Sicht vom Hochblauen

Evelyn Hecht-Galinski

Wer einmal/immer lügt dem glaubt man nicht!

Was hat sich eigentlich geändert im „Jüdischen Staat“, nach den Wahlen?

Da hat ein Ministerpräsident Klartext gesprochen und seine wahren Absichten nicht mehr verschleiert. Netanjahu kennt sein Volk und seine Wähler und das hat ihm auch den Erfolg beschert.

Bibi Shows Cartoon of Mass Destruction to UN photo
Photo by DonkeyHotey

Er hat genau auf das richtige Pferd gesetzt, mit rassistischen und faschistoiden Ressentiments die jüdischen Massen zu begeistern. Über Jahre hinweg hat er sich und seinen Anhängern die Felder bestellt, von denen er jetzt die Ernte einfährt. Die Siedler, die in den immer größeren und sich immer mehr ausbreitenden Siedlerblöcken leben, die sich immer sicherer sein können, niemals einen Quadratmeter von dem geraubten und illegal besetzten Land wieder hergeben zum müssen, die jüdischen Wähler, die sich immer mehr in ihrem Rassismus gegen Palästinenser durch diesen „König Bibi“ bestätigt sehen, sie werden frohlocken.

Hat Bibi doch nur den Erwartungen entsprochen, die ein sehr großer Teil der jüdischen Bevölkerung im „Jüdischen Staat“ in ihn gesetzt hat.

Jerusalem bleibt für immer die ungeteilte Hauptstadt eines „Jüdischen Staates“ so tönte er und seine Anhänger doch schon immer.

Wie lange kann eigentlich noch von einem Friedensprozess gesprochen werden, den es doch von „jüdischer Seite“ aus nie ernsthaft gab! Kann etwas gestorben sein, was nie gelebt hat?

Nicht umsonst pilgerte Netanjahu vor der Wahl und nach der Wahl an die Klagemauer, natürlich nicht um zu klagen, warum auch? Sondern um der ganzen Welt zu zeigen, hier sind „wir“ seit 4000 Jahren und an diesem Zustand werden wir auch nichts verändern. Im Gegenteil zeigte er damit der ganzen Welt in seiner Arroganz der Macht, wie er mit Lüge und Wahrheit umgeht.

Vor der Wahl sagte er ganz klar, unter ihm wird es keinen Palästinenserstaat geben, also natürlich auch keine Zwei-Staaten. Nach der Wahl scheint ihm diese Lösung doch wieder möglich!

Sogar der Sprecher von Obama, Josh Earnest, fiel nicht mehr auf Netanjahu und seine Tricksereien herein. Er ließ Netanjahu wissen, dass seine Äußerungen ganz klar gezeigt haben, dass er nicht an einem Palästinenserstaat interessiert sei und dass damit die Grundlage einer gemeinsamen Politik zerstört sei. Besonders angewidert war die Obama-Regierung auch durch die „zynische, spalterische Wahlkampfstrategie“, die in direktem Widerspruch zu den „Werten beider Länder“ stehe.

Mit den Werten und der Politik ist das allerdings so eine Sache!

Wenn Präsident Obama ein Interview gibt und davon spricht, dass die Politik von Netanjahu den „Friedensprozess erschwere“ und die „Zwei-Staaten-Lösung“ der einzige Weg sei, so lässt er leider offen, wo denn dieser Staat eigentlich entstehen und wie er aussehen soll. Und wer ist denn schließlich schuld an der Aufrechterhaltung des Status quo, den der „Jüdische Staat“ ja nur beibehalten kann, weil er eben immer auf die US-Hilfe hoffen kann? So hört sich dieses Interview ganz nett an, aber mehr nicht, und ist letztendlich genauso wertlos, wie viele andere  Vorhaben von Obama, die immer wieder nicht durchführbar waren! (1)

Wenn schon ein EU-Report warnt vor Gewalt in Jerusalem und zu Sanktionen rät, dann ist es zwar bereits 5 nach 12, aber was sind die konkreten Konsequenzen, die sich aus diesen Ratschlägen ergeben für die offizielle Politik gegenüber dem „Jüdischen Staat“? Null Komma Null! (2)

Aber was sich Netanjahu mit der rassistischen Hetze gegen palästinensische Bürger des „Jüdischen Staates“ geleistet hatte, übertraf alles. Er warnte davor. dass Scharen von „arabischen Israelis“ zu den Wahlurnen kämen und dass dann diese Minderheit den „Jüdischen Staat“ unterwandern würde.

