Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Vor der „Erlösung Zions“, die „Geulat Zion“, steht die „Erlösung Palästinas“ von der illegalen zionistischen Besatzung!

In Zeiten des Islam-Hasses und eines philosemitischen Antisemitismus bleiben mir die so geliebten „Matze-Klöße“, ein wunderbares jüdisches Traditionsgericht, im Halse stecken. Kann man angesichts von Besatzung, anhaltendem Landraub und Unterdrückung von in Palästina durch Nachfahren jüdischer Flüchtlinge aus Ägypten noch ein Fest feiern, das am Ende der Gebetssprüche fordert: „Nächstes Jahr in Jerusalem“?

Was bedeutet das? In welchem Jerusalem? In dem der fortwährenden jüdischen Besatzung und Judaisierung? Nein, das kann und will ich nicht! Überlieferungen weiterzugeben ist sicher wichtig, aber eine Tradition, die Besatzung, Landraub und Demütigung auf Kosten eines besetzten Volkes negiert, ist ein Verbrechen.

Dieser bekannte Spruch über Jerusalem ist der Beginn einer religiösen, zionistischen „Tradition“, die es von Beginn an, schon längst vor dem Holocaust ohne Rücksicht auf Verluste darauf anlegte, einen „Jüdischen Staat“ für ein „Volk ohne Land, ein Land ohne Volk“ zu erobern. Dieser zionistische Herzl-Gedanke soll im Herbst „feierlich“ begangen werden, wenn Netanjahu nach Basel lädt. Ja, Sie lesen ganz richtig: Er lädt nach Basel! Ja, auch ich frage mich, wie kann dieser „Besatzer-König Bibi“ nach Basel einladen? Ist er etwa in die Schweiz emigriert? Stellen wir uns doch einmal dieses Szenario vor: „Erdogan lädt nach Deutschland ein“. Um wie viel größer wäre die Aufregung darüber, als über türkische Wahlkampfauftritte?

Wenn sich am kommenden Montagabend jüdische Bürger weltweit an den Tisch setzen, um den 1.Seder-Abend des Pessach-Festes im Gedenken an den Auszug der Juden aus Ägypten zu feiern, werden hunderttausende illegal besetzte Palästinenser eingesperrt in ihren Reservaten unfreiwillig an einen Auszug denken. Ich schrieb vor vier Jahren schon einmal einen Kommentar über das Pessach-Fest in Palästina.

„Flüchtlinge waren wir in Ägypten“ schrieb ich 2013, als Netanjahu den „Erfolg“ der damals fast fertig gestellten Sperranlage nach Ägypten pries und schon damals dröhnte: „Kein anderes westliches Land hat es geschafft, die Masseneinwanderung illegaler Migranten zu stoppen, und wir haben dafür gesorgt, dass kein „Infiltrant“ mehr Israels Städte erreicht.“ Infiltrant!

Ja in der Tat, was ist 2017 daraus geworden? Sie haben es geschafft, den „Jüdischen Staat“ in der ethnischen Säuberung und Judaisierung so massiv voranzutreiben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis ganz Palästina „Muslimrein“ sein wird. Inzwischen gibt es weitere Mauern nach Gaza und Gefängnisse für schwarze Flüchtlinge, sowie einen US-Präsidenten Trump, der einen gigantischen Mauerbau plant, um mexikanische Flüchtlinge fernzuhalten, und der ein „Anti-Muslim-Bann-Einreisegesetz“ angeordnet hat, das seinesgleichen sucht. Damit reiht er sich nahtlos ein in die zionistisch-rassistische Mauer- und Abschottungspolitik gegen Muslime, Flüchtlinge und Fremde. Diese „christlich-jüdische“ Allianz wird uns allen noch das Fürchten lehren!

Der „Jüdische Staat“, der als Vorbild für Flüchtlingsintegration hochgehalten wird, und dessen Sicherheits- und Unterdrückungsmaßnahmen als nachahmenswert gesehen werden, übersteigt alles bisher dagewesene. Schließlich hat doch die angeblich „einzige Demokratie“ im Nahen Osten die internationale Flüchtlingskonvention unterschrieben, die auch sie verpflichtet, international rechtliche Standards einzuhalten. Aber wo kein Kläger gegen diesen offensichtlichen Rassismus ist, da kein Richter, alles ist nur Makulatur, ein lächerlicher Papiertiger für den jüdischen Apartheidstaat, diese Ethnokratie nur für Juden!

