Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Unvergessen Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer, eine Gratulation Von Evelyn Hecht-Galinski

Eine Gratulation an den unvergessenen Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer
Walter, Du fehlst uns!
Von Evelyn Hecht-Galinski

Am heutigen 26. Januar 2018 wärst Du 79 Jahre alt geworden. Wie gern hätte ich Dir wieder zum Geburtstag gratuliert. Aber das Schicksal wollte es anders. Am 26. Juni 2016 wurdest Du ganz plötzlich durch eine heimtückische Krebserkrankung aus Deinem so aktiven Leben gerissen. Ich weiß, wie gern Du weiter gelebt hättest, um unverzagt für die Kölner Klagemauer auf der Domplatte zu stehen und für Gerechtigkeit im illegal besetzten Palästina und Gaza zu demonstrieren. Als Du eine Anklage bekamst wegen Verstoß gegen den Kinder und Jugendschutz, weil Du Fotos verletzter und getöteter palästinensischer Kinder an der Klagemauer gezeigt hattest, wehrtest Du dich zu Recht. Ja, es waren politische Zensur und Willkür, die ein Exempel statuieren sollten, wenn es um „einseitige“ Kritik an Kriegsverbrechen gegen den „Jüdischen Staat“ geht. Wie schriebst Du in Deiner Verteidigungsschrift: „Ich kritisiere Israel wegen der Missachtung des Völkerrechts und schwerwiegender Menschenrechtsverbrechen, im Einklang mit Amnesty International, der Organisation mit der ich eng zusammenarbeite“. Wie schriebst Du mir? „Die Kölner Klagemauer und das Mahnwachen-Projekt zu Gaza distanzieren sich für jeden erkennbar von Gewalt. Es versteht sich als dringlicher Appell gegen menschenverachtende militärische Gewalt. Es ist keine ‚Gewaltdarstellung‘, sondern korrekt müsste es heißen, es ist eine ‚Gewaltopfer-Darstellung‘.“

2016 feierte die Kölner Klagemauer für Frieden und Völkerverständigung ihr 25jähriges Jubiläum, in dieser Zeit warst Du fast ununterbrochen auf der Domplatte. Du hattest so viele Missstände angeprangert, von Wohnungsnot bis Obdachlosigkeit. Ab 2004 war der Palästina-Konflikt verstärkt Dein Thema. Es gab keinen Anderen, der wie Du ein Mahner an der Klagemauer war, bei Wind und Wetter, auch noch im hohen Alter. Bewundernswert Deine Ausdauer, sie wurde belohnt durch die Verleihung des Aachener Friedenspreises 1998 und den Zuspruch unzähliger Besucher und vieler Prominenter: von Stéphane Hessel bis Lew Kopelew und dem Dalai Lama. Außerdem konntest Du über 500.000 Unterschriften sammeln. Was für ein Zeichen! Auch für die Armen warst Du immer da und engagiertest Du Dich auch in der Suppenküche, immer bereit, um zu helfen und auf Ungerechtigkeiten hinzuweisen.

Man versuchte, Dich mit allen Mitteln von der Domplatte zu entfernen, aber Du  hast widerstanden. Sogar so genannte Unterstützer von der Alten Feuerwache kündigten Dir die Lagerräume und die Freundschaft. Aber Du hattest viele Freunde und Unterstützer, die mit Dir dagegen kämpften, bis zum bitteren Ende!.

Fast wöchentlich bekam ich Deine langen handgeschriebenen Briefe, die mich tief bewegten und beeindruckten. Wo gibt es heute noch einen so regen handschriftlichen Briefverkehr, wie wir ihn pflegten? Ich vermisse Dich, Deine Briefe und die Kölner Klagemauer.

Inzwischen lebst Du weiter in der NRhZ und Deinen Nachlassverwaltern von der Arbeiterfotografie, Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, unseren gemeinsamen Freunden. Woche für Woche erinnern sie an Dich und Dein unvergessenes Werk.

Kurz vor Deinem Tod hast Du noch u.a. die Papptafeln der Klagemauer an das Kölner Stadtarchiv und das Kölner Stadtmuseum geschenkt. Was eine wunderbare Idee, die Deine Feinde, wie besonders den Grünen Philosemiten Volker Beck zu folgender Hass-Aussage veranlasste, die sogar vor Verstorbenen nicht halt macht! “Was man im Rahmen des Demonstrationsrechts dulden musste, muss nun nicht öffentlich verklärt werden.“ Höchstens unter der Rubrik Schandfleck könne er sich ein Exponat im Museum vorstellen, so Beck und weiter: „Die antisemitische Hetze Herrmanns war ein Skandal und ein Trauerspiel. Sie darf nun keineswegs geadelt werden“. Zitat Ende. Auch hatte Beck in einem offenen Brief an Kardinal Rainer Maria Woelki schon scharf kritisiert, dass ein Teil der Kölner Klagemauer anlässlich der Trauerfeier für Walter Herrmann in der Kirche St. Theodor in Vingst ausgestellt werden sollte.

