Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

„Jüdische Frankfurter fürchten Antisemitismus“

Dieser Brief  von Claudia Karas an den Hessischen Rundfunk blieb bis heute unbeantwortet. Warum wohl?

Guten Tag, Frau Rust,

gestern Abend habe ich Ihren Beitrag in der Hessenschau „Jüdische Frankfurter fürchten Antisemitismus“ gesehen. Darin berichten Sie über die 10jährige „stolze Jüdin“ Luna Lieberberg, die gerne einen Davidstern tragen würde, allein, ihr Vater befürchtet, dass sie deswegen „angegangen werden könnte… ein bisschen zu viel Konjunktiv und wenig Konkretes, finde ich.

Zudem erzählt Luna, dass auch ihr Bruder beim Fußballspielen „schon angefeindet“ worden ist mit „ihr Judenschweine gehören ins Gas…“ und auch der Trainer habe „dann angefangen: „ich breche euch gleich die Nasen.“

Ich gehe davon aus, dass die Eltern dieser kleinen stolzen Jüdin und ihres angefeindeten Bruders sofort diesen antisemitischen Vorfall bei der Polizei angezeigt haben, da ja die Namen des erwähnten „Trainers“ und der Fußballspieler bekannt gewesen sind. Haben Sie da nachgehakt? Würden sie mir das bitte bestätigen, andernfalls ich Anzeige erstellen werde und dann die Polizei den Sachverhalt bei Ihnen erfragen müsste.

Dass Sie in Ihrem Beitrag über „Antisemitismus“ überflüssigerweise die „Anti-Israel-Demonstrationen im vergangenen Dezember verwursten, finde ich mehr als anrüchig, denn es ist erkennbar ein Versuch, legitime Demonstrationen gegen den Trump-Jerusalem-Beschluss und gegen die jahrzehntelange israelische Besatzung Palästinas in die antisemitische Ecke zu drängen. Kritik gegen eine völkerrechtswidrige Besatzung und Unterjochung der einheimischen Bevölkerung hat nichts mit Antisemitismus zu tun. Das hat auch Saidy Naiem von der palästinensischen Gemeinschaft Frankfurt in seinem Statement ganz klar bekräftigt: es geht nicht gegen das Judentum.

Außerdem hätten Sie die Frau Prof. Julia Bernstein, die behauptet, „offene Kritik an Israel würde es Antisemiten leichter machen, ihre Vorurteile auch laut auszusprechen“, fragen können, warum man die jahrzehntelange Besatzung, Landraub und die ethnische Säuberung Palästinas nicht klar und deutlich kritisieren sollte und wie ihrer Meinung nach Kritik an Israel auszusehen habe? Die Leisetreterei gegenüber dem von Israel begangenen Unrecht von Seiten unserer Politiker kennen wir ja nur zu genüge! Nebenbei: das Verbrennen von Fahnen ist nicht strafbar, und Tatsache ist, dass der Davidstern nun einmal mal das Symbol der israelischen Besatzung und ethnischer Säuberung ist, ob Sie das wahrhaben wollen oder nicht, die Palästinenser wissen es seit Jahrzehnten!

Anscheinend hat sich noch nicht in der Hessen-Redaktion herumgesprochen oder man verschweigt es wissentlich: Die angeblichen antisemitischen Rufe in Berlin (und sonstwo) hat es nie gegeben. Das haben dankenswerterweise die Recherchen des Medien-Blogs „Über Medien“ in ihrem Artikel „Massenhafte „Tod den Juden“-Rufe am Brandenburger Tor?“ ergeben. Die deutschen sog. „Qualitätsmedien“ haben einfach den Mist voneinander abgeschrieben.

Zu guter Letzt könnten Sie sich in der Publikation der Bertelsmann-Stiftung darüber informieren, warum es so viele Israelis nach Deutschland zieht – wegen des galoppierenden Antisemitismus? Immerhin ist der zweithäufigste Zweitpass der deutsche!

im Kapitel „Antisemitismus und Antiisraelismus“ (Seite 21) heißt es:„20 Prozent alle Befragten gaben an, Antisemitismus in ihrem Alltag erlebt zu haben“ und führt hierzu 2(!) Aussagen an, die definitiv nicht als Beweis für Antisemitismus herangezogen werden können. „Ich bin mit der Politik Ihres Landes nicht einverstanden.“ und auch nicht der Einwand einer eingewanderten Israelin, „Deutsche reagierten mit Verwunderung darauf, dass sie nur so wenig deutsch könne“. Für sie selbst sei so etwas antisemitisch.“

Leise Zweifel an den erwähnten 20 Prozent Antisemiten werden dann ja auch auf Seite 27 bekundet:

„.. Für die meisten befragten Israelis spielt die Vergangenheit nach eigenem Bekunden kaum eine Rolle. Allerdings erklärt ein relativ hoher Anteil von 20 Prozent, Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht zu haben – bei genauerem Nachfragen stellt sich dann heraus, dass die Erlebnisse oft nicht eindeutig sind und sich auch als Ausdruck genereller Ambivalenz gegenüber Ausländern oder als an der Politik des Staates Israel interpretieren ließen. …“

Mit freundlichen Grüßen und einem solidarischen „Freiheit für Palästina“

Claudia Karas, Frankfurt

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