Nicht nur unterstützen die westlichen Werteheuchler diesen jüdischen Besatzer- und Apartheidstaat, sondern sie überlegen auch noch, seine international völkerrechtlich kritisierten Handlungen zu übernehmen. Nein, diese Israelisierung Deutschlands muss gestoppt werden!

Es reicht wohl nicht, dass wir alle, die sich kritisch mit dieser Unrechts-Politik auseinandersetzen, durch die Israel-Lobby an der Rede- und Meinungsfreiheit gehindert werden sollen, und deutsche Behörden mit ihrem Kotau vor der Israel-Lobby sogar sein Grundgesetz negiert. Schon die Staatsräson für die Sicherheit Israels widerspricht allen demokratischen Gepflogenheiten. wie kann man für die Sicherheit eines Apartheid- und Besatzerstaats einstehen und sich dadurch wieder schuldig zu machen mit einer Rechtsbeugung, und das auch noch von einer deutschen Merkel-Regierungskoalition ausgehend, die immer nur von Werten und Menschenrechten spricht, ja sie auch anderen Regierungen ständig vor die Nase hält, obwohl man sie selbst mit Füßen tritt.

Wenn Kanzlerin Merkel und andere Politiker ständig von der „Zweistaatenlösung“ sprechen, muss man sich fragen: Glauben sie eigentlich, was sie da sagen, oder ist diese abgedroschene Phrase nicht zu einem Kampfbegriff geworden, der nur die teilnahmslose Hilflosigkeit einer verfehlten und feigen Politik zum „Jüdischen Staat“ offen legt, dem das „besondere“ Verhältnis zu Grunde liegt, das das Netanjahu-Regime doch nur brutal ausnutzt, um sich als ewiges Opfer und umgeben nur von Terror darstellt. Wie lange soll dieses Spielchen noch weitergehen, was muss eigentlich noch passieren, bis endlich ein Umdenken einsetzt? Wahrscheinlich nie, denn der Holocaust heiligt alle Mittel, um ein „unheiliges“ Heim nur für Juden auf Kosten der Palästinenser, der einheimischen Bevölkerung, zu schaffen. Der Zionismus kennt nur ein Endziel: eine judaistische Ethnokratie, nur für Juden, was schert man sich da um Flüchtlingskonventionen oder die Nakba, die Katastrophe der Palästinenser? In dieses zionistische Weltbild passen definitiv keine „Ureinwohner“ oder „Infiltranten“.

Dieser Gedanke passt allerdings fatal zu den Bestrebungen „gewisser“ CDU-Scharfmacher, von Jens Spahn bis zur „Burkabeauftragten“ Julia Klöckner, sich für ein Islamgesetz einzusetzen, dass mit unserer Verfassung nicht vereinbar ist! Warum nicht  auch noch auf einem  CDU  „Schwulenbeauftragten“ verlangen, wer da wohl in Betracht käme?

Seit 2013 hat sich im Land der Holocaustopfer die Willkür gegen Palästinenser und unliebsame Flüchtlinge/ „Infiltranten“ so verstärkt, und alles, was an Menschen- und Völkerrechtsverbrechen begangen wird, ist im Rahmen der Terrorbekämpfung und in Einklang mit der „Anti-Terror“-Allianz gerechtfertigt.

Als vor ein paar Tagen zum ersten Mal, mehr als zwei Jahrzehnte nach den Oslo-Verhandlungen und deren Unterzeichnung 1993, vom Netanjahu-Regime der Bau einer neuen Siedlung bekannt gegeben wurde, also der Steigerung von dem Ausbau bereits bestehender Siedlungen, war diese neue, an Unverfrorenheit nicht mehr zu überbietende Dimension der Chuzpe dem Wissen geschuldet, dass nach ein bisschen Kritik von Seiten der heuchlerischen westlichen Wertegemeinschaft nichts mehr nachkommen wird, denn schließlich gilt es, den Mythos des so hilflosen und bedrohten Staates aufrecht zu erhalten.

