Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Völkerrechtswidrige Angaben in der Stuttgarter Zeitung

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Photo by NS Newsflash

Redaktion Stuttgarter Zeitung

Frankfurter Rundschau Leserbriefe

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,

in Ihrer Ausgabe vom  21.12. 2015 bringen Sie einen Beitrag von Inge Günther mit dem Titel “Viel Platz in den Herbergen“.
http://www.fr-online.de/panorama/israel-viel-platz-in-den-herbergen,1472782,32973688.html

In der Frankfurter Rundschau war genau derselbe Beitrag, aber ohne die völkerrechtlich falsche Überschrift, allerdings mit Israel als kleiner Übertitel, was auch eine falsche Bezeichnung ist, da der Artikel von I.G. über das besetzte Bethlehem geht.
Die Redaktion der Stuttgarter Zeitung hat außerdem die Überschrift hinzugefügt:

„Israel – Beim Streifzug durch das vorweihnachtliche Bethlehem fällt Markus Lanz auf, den auch dort das Publikum liebt.“

Seit wann liegt das illegal besetzte Bethlehem in Israel?

Der Internationale Gerichtshof hat in einem Gutachten vom 9.7.2004 festgestellt, dass das Westjordanland von Israel besetztes Gebiet ist (UN: Occupied Palestinian Territories) und
daher die Vierte Genfer Konvention anzuwenden ist, die der Staat Israel 1951 ratifiziert hat.

Der EuGH hat in einem Urteil  vom 25.2.  2010 entschieden, dass das EU-Assoziierungsabkommen nicht für die von Israel besetzten Gebiete Anwendung findet (Az: C-386/08).

Der Bundesfinanzhof hat  in einem am  15.5. 2013 veröffentlichten Urteil  die Entscheidung  des Europäischen Gerichtshofs bestätigt (Az.: VII R 6/12).

Die EU hat  in einer verbindlichen Richtlinie festgestellt, dass  keine EU-Fördermittel für die von Israel besetzten Gebiete  gewährt werden dürfen, da sie nicht zum israelischen Staatsgebiet gehören (EU-Amtsblatt 19.7. 2013).

Das ZDF hatte einen ebenso schweren Fehler begangen und  Bethlehem in Israel angesiedelt, sah sich aber nach einer Vielzahl von Protesten zu einer Korrektur veranlasst:

http://www.heute.de/zdf-in-eigener-sache-korrekturen-37527168.html:

Weihnachten in Bethlehem, 24. Dezember 2015

„Für die ZDF-Sendung „Weihnachten in Bethlehem“ am 24. Dezember, 19.15 Uhr, wurde als Herstellungsland Israel kommuniziert.
Das ist ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen. Wir haben das umgehend korrigiert, Israel als Herstellungsland gelöscht und die Korrektur öffentlich gemacht.
Bei den Dreharbeiten war es dem ZDF ein Anliegen, die Situation in Bethlehem korrekt darzustellen und die politischen wie alltäglichen Probleme offen anzusprechen. Das wird auch in der Sendung deutlich.“
http://sicht-vom-hochblauen.de/antwortbrief-vom-zdf-programmdirektion/

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion der Stuttgarter Zeitung, ich bitte Sie, den Fehler in Ihrer Berichterstattung umgehend durch eine Richtigstellung zu beheben und mir eine entsprechende Mitteilung zu machen.

Ich empfinde es als doppelte Demütigung gegen die besetzten Palästinenser, wenn ihre qualvolle Lage auch noch negiert wird.
Darf ich sie hierzu auch auf zwei besonders eklatante Vorfälle, die die Qualen der Besatzung besonders deutlich machen, hinweisen.
Wir sollten uns fragen,
woran erinnert uns das?
http://sicht-vom-hochblauen.de/die-wuerde-des-menschen-ist-unantastbar-das-gilt-auch-fuer-palaestinenser/

Straßen nur für Juden!

Die Würde des Menschen ist unteilbar, dass gilt auch für Palästinenser!
In Nazi- Deutschland gab es Bänke nur für Arier!
Im „Jüdischen Apartehid-Staat“ gibt es Straßen nur für Juden!

https://www.middleeastmonitor.com/news/middle-east/23004-first-jewish-only-road-in-israel#ja-content

Gerade deutsche Medien, sollten etwas mehr Sensibilität aufweisen, wenn sich traurige Vorgänge wiederholen, die wir hinter uns haben, die aber heute von den Nachfahren des Holocaust im „Jüdischen Staat“ begangen werden.

Ich bitte Sie darüber nachzudenken und meinen Brief auch an Ihre Korrespondentin, Inge Günther weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen vom Hochblauen
Evelyn Hecht-Galinski 


Am 28.12.2015 um 16:38 schrieb STZ-Leserforum:

Sehr geehrte Frau Hecht-Galinski,

Vielen Dank für Ihre Mail. Zu unserem Layout gehört ein fett gedrucktes Wort am Beginn der Unterzeile, Schlagwort genannt. Dies ersetzt nicht die früher verwendete und in anderen Zeitungen übliche Ortsmarke, also eine geografische Angabe, wo die Geschichte spielt, sondern soll ein Schlaglicht auf die Geschichte werfen. Das kann eine regionale Einordung sein oder den Themenkreis der Geschichte charakterisieren.

