Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Gerechtigkeit für Palästina ist so fern wie die „christlichen Werte“ in der Politik Von Evelyn Hecht-Galinski

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Gerechtigkeit für Palästina ist so fern wie die „christlichen Werte“ in der Politik

Von Evelyn Hecht-Galinski

 

Nach der Ankündigung des Trump’schen „Betrugs des Jahrhunderts“ kehrt Ernüchterung und Hoffnungslosigkeit ein. Es ist frustrierend, erleben zu müssen, dass der heuchlerischen Staatengemeinschaft eine angemessene Reaktion als Antwort auf den einseitigen zionistischen Fake-Plan des Jahrhunderts fehlt. Schon der Affront und offene Rassismus, dass kein Palästinenser ins Weiße Haus eingeladen und hinzu gebeten wurde, hätte eine scharfe Reaktion gefordert. Weit gefehlt, man spürte geradezu die Hilflosigkeit und auch Feigheit, die man dieser Vorstellung entgegenbrachte.

 

Zionistische Kolonialisierung nach dem Vorbild rassistischer Kolonialmächte

 

Vergessen wir nicht, noch nie wurde den Palästinensern ein Mitspracherecht über ihr Schicksal gewährt, immer wurden sie zum Erdulden und zur zionistischen Unterdrückung verurteilt. Diesem intelligenten und überaus gebildeten Volk versuchte man mit allen Mitteln alles zu rauben, zu nehmen und ihren Willen zu brechen. Von den in Palästina eingedrungenen Zionisten wurden sie als „schmutzige, faule Bauern“ tituliert, und ganz nach dem Vorbild der rassistischen Kolonialmächte baute man eine eigene zionistische Kolonialisierung auf, die bis heute einmalig in der Welt ist.

 

Schon seit Jahrhunderten versuchten die Kolonialmächte die „Vorherrschaft der weißen Herrenrasse“ zu sichern – mit allen Mitteln. Denken wir nur an Südafrika und die weiße Apartheid, wo es Jahrzehnte brauchte, um diese zu überwinden. Auch wir als Deutsche sollten die britischen Konzentrationslager in Südafrika nicht vergessen, waren die deutschen Nationalsozialisten doch die schlimmsten Nachahmer und Erbauer dieser Konzentrations- und Vernichtungslager im Dritten Reich.

 

Seit Gründung des „Jüdischen Staates“ Israel 1948, die einherging mit der Nakba, der Vertreibung und ethnischen Säuberung Palästinas, wird dieses traurige „Erfolgsmodell“ zionistisch-jüdischer Unterdrückung von „christlichen Staaten und ihren Werten“ vehement unterstützt. Die zionistische Apartheid wird immer ausgeprägter und mächtiger – auch infolge der internationalen „christlichen Werte“-Unterstützung – und ermöglicht die ungebremste Endlösung der Judaisierung

 

Naksa-Tag: ein weiterer trauriger Tag in der Geschichte Palästinas

 

Am 5. Juni, dem Naksa-Tag (was im arabischen „Tag des Rückschlags“ bedeutet) gedenkt das palästinensische Volk alljährlich der Vertreibung, die den Sieg Israels im Sechstagekrieg von 1967 begleitete. Als Folge dieses Krieges übernahm Israel die Herrschaft über das palästinensisch besiedelte Westjordanland und den Gazastreifen, die zuvor von Jordanien annektiert und von Ägypten kontrolliert wurden. Ein weiterer trauriger Tag in der Geschichte Palästinas.

 

Seit der so genannten britischen Balfour-Erklärung, die nur Leid und Spaltung über die Palästinenser brachte und bis heute den Ungerechtigkeiten und der Entrechtung für das palästinensische Volk den Weg ebnete, hat sich nichts zum Besseren gewendet, ganz im Gegenteil. Den Palästinensern wurde nach der Balfour-Erklärung sofort die Pistole auf die Brust gesetzt, und sie waren chancenlos, sich gegen die koloniale Übermacht zu wehren. Schon damals hat man die autochthone Bevölkerung Palästinas nicht gefragt, ob und warum sie bereit sein sollten, ihr Land mit den zionistischen Eindringlingen zu teilen. Warum auch? Die koloniale Macht sah sich wie immer im Recht und hatte die Macht des Stärkeren.