„König Bibi und Flaschen-Königin Sara“ konnten auch die berechtigten Vorwürfe, sich auf Staatskosten bereichert zu haben, nichts anhaben. Auch die vielen Skandale von schlecht behandeltem und misshandeltem Personal, nichts konnte das Vertrauen in dieses „rassistische Flaschenpaar“ zerstören! Die jüdischen Wähler in diesem Besatzer-Staat fürchten nur eins:

Frieden mit den Nachbarn und Gerechtigkeit für die Palästinenser. Tatsächlich werden sie ihr Leben lang für das Militär gedrillt und darin bestärkt, überall nur Feinde zu sehen! Israel kann alles und will alles, kann aber nicht mit Frieden zurechtkommen!

Es war daher auch ein großer Erfolg, dass die neue und einzige Arabisch-Jüdische Partei, die „Vereinten Listen“ einen so großen Erfolg errangen und zur drittstärksten Kraft wuchsen, mit 14 Sitzen. Endlich war es dieser Liste mit ihrem Vorsitzenden Aiman Odeh gelungen, die Palästinenser zu mobilisieren, dass sie auch wählen gingen.

Allerdings und das ist das bezeichnende für diese Rassisten im jüdischen Apartheidstaat: Schon vor der Wahl hatten alle jüdischen Parteien es abgelehnt mit dieser Liste zu koalieren! Soviel zu dem Mythos der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“. Genauso verlogen wie die Rede von der Zwei-Staatenlösung oder einem Friedensprozess!

Die einzige Partei, die in diesem schmutzigen israelischen Wahlkampf für ein Friedensabkommen mit den Palästinensern geworben hatte, war die linke Meretz Partei, die gerade einmal über die vier nötigen Mandate kam, die für einen Einzug in die Knesset (Parlament) notwendig sind. Danach trat die Vorsitzende Zahava Gal-On aus Frust zurück!

Bezeichnenderweise gelang es der „Israel Beitenu Partei“ von „Kopf ab-Außenminister“ Avigdor Lieberman noch sechs Sitze zu erlangen, trotz und nach seinen empörenden Äußerungen „illoyale arabische Israelis zu enthaupten“ und die Todesstrafe für „palästinensische Terroristen“ einzuführen!

Aber es gibt ja auch noch den ehemaligen Intimfeind und geschassten Sozialminister Moshe Kahlon und seine „Kulanu- Partei“, der mit 10 Sitzen stark genug ist, um für „König Bibi“ den Königsmacher zu spielen und als Finanzminister zu agieren, denn Rache und neu erworbene Macht schmeckt süß.

Bei uns regt man sich zu Recht über Pegida und islamophobe Gestalten auf, aber der „jüdische Rassismus“ dieser Politiker im „Jüdischen Staat“ wird als „normal“ hingenommen.

Ja, allerdings in diesem „Jüdischen Staat“ gehört er inzwischen zur traurigen Realität!

Wo bleibt übrigens eine Distanzierung von jüdischen Funktionären und Organisationen gegen diese Zustände, wie sie diese ja immer von muslimischen Vertretern gegen „Islamismus und Terror“ fordern? Aber durch die Suche nach dem vermeintlichen Antisemitismus, der überall lauert, geht den jüdischen Vertretern der Sinn für den „eigenen Rassismus“ verloren!

Damit hat sich erneut bestätigt, dass sich Netanjahu und auch Lieberman, ebenso wie viele andere jüdische Politiker nur mit Rassismus und widerlichsten Ressentiments die Belohnung eines Wahlsieges „erhetzen“ konnten.

In dieses „rassistische Potpourri“ gehören dann noch „Siedler König Bennetts Jüdisches Haus“, die religiösen Extremisten Shas und Vereinigtes Thorajudentum, mit denen Netanjahu locker eine für ihn mehr als leicht zu regierende Partei Gleichgesinnter bilden kann, mit 67 von den 120 Knesset Mandaten! Es wäre dann ein Kabinett wie aus der Geisterbahn, mit rechtsradikalen Gruselgestalten der nationalistischen Art.

