Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Kulturmesse verbietet Ausstellung der Klagemauer – Mein Brief an den Nürnberger OB Marly

Kölner Klagemauer

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Marly,

tatsächlich war ich nicht überrascht darüber, dass gerade in Nürnberg erneut die Israel-Lobby einen so starken Einfluss nehmen kann, um zu verhindern das eine der wichtigsten Ideen die jemals in Deutschland umgesetzt wurden, um das Unrecht der illegalen Besatzung Palästinas zu dokumentieren, verhindern zu wollen. Habe ich selbst doch gerade in Nürnberg erfahren müssen was es heißt als kritische deutsche Jüdin, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzt, diffamiert zu werden. Ich bin noch heute stolz darauf einen ehrenwerten, anständigen Menschen wie Walter Herrmann in Freundschaft verbunden gewesen zu sein und die Kölner Klagemauer so aktiv unterstützt zu haben. Ich hatte viele prominente Mitstreiter und Freunde, wie den angesehen Diplomaten Stephane Hessel, Alfred Grosser, Rupert Neudeck und nicht zu vergessen Paul Oestreicher, um nur ein paar Namen zu nennen, ebenso wie etwa 350.000 Menschen ihre Solidarität mittels einer Unterschrift bekundeten. Was Herr Dr. Marly bewegte Sie dazu, Einspruch gegen diese Ausstellung „Überall zuerst den Schwächsten dienen, Walter Herrmann und die Klagemauer für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht“, auf der Linken Kulturmesse zu verbieten? Waren Sie jemals auf der Domplatte um die Kölner Klagemauer anzuschauen? Walter Herrmann verdient es nicht auch über den Tod hinaus, verunglimpft zu werden, er war ein Mann des Anstands, der sich sein ganzes Leben für die Schwächsten und Unterdrückten der Gesellschaft einsetzte. Hat doch gerade die Stadt Nürnberg eine mehr als dunkle Vergangenheit? Mein Schwiegervater Hugo Hecht, ein jüdischer „Ur-Franke“ aus Bad Brückenau wurde bereits 1933 in „Schutzhaft“ genommen und enteignet und musste schließlich mit Familie emigrieren, mit nur 10 Reichsmark in der Tasche. Schon damals hörten viele Menschen nur auf das, was ihnen zugetragen wurde. Ich möchte diese Zustände nicht gleichsetzen, aber sehr wohl vergleichen mit den Zuständen im heutigen illegal besetzten Palästina, aber ich möchte doch daran erinnern, dass auch gerade in Israel tausende von Palästinensern in illegaler Administrativ-Haft sitzen, ohne Anklage, ohne Rechte, auch Frauen und Jugendliche! Kein deutscher Politiker spricht diese Ungesetzlichkeit an, warum wohl? Weil er genau weiß, wie danach die zu erwartenden Reaktionen aussehen und ein darauf folgender Karriereknick zu erwarten ist. Gerade ein SPD Politiker wie Sie Herr Dr. Marly sollte sich doch einmal überlegen, ob die Menschenrechte nicht unteilbar sind und auch für Palästinenser gelten, als ebenfalls Leidtragende des Holocaust. Alte Schuld und altes Unrecht kann nicht mit neuem wieder gut und ungeschehen gemacht werden. Wenn die Nachfahren der Holocaust Opfer Verbrechen begehen, muss darauf hingewiesen werden. Leider gibt es nicht viele Menschen, wie meinen leider viel zu früh verstorbenen Freund Walter Herrmann, dessen Andenken ich verteidige, auch mit dieser Ausstellung zu seinen Ehren.

Ich kann nur immer wieder das Lebens Motto meines Vaters Heinz Galinski wiederholen: „Ich habe Auschwitz nicht überlebt um zu neuen Unrecht zu schweigen“!

Walter Herrmann schwieg nicht und ich werde auch nicht schweigen.

Evelyn Hecht-Galinski spendet das Preisgeld von 196 Euro an Walter Herrmann, Initiator der Kölner Klagemauer für Frieden und Menschenrecht
Evelyn Hecht-Galinski spendet das Preisgeld von 196 Euro an Walter Herrmann, Initiator der Kölner Klagemauer für Frieden und Menschenrecht

Aus diesem Grund möchte ich mich einem Appell des Bundesverbands Arbeiterfotografie und der Reaktion der Neuen Rheinischen Zeitung, für die ich selbst auch Kommentare schreibe anschließen. Anneliese Fickentscher und Andreas Neumann sind auch persönliche Freunde von mir, die es nicht verdient haben verunglimpft zu werden. Wir alle stehen gemeinsam für Gerechtigkeit, ganz im Sinne von Walter Herrmann. Die Klagemauer lebt weiter und Walter Herrmann in unseren Herzen auch!

Ich hoffe sehr, dass Sie Herr Dr. Marly nochmals in sich gehen und über ihren Einspruch gegen die Ausstellung nachdenken, zumal ich keine plausible Begründung fand.

Ich wäre auch sehr gern dazu bereit nach Nürnberg zu kommen und mit ihnen öffentlich über die Ausstellung, Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer zu diskutieren

in Erwartung einer Antwort verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

Evelyn Hecht-Galinski

 

 

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Solidarität mit dem Vermächtnis der Kölner Klagemauer und Walter Herrmann!

2 Kommentare zu Kulturmesse verbietet Ausstellung der Klagemauer – Mein Brief an den Nürnberger OB Marly

  1. Wird Herr Dr. Maly in sich gehen und seine Entscheidung revidieren? Zweifel sind angebracht. Auch ich hab ihm geschrieben, warte jedoch noch immer auf eine Antwort. Erkennt er durch seine Empfehlung, die Erinnerung an die Kölner Klagemauer von einer Nürnberger Veranstaltung auszuschließen, nicht, dass er damit antisemitischen Reflexen und Verschwörungstheorien Vorschub leistet? Wer, so fragt sich der Fremde, zieht beim Nürnberger OB hinter der Szene die Strippen? Kann sich die Stadtverwaltung Nürnbergs immer noch nicht aus dem Schatten des unsäglichen Herrn Hamburger befreien?

  2. Glaube kaum dass ein deutscher Politiker da wäre wo er ist, wenn er sich gegen das schreiende Unrecht welches den Palästinensern seit Jahrzehnten durch Juden/Zionisten zugefügt wird artikuliert hätte. Die gesamte jüdische/zionistische Besatzungszone ist ein einziger Stolperstein. Wenn es keine sichtbaren Stolpersteine und Mahnmale gibt gibt es auch kein jüdisch/zionistisches Unrecht. So einfach kann die Welt sein.

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