Wie gern hätte ich am 15. November 2016 in Köln mit Volker Beck auf dem Podium gesessen, um für Dich einstehen zu können. Aber das wusste man zu verhindern, warum wohl?

Volker Beck war genau der Richtige für diese verleumderischen Angriffe gegen eine Klagemauer, die er so gut wie nicht kannte, ebenso wie den Verstorbenen, den er sogar nach seinem Tod diffamierte.

Glücklicherweise wird er voraussichtlich im nächsten Bundestag nicht mehr vertreten sein! Etwa ein Zeichen Gottes, oder nur der politischen (NICHT) Unterstützung?

Wie schrieben Anneliese und Andreas in zwei so treffenden Artikeln in der NRhZ?

Am 27. Juli 2016 „Einen Toten ermorden“
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=22983

Am 23. November 2016 „Der Rufmord wird fortgesetzt“
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23320

Inzwischen ist die NRhZ Serie „Die Klagemauer muss leben“ schon bei Folge 96 angelangt. Jede Folge ist eine wichtige Erinnerung.

Die Kölner Klagemauer muss leben (96) – Dokumentation eines Projekts für Frieden, Völkerverständigung und Menschenrecht – NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung – info@nrhz.de – Tel.: +49 (0)221 22 20 246 – Fax.: +49 (0)221 22 20 247 – ein Projekt gegen den schleichenden Verlust der Meinungs- und Informationsfreiheit – Köln, Kölner, Leverkusen, Bonn, Kölner Dom, Kölner Polizei, Rat der Stadt Köln, Kölner Stadtanzeiger, Flughafen KölnBonn, Messe, Messe Köln, Polizei Köln, Rheinland, Bundeswehr Köln, heiliger Vater Köln, Vatikan Köln, Jürgen Rüttgers Köln, Radio Köln, Express Köln, Staatsanwaltschaft Köln, Kapischke Köln, Klüngel Köln, Schramma Köln, Fritz Schramma, Fritz Schramma Köln, Stadt Köln, Kölnarena, Oppenheim, Oppenheim Köln, Privatbank, Privatbank Köln, Sal. Oppenheim, Sal. Oppenheim Köln, WDR Köln, Oppenheim-Esch, Oppenheim-Esch Köln, Oppenheim-Esch-Holding, Oppenheim-Esch-Holding Köln, KölnMesse, KölnMesse Köln, KVB Köln, Ermittlungen, Kommune Köln, Dom Köln, Erzbistum Köln, Kardinal Meisner Köln

www.nrhz.de – Unabhängig, engagiert und kritisch. NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung

Lieber Walter, Du bleibst unvergessen in meinem Herzen, und Dein Projekt für Gerechtigkeit wird nicht untergehen, ebenso wie Die Freundschaft zwischen uns. In diesem Sinn mache ich weiter und werde Dich und Deine Klagemauer immer im Herzen tragen und verteidigen gegen schmutzige Angriffe.

Happy Birthday für einen liebenswerten und wertvollen Menschen und Freund, der leider viel zu früh verstarb! In Memoriam Walter Herrmann, geboren am 26. Januar 1939, verstorben am 26. Juni 2016.

Siehe auch Fotogalerie zum 70. Geburtstag von Walter Herrmann:
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13407

Mehr lesenswerte Beiträge über Walter Herrmann finden Sie hier:
http://sicht-vom-hochblauen.de/?s=walter+herrmann

1 Kommentar zu Unvergessen Walter Herrmann und die Kölner Klagemauer, eine Gratulation Von Evelyn Hecht-Galinski

  1. Sehr geehrte Frau Hecht-Galinski,
    Ihre Zeilen haben mich tief bewegt. Was für ein Verlust!
    Mit Blick auf die aktuelle „politische Klasse“, die eher einer Baumschule für Leute mit moralischen und intellektuellen Defiziten entsprungen scheint, mag man verzweifeln.
    Es bleibt nur zu hoffen, daß nach einiger Zeit die Narben, die diese Menschen Anstand und Humanismus geschlagen haben, verschwunden sein werden.
    Es bedarf offenkundig dringend einer intellektuellen Erneuerungsphase. Diese muß durch eine bewußtere, weniger belogene und verdummte Gesellschaft getragen werden. Das ist dann durchaus noch ein Stück Weges…

    Gut, daß Sie Kraft schöpfen aus dem Mut der wenigen Standhaften – seien sie unter uns oder leider nicht mehr.

    Obwohl dieser Schmutz nicht in die Nähe von Walter Herrmann gehört, gestatten Sie mir bitte zu sagen, daß es schlimm ist, wie sich die Blockwarte und Berufsopportunisten von heute gebärden. Mehr Abscheu kann man wohl vor keinem Ding empfinden. Diese Leute diskreditieren Alles, wofür Andere gebangt und gehofft haben und gestorben sind.
    Für jeden Menschen sollte es einen Platz geben und Frieden. Ich kann das kranke Denkmodell gewisser machtgeiler, geldgeiler Soziopathen nicht entschuldigen.

    Es grüßt Sie herzlich

    Jörg Karkosch

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