Nach dieser Ankündigung betonte Netanjahu seinen „Friedenswillen“ und bekräftigte, dass der „nicht genehmigte“ Bau von Siedlungen verhindert würde. Währenddessen wurden im illegal besetzten Westjordanland eben einmal über zweitausend neue Siedlerwohneinheiten genehmigt und neunzig Hektar palästinensisches Land zu „öffentlichem“, also israelischem Land erklärt. Das allerdings ging, wie gewünscht, vollkommen unter, ebenso die Vertreibung von Beduinen, das Morden und die Luftangriffe.

Dass alle Siedlungen illegal sind, geht dank der Hasbara-Propaganda ebenso unter wie die vielen anderen Lügen der Israel-Lobby. Sogar US-Präsident Obama hatte, quasi als Abschiedsgeschenk nach so vielen „Pro-Israel“-Geschenken, eine UN-Resolution ohne das gewohnte Veto passieren lassen, die gemäß internationalem Recht bestätigt, dass alle Siedlungen illegal sind. Wie erwartet, widersprach dessen Nachfolger Trump dieser Definition. Sein Vize Mike Pence hat angekündigt, dass Trump schon daran arbeite, dass der kommende US-Botschafter Friedman nach einem Umzug von Tel Aviv nach Jerusalem endlich dort residieren und von dort aus seine Amtsgeschäfte führen kann.

In die selbe Richtung zielt auch, dass der von den beiden Experten Richard Falk und Virginia Tilley verfasste UN-Bericht, in dem ganz klar begründet wurde, warum Israel ein Apartheidstaat ist und ein Regime, das ganz gezielt auf Spaltung/ Hafrada der Palästinensergruppen setzt. Mit diesen Intrigen verschafft sich das zionistische Regime immer wieder den Vorteil der uneingeschränkten Macht.

Bitter ist und ein schändliches Trauerspiel, dass ausgerechnet der neue UN-Generalsekretär und frühere Chef der portugiesischen Sozialisten, Antonio Guterres, vor dem massiven Druck der Israel-Lobby eingeknickt ist und gezwungen war, sich von dem Bericht zu distanzieren und zudem noch auf der Löschung des Reports aus dem Dokumentenverzeichnis der UN- Kommission bestand. Diese Erpressung wiederum hatte den Rücktritt des UN-Sekretariatsmitglieds, Exekutivsekretärin und frühere jordanische Ministerin Rima Khalaf zur Folge, eine mutige Frau, die sich weigerte diese Willkür hinzunehmen. Wenn Guterres sich jetzt scheinheilig gegen den Siedlungsbau wendet, muss er sich schon fragen, ob er nicht eine große Mitschuld an den Zuständen trägt, und sollte selbst an einen Rücktritt denken!

So ist heute mein schon einmal geäußerter Wunsch zum kommenden Pessach-Fest aktueller denn je. Es reicht nicht, mit dem Holocaust Politik zu betreiben, mit der Tora in der Hand zu polemisieren, die Haggadah vorzubeten, und im selben Augenblick in Palästina weiter eine Besatzung zu betreiben, Land zu rauben, die Menschen zu vertreiben, und eigene Kriege und Verbrechen zu negieren. Die Apartheidmauer muss ebenso fallen, wie die illegale Besatzung sofort beendet werden muss. Ich fordere alle Diaspora-Juden auf, endlich der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und diesem Unrecht Einhalt zu gebieten, anstatt sich blind mit diesem „Jüdischen Staat“ zu solidarisieren, der sich dadurch nur gestärkt fühlt, in dieser furchtbaren Politik fortzufahren.

Mein Trinkspruch für den kommenden Seder-Abend ist daher: „Nächstes Jahr in einem freien demokratischen Staat Palästina“, denn vor der „Erlösung“ Zions“, der „Geulat Zion“, steht die „Erlösung Palästinas“ von der illegalen zionistischen Besatzung! Denn nur das ist die wirkliche „Geulat Zion“, die „Erlösung Zions“ für ein freies Palästina.

1 Kommentar zu Vor der „Erlösung Zions“, die „Geulat Zion“, steht die „Erlösung Palästinas“ von der illegalen zionistischen Besatzung!

  1. Ich bin ja mal gespannt, ob die Schweiz vor dem Vorhaben einer zionistischen Gedenkfeier wieder mal nachgibt oder ob es mal wenigstens einen Versuch gibt, hier wirkliche und ernsthafte Verhandlungen mit Netanjahu und den Zionisten gibt.

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