Ein anderes Mitglied dieser „illustren Gesellen“, nämlich der Likud Abgeordnete Yariv Levin, sprach Klartext über das was uns erwarten könnte. Er berichtete, dass die neue Regierung eine der „Nationalen Einheit“ sein werde, die ohne Angst regieren würde. Was das heißt? Dass es Pläne gibt den Obersten Gerichtshof zu verändern, damit dieser einer kommenden Regierung nicht mehr Gesetzesvorlagen „kippen könnte“. Also verlangte er: „Es ist an der Zeit das Rechtswesen und die Medien zu verändern!

Endlich wird einmal das gesagt, was bisher nur unter der Hand zu hören war: Es wird alles an Rassismus und Rechtsradikalismus positioniert, was in den rechtsradikalen Köpfen brodelt.

Alles muss raus!

Von Netanjahu wird in Erinnerung bleiben, dass er die Wahrheit über seine Politik des „Jüdischen Staates“ ausgesprochen hat, den er schon so lange gegen den Rest der Welt in den Abgrund führt, und das bedauerlicher Weise auch noch erfolgreich! (3)

Es ist zu hoffen, dass diese Art der Aussagen genau gehört und nicht mehr abgetan werden, als Einzelmeinungen, weil es keine sind!

Wann werden mehr jüdische Bürger weltweit aufstehen und wie die jüdische US-Lobby-Gruppe J-Street und ihr Vorsitzender Rick Jacobs sagen: „Netanjahu spricht nicht in unserem Namen“! (4)

Inzwischen ist der „Jüdische Staat“ zu einer Gefahr für die Welt und alle jüdischen Bürger geworden, der mit Angst machen Politik betreibt, Sicherheit verspricht, aber Unsicherheit schafft!

Netanjahu ist ein ideologischer „Spaltpilz“, der schon das Klima, das zu Ministerpräsident Rabins Tod führte, vergiftete und jetzt die endgültige „Klimakatastrophe“ gegen alle andersdenkenden Journalisten und Intellektuelle vollendet!

Er, der „König der Juden“ gegen den Rest der Welt ist ,und für diesen Kurs auch noch belohnt wird von seinem Volk!

Eine große Mitschuld an diesem Drama trägt allerdings auch die Staatengemeinschaft und besonders die USA wie auch Deutschland. Es wäre schließlich nie so weit gekommen mit dieser völkerrechtswidrigen Besatzung, mit diesen rassistischen Ausfällen und mit diesen Angriffen gegen unschuldige palästinensische Zivilisten, hätte man diese nicht mit Solidaritätsbekundungen und Waffengeschenken noch aktiv unterstützt.

Hatte Kanzlerin Merkel doch den „Jüdischen Staat“ immer wieder auf Grund der „Selbstverteidigung“ gewähren lassen, noch schlimmer die Sicherheit des „Jüdischen Staates“ zur deutschen Staatsräson erhoben! Was für eine schreckliche Vorstellung, dass deutsche Politiker und deutsche Soldaten Seit an Seit mit einem „Jüdischen Rassisten- und Besatzer-Staat“ gegen alle demokratischen Grundsätze stehen.

Ich betrachte es als eine Schande, dass immer wieder auf Grund des Holocaust die Politik eines „Jüdischen Staates“ toleriert wird, die nichts aber auch gar nichts mit diesem Andenken zu tun hat, außer dass die Verbrechen dieses „Jüdischen Staates“ langsam immer mehr denen eines totalitären Unrechtsstaates ähneln!

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, 50 Jahre nach Beginn der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen und 67 Jahre nach der Staatsgründung von Israel hat sich eine Konstellation eines Zustandes der Unterdrückung eines anderen besetzten Volkes ergeben, die dieser Beziehung zu einer mehr als fragwürdigen macht.

Es ist an der Zeit, dass die USA nicht nur drohen, sondern auch handeln und dafür eintreten, dass diesem rassistischen Treiben Einhalt geboten wird. Ein guter Anfang wäre es, wenn die USA endlich ihren demokratischen Pflichten nachkommen und auf ihr Veto verzichten würden – wenn eine nächste Resolution gegen die Siedlungspolitik des „Jüdischen Staates“ vor der UNO eingereicht würde.

Noch besser wäre es natürlich, wenn sie für diese Resolution stimmen würden! Schließlich sollte jeder Staat, der sich der Demokratie verbunden fühlt, gegen die völkerrechtswidrigen und illegalen Siedlungen stimmen, dass wäre doch das mindeste! Und dazu gehört, endlich auch die Siedlungen als „widerrechtlich“ und nicht nur „kontraproduktiv“ zu bezeichnen.