 

Diese Erklärung ermöglichte die Nakba, denn sie gab den Zionisten doch erst das Recht, einen Großteil der palästinensischen Bevölkerung durch Terror aus ihrer Heimat zu vertreiben und den „Jüdischen Staat“ auf verbrannter palästinensischer Erde zu errichten. Damals wie heute betrachtete man die Palästinenser nicht als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe und verweigert ihnen bis zum heutigen Tag ihr legales vom Völkerrecht gedecktes Recht auf Rückkehr in ihre Heimat Palästina. Die internationale Staatengemeinschaft, die sonst vollmundig überall die Menschenrechte, auch mit militärischer Gewalt, einfordert, fürchtet den zionistischen Bannstrahl und schweigt sich feige aus.

 

Nakba muss zur  deutschen Staatsräson werden!

 

Während die aus ihrem Land mit Gewalt und Terror vertriebenen Palästinenser unter schlimmsten Bedingungen in Flüchtlingslagern vegetieren müssen, wird Juden aus aller Welt ein mehr als dubioses „Rückkehrrecht“ nach Israel eingeräumt. Der Holocaust wirkt bis in alle Ewigkeit nach und räumt den Juden und Zionisten Rechte ein, die jeder Legalität entbehren. Diese Tatsache darf nie vergessen werden, trotz des Holocaust oder gerade deshalb. Die Nakba darf und muss im Kontext zum Holocaust gesehen werden, und dieser Zusammenhang, der von der „christlich-jüdischen Wertegemeinschaft“ immer negiert wird, sollte endlich zur deutschen Staatsräson werden.

 

Es sollte uns alle schmerzen, wie die Palästinenser dank Trump, der US-Regierung und der europäischen Staaten „über den Tisch gezogen“ werden und das Interesse für ihre unhaltbare Situation immer mehr in den Hintergrund gerät. Alles genial geplant von der zionistischen Hasbara und ihren christlich-zionistischen Helfern. Der „Jüdische Staat“ hat es geschafft, sich nicht nur als US-Günstling sondern immer wieder auch als kleiner bedrohter Staat darzustellen, was angesichts seiner waffenstrotzenden Armee und seines Atomwaffenarsenals lächerlich und daher eine dreiste Lüge ist. Wahr ist, dass die Sicherheit des „Jüdischen Staates“ in keiner Weise gefährdet ist, denn es ist dieser zionistische bis an die Zähne bewaffnete Aggressionsstaat, der seine Nachbarn Libanon, Syrien, Iran und den Weltfrieden bedroht.

 

Wer hat den Syrien Konflikt mit entfacht, und wer versucht, die Hegemonie über den ganzen Nahen Osten zu gewinnen, was dank US- und auch europäischer und speziell deutscher Unterstützung immer mehr gelingt? Wer lässt Flüchtlinge, außer jüdischen, in Gefängnissen verrecken oder schiebt sie, auch Frauen und Kinder, ohne Rücksicht ab in ihre todbringenden Heimatländer?

 

Erdogan verunglimpfen, aber zu Netanjahu schweigen?

 

Dass hierzulande Linke und Grüne gegen die Türkei hetzen und Erdogan als Despoten und „Sultan“ verunglimpfen – immerhin der Präsident des Landes, das mehr als 3,8 Millionen syrische Flüchtlinge aufnahm – aber zu Netanjahu und seinem Staatsterrorregime, das Flüchtlinge als „Infiltranten“ betrachtet, schweigen, kann ich nur als verlogen bezeichnen.

 

Trotz der Angriffe der „jungen Welt“ wegen meiner Unterstützung für die Türkei und Erdogan, einem der wenigen wichtigen Staatsmänner und westlichen Politiker eines demokratischen Staates, der sich für Palästina und das Ende der israelischen Besatzung einsetzt, werde ich das weiter aus voller Überzeugung tun! Auch sehe ich TRT-Deutsch als wichtigen Gegenpol zu gewissen deutschen Nachrichtenportalen und Medien, und diese linke Tageszeitung sollte sich einmal fragen, ob sie nicht dazu beiträgt, dass sich Türken in Deutschland immer unwohler und in Deutschland unerwünscht fühlen. Jedenfalls fühle ich mich bestärkt durch diese „linke-Kritik“, die mir nur zeigt, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde.

