch mit den niederländischen und europäischen „Judenräten. Sie beschuldigte diese der Kooperation mit den Nazis und klagte danach in Briefen an Freunden über eine gegen sie gerichtete politische Kampagne des „jüdischen Establishment“ und gezielte Rufmordkampagne gegen ihre Person Alles weil sie die „Wahrheit auf Tatsachenebene“ ausgesprochen hatte. Tatsächlich hält diese Kampagne gegen ihre Person bis heute an und man versucht ihre Thesen als unglaubwürdig darzustellen.

Nichts fürchten die Zionisten mehr als die Wahrheit.

Interessant, wie sich Parallelen zu den heutigen Angriffen und Kampagnen, gegen jüdische Kritiker ziehen lassen. Das also gerade der Enkel eines mehr als umstrittenen Vorsitzenden des „Judenrates“, die Polarisierung und migrationskritische Stimmung schürte, ist mehr als befremdlich. Allerdings fügt er sich in die heutigen Angriffe gerade jüdischer Organisationen, gegen muslimische Migranten und konzertierte Aktionen und Ablenkungsmanöver, um Kritik am „Jüdischen Staat“ zu kriminalisieren. Umso mehr brauchen wir eine „Denk“Partei, in Zeiten von Islamophobie und Fremdenhass.

Wie es scheint, gelang es bei den Europawahlen, den Rechtsextremen Islamhasser und Israel-Freund Geert Wilders, laut ersten Hochrechnungen von 13% auf 4% herunter zu drücken. Am Sonntagabend wissen wir mehr. Ich drücke die Daumen für die „Denk“ Partei.

Evelyn Hecht-Galinski

 

 

 

 

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