Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Offener Brief an den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Was noch gesagt werden muss – von Evelyn Hecht-Galinski

Steinmeier photo
Photo by Medienmagazin pro

 

Zu seiner Rede bei der Gedenkveranstaltung des 70. Jahrestag des Kriegsendes vor dem Abgeordnetenhaus in Berlin

Was ist vom Geschichtsverständnis eines deutschen Außenministers zu halten, der in seiner Rede zum Gedenken des Kriegsendes vor 70 Jahren in Berlin , wenn er an die beispiellosen Verbrechen der Shoah erinnert, eine der wichtigsten jüdischen Persönlichkeiten, die mit der Stadt Berlin verbunden waren, einfach unerwähnt lässt?
Es war Heinz Galinski, der jüdisches Leben nach 1945 in Berlin massgeblich wieder aufbaute. Es war Heinz Galinski, der trotz seines Schicksals – seine erste Frau und seine Mutter wurden in Auschwitz vergast, er selbst ist der Hölle von Zwangsarbeit in mehreren Konzentrationslagern entkommen – es sich zum Lebensziel gemacht hatte, nach seiner Befreiung wieder jüdisches Leben in Deutschland aufzubauen.

Heinz Galinski, ein deutscher Jude, ganz besonders mit Berlin verbunden, seit seiner Befreiung in Bergen Belsen 1945, zog es ihn sofort wieder nach Berlin.

Dort wurde er vom damals noch Gesamtberliner Magistrat angestellt und mit der Betreuung der „rassisch“ verfolgten Opfer des Faschismus betraut, unter anderem stellte er auch Erich Honecker, dem späteren Staatsratsvorsitzenden der DDR seinen „Entnazifizierungsschein“ aus.

Bis 1948 lebte Galinski in Ost-Berlin in der Schönhauser Allee, wo es eine Gedenkplakette an seinem ehemaligen Wohnhaus für ihn gibt.

1948 zog er in den Westen der Stadt Berlin, wo er 1949, als die Teilung Berlins faktisch auch die Jüdische Gemeinde in Berlin auseinander riss, der erste  Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin wurde und  dieses Amt bis zu seinem Tod 1992 behielt, außerdem noch Zentralratsvorsitzender der Juden in Deutschland.

Er war seit 1987 Ehrenbürger der Stadt Berlin und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Der Name von Heinz Galinski ist mit der Stadt Berlin, dem Neuanfang von jüdischem Leben in Berlin und Deutschland nach der Shoah eng verbunden und sucht seinesgleichen.

Er gab den überlebenden Juden das Gefühl wieder eine Heimstätte in Berlin zu haben und verabscheute es, auf gepackten Koffern zu leben. Ebenso lehnte Galinski es vehement ab, den Deutschen eine Kollektivschuld an den Verbrechen zu geben

Wie also, Herr Außenminister Steinmeier, können Sie an diesem Tag von einem Wunder dieser Freundschaft mit Juden und Israel nach der Shoah sprechen, Heinz Galinski aber  vergessen?

Ich erwarte von einem deutschen Außenminister ein Geschichtsbewusstsein  und Wissen, dass Sie leider vermissen lassen. So erscheint es mir allerdings als Wunder, dass Sie Außenminister werden konnten.

Ungezügelte  Liebe zu Israel und Juden, Philosemitische Verklärung reichen nicht aus. Im Gegenteil sie schadet den jüdischen Bürgern nur!

Das jüdische Leben blüht nicht durch Bagels in Berlin auf, sondern durch deutsche Juden, wie Heinz Galinski, die dieses Leben zu neuer Blüte brachten. Heinz Galinski und Berlin sind ein Begriff, wie Willy Brandt und Berlin, aber auch dieses Erbe hat die SPD inzwischen verraten und vergessen.


 

 

1 Kommentar zu Offener Brief an den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier

  1. Das Gewicht nimmt eher zu, mit dem Alter. Das Gedächtnis nimmt dafür immer mehr ab. (Erhard Blanck)… passt so gut auf den ein oder anderen der SPD
    – Garde – VERGESSEN – wofür und wogegen die Damen und Herren einmal gestanden haben
    und…… manche „Wunder“ stellen sich ein, wenn nur oft genug „JA“ gesagt wird

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