 

Bis heute hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass die Palästinenser als ein Volk ohne Rechte und ohne Anspruch auf Selbstbestimmung behandelt werden. Seit über hundert Jahren wurde dem friedlichen und intelligenten Volk der Palästinenser nur mit Hochmut und rassistischer Missachtung begegnet. Wenn alle Pläne über ihren Kopf hinweg gemacht werden, sollen sie das akzeptieren. Und die palästinensische Führung schämt sich nicht, als williger Kollaborateur der Zionisten mitzuwirken an diesem unhaltbaren Zustand. Was hat es ihnen gebracht? Nur immer mehr Unterdrückung, Landraub und Entrechtung. Besonders infam ist der Versuch, ihr verbrieftes Recht auf legalen Widerstand zu kriminalisieren und mit dem „christlichen Wertekampf“ gegen Terror zu verknüpfen. Dieser „Anti-Terror-Kampf“, der nichts anderes ist als ein Vorwand, gegen Muslime und den Islam als vermeintliche “ Religion des Terrors“ vorzugehen und die „christlich-jüdische Wertegemeinschaft“ als friedfertig hinzustellen. Die Kriegsführung rund um den Globus spricht allerdings Bände! Soviel heuchlerische Verlogenheit ist schwer erträglich und spielt christlichen und jüdischen Rassisten in die Hände.

 

Das „besondere“ Verhältnis zum jüdischen Besatzungs-Apartheid-Staat „normalisieren“!

 

Solange Vertreter des jüdischen Staatsterrorregimes wie der zur Zeit in Deutschland weilende Knesset-Sprecher Juli Edelstein von Bundespräsident Steinmeier, Bundestagspräsident Schäuble, dem AA „Auschwitzminister“ Maas sowie der noch CDU-Vorsitzenden und Kriegsministerin Kramp-Karrenbauer empfangen werden und großräumigen medialen Platz für Interviews in überregionalen Zeitungen wie der FAZ eingeräumt bekommen, in den sie verkünden dürfen: „Ein palästinensischer Staat ist absurd“, sowie die unmittelbare Annexion des Jordantals und der Siedlungen unterstützen (Israel erstellt schon Landkarten mit annektierten Gebieten und die Bundesregierung schweigt), mit dem vielsagenden Satz „Morgen, morgen nur nicht heute sagen alle faulen Leute“, der nicht zionistische Devise sein sollte, dann wird es Zeit, dass endlich das „besondere“ Verhältnis zu diesem jüdischen Besatzungs-Apartheid-Staat „normalisiert“ wird. Das heißt: Keine deutsche Staatsräson für die Sicherheit des „jüdischen Staates“, solange Palästina besetzt ist, und keinen „Staatsempfang“ für Vertreter solcher Staaten, die das Völkerrecht und die Menschenrechte missachten. Für die Gerechtigkeit in Palästina brauchen wir demokratische Werte und keine verlogenen „christlichen“.

 

 

In der Neuen Rheinischen Zeitung (NRhZ) veröffentlicht in Ausgabe 735 vom 12.02.2020 unter http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26561

 

 

Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Zentralratsvorsitzenden der Juden in Deutschland, Heinz Galinski, ist Publizistin und Autorin. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom „Hochblauen“, dem 1165 m hohen „Hausberg“ im Badischen, wo sie mit ihrem Ehemann Benjamin Hecht lebt. (http://sicht-vom-hochblauen.de/) 2012 kam ihr Buch „Das elfte Gebot: Israel darf alles“ heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. Am 28. September 2014 wurde sie von der NRhZ mit dem vierten „Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik“ ausgezeichnet.

 

 

 

 

2 Kommentare zu Gerechtigkeit für Palästina ist so fern wie die „christlichen Werte“ in der Politik Von Evelyn Hecht-Galinski

  1. Liebe Evelyn Hecht-Galinski, ein hervorragender Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft. Ich denke, jetzt hat auch der letzte mitbekommen, was das Geschwafel der deutschen und der EU- Politiker/innen von „christlichen Werten“ bedeutet. Es bedeutet in erster Linie die Ausübung von Macht, Unterdrückung, Vertreibung und Hass auf Palästinenser. Ich frage mich allerdings, was derartige sog. Volksvertreter ihren eigenen Kinden vermitteln, wenn von „christlichen Werten“ die Rede ist. Ich hoffe nicht, das in Europa und Deutschland ganze Generationen von Kriegsverbrechern, denen sog. „christlichen Werte“ u.U. unter dem Diktat des menschenverachtenden Zionismus gar eingeprügelt, herangezüchtet werden!

  2. warum wird Frau Hecht-Galinski nie in talk shows des ö.r. Fernesehens eingeladen wenn es um das Thema Israel, Naher Osten, Palästina geht?

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