In diesem Sinne ist die Unterzeile

Israel   Beim Streifzug durch das vorweihnachtliche Bethlehem fällt Markus Lanz auf, den auch dort das Publikum liebt von mir getextet worden.

Keinesfalls sollte damit im Sinne des Völkerrechts die Westbank zu Israel geschlagen werden. Ich war selbst mehrmals in der Region und weiß um die Verhältnisse. Dass man die Unterzeile falsch interpretieren kann, ist natürlich unglücklich und in diesem Sinne wäre auch von meiner Seite  mehr Sensibilität vonnöten gewesen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Fuchs | Ressortleiter Die Dritte Seite

Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH


Sehr geehrter Herr Fuchs,

ich bin entsetzt über Ihre Antwort. Ihre geografische Angabe darüber wo die Geschichte spielt, zeugt von mangelndem Geschichtsbewusstsein und Wissen über das Völkerrecht.
Oder glauben sie wirklich das, was Sie mir da als Antwort schreiben?
Ja, die Schlagzeile wirft tatsächlich ein Schlaglicht auf Ihre journalistische Ignoranz. Warum schreiben sie nicht einfach über das besetzte Bethlehem in Palästina? Versteht doch jeder Leser, oder sollen die Leser absichtlich irregeführt werden? Also soll die de facto Annexion des Westjordanlands in vorauseilendem Gehorsam gegenüber den israelischen Taktgebern anerkannt werden? Herr Fuchs, bitte vergessen Sie nicht, dass Sie ebenso wie die anderen Leitmedien nicht den Israel-Lobbyisten verpflichtet sind, sondern ihren Lesern und Abonnenten! Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum die Zeitungen immer mehr an zahlenden Kunden verlieren?

Sauberer Journalismus sieht anders aus.

Das heutige Verhalten gewisser Medien erinnert mich fatal an frühere Zeiten, als Deutsche schon einmal schwiegen. Also schweigen wir nicht zur ethnischen Säuberung Palästinas und machen uns erneut schuldig an der völkerrechtswidrigen Besatzung Palästinas durch den „Jüdischen Staat“.

Ihre Antwort zeigt mir trauriger Weise, wie tief die  Gehirnwäsche gewisser Stichwortgeber schon gewirkt hat. Ich kann nur jedem mündigen Leser und Medien Konsumenten raten, noch genauer hinzusehen und sich gegen diese  Manipulationen zu wehren, gegebenenfalls auch per Abmahnung, um die Leitmedien an ihre ursprünglichen Auftrag zu erinnern.

Mit freundlichen Grüßen
Evelyn Hecht-Galinski


Sehr geehrte Frau Hecht-Galinski,

meine Antwort war ehrlich und aufrichtig. Ich habe die Politik der israelischen Regierung, die ich in der Tat als unverantwortlich empfinde, schon öfter in der Zeitung kritisiert. Nichts liegt mir ferner, als die Annexion der Westbank anzuerkennen. Das Sie mir nun Lügen und Ignoranz vorwerfen, finde ich bedauerlich. Und ihren Vergleich mit der Nazi-Zeit halte ich für unangemessen.

Mit freundlichen Grüßen

Dieter Fuchs | Ressortleiter Die Dritte Seite

Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH


Sehr geehrte Evelyn Hecht-Galinski,
Herr Fuchs von der Stuttgarter Zeitung braucht tatsächlich Nachhilfeunterricht, sei es in Geographie, Geschichte oder in Politischer Bildung.
Er weiß wohl nicht, wo die frühen Zionisten, bis zum Staatsgründer Ben Gurion, den künftigen Staat zu gründen beabsichtigten: es war im damaligen Palästina (unter britischer Mandatsverwaltung), da es weder den Staat Israel noch den Staat Israel in Palästina gab, war es ihnen überhaupt nicht möglich, einen anderenBegriff als Palästina zu nennen.
Erst am 14./15.Mai 1948 konnte man den politischen Begriff Israel überhaupt benutzen. Der aber hat zu keinem Zeitpunkt das Gebiet bezeichnet, welches wenig gebildete Journalisten, z.B. der Stuttgarter Zeitung, als „Heutiges Israel“ bezeichnen.
Hätte der Journalist Fuchs also einen zweifelsfrei geographischen Begriff benutzen wollen für das Land, in dem Bethlehem liegt, so hätte es nur Palästina sein können.
„Israel“ war hingegen zu keinem Zeitpunkt ein geographischer Begriff, sondern ein  politischer. Jeder halbwegs gebildete Deutscher weiß, wo Palästina liegt, wo Israel liegt, weiß er nur, wenn er den Auslandsteil der Zeitung liest.
Das aber im Krieg 1967 eroberte und besetzte Rest-Palästina nun auch dem Staatsgebiet Israels zuzuschlagen, diese Idee kann allein der israelischen Propaganda oder von ihr hirngewaschenen Köpfen entstammen.
Angesichts der hanebüchenen Unbildung eines Redakteurs der großen Stuttgarter Regionalzeitung erspare ich mir, ihm selbst zu schreiben. Dies umso mehr, als ich ihm nicht zumuten möchte, nun auch mir eine dümmliche Erklärung für seinen Faux Pas zu senden.
Mit lieben Grüßen
Günter
Das schrieb mir mein Freund Günter Schenk,  membre du C.A. du Collectif Judéo Arabe
et Citoyen pour la Palestine – aus Straßburg

 

 

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