Auch die deutschen Formulierungen für die illegal besetzten Gebiete, wie „autonome“ Gebiete sind ein Hohn! Warum wurde der „Jüdische Staat“ nicht schon vor Jahren mit Druck verpflichtet, sich auf die Grenzen von 1967 zurückzuziehen und einen Palästinenser-Staat gründen zu lassen?

So aber bleibt alles, was die USA oder die EU an Druck zu bieten hatten, nur heiße Luft!

Wie sagte schon Ariel Sharon, der verstorbene „Schlächter von Libanon“, am 3. Oktober 2001, zum „Jüdischen Volk“: „Ich möchte euch folgendes sehr klar sagen. Macht euch keine Sorgen über US-Druck, wir, das „Jüdische Volk kontrollieren Amerika, und die US-Amerikaner wissen das“!

„I want to tell you something very clear: Don`t worry about American pressure on Israel. We, the Jewish people, control America, and the Americans know it“

Hat sich daran etwas geändert? Ich warte noch darauf, wie die orthodoxen Juden auf den Messias!

Solange sich auch der größte Krach zwischen den USA und Israel allein auf dem diplomatischen Parkett bewegt, solange sich der „Jüdische Staat“ weiter darauf verlassen kann, als westliches Bollwerk gegen „Terror und Islamismus“ im Nahen Osten Narrenfreiheit zu genießen und sich deshalb weiter auf die finanzielle, militärische, sicherheitstechnische und sonstige Zusammenarbeit und Hilfe verlassen kann, solange können die „jüdischen Staatsterroristen“ weiter ihr rassistisches Unwesen treiben!

Zumal sich „Jüdischer Staat“ und „demokratischer Staat“ ausschließen, genauso wie Zionismus und Demokratie! 

 


 

 

 

(1) http://www.huffingtonpost.com/2015/03/21/obama-huffpost-interview-transcript_n_6905450.html?1426972456

(2) http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-03/israel-jerusalem-eu-bericht-gewalt

(3) http://www.informationclearinghouse.info/article41279.htm

(4) http://www.haaretz.com/jewish-world/jewish-world-news/.premium-1.648176

2 Kommentare zu Wer einmal/immer lügt dem glaubt man nicht!

  1. Während der Oslo-Jahre wuchs die Zahl der illegalen Siedler auf der West Bank und in Jerusalem von 250.000 auf 380.000, während 50 Prozent des Landes dort konfisziert wurden. Die wollten nie einen lebensfähigen Staat, auch nicht die israelischen Friedensnobelpreisträger.

  2. Zwei Tage vor der Wahl in Israel fragte mich jemand: „Was hält du von diesen Wahlen?“ Meine Antwort: „Nichts, nur ein Fake.“
    Alle Zionisten, ob Likud, Labour oder wie die anderen alle heißen, haben nur ein Ziel, und zwar, die Palästinenser raus aus ganz Palästina zu schmeißen. Ich hoffe, dass Netanyahu die Wahl gewinnt. Denn, er sagt es heraus, ganz im Sinne aller Radikalen, dass er keinen Frieden haben will. Dem Westen (USA und Europa) wären die Labour lieber, die zwar immer vom Frieden reden aber die gleichen Ziele verfolgen (verdeckt!!!), genau so wie Netanyahu und Konsorten. Nur Lippenbekenntnisse vorgaukeln. Außer Spesen nichts gewesen. Und der Westen mag sich damit voll zufrieden geben. Zum Beispiel, als noch Kadima gab und Olmert Regierungschef war und Zipi Livni in seiner Mannschaft für Friedensverhandlungen mit Saeb Erekat zuständig war, sagte er einmal zu ihr, nach anstrenden Verhandlungen (die Palästinenser um Mahmoud Abbas sind für ihre großzügige Konzessionsbereitschaft sehr berühmt): „You have now the greatest Israel you ever had.“ Sie, kurz gebunden, aber deutlich: „Not enough.“ Das sagt doch schon alles!
    Deshalb, freue ich mich für Netanyahu, der es offen sagt, dass er keinen Frieden will, und ganz besonders gilt das für den illegalen Siedler und israelischen „Schlächter und Kopfabschleger“, Avigdor Lieberman, der demnächst wieder mitregieren wird. Da „Israel Beituna“ viele Stimmen an Netanyahu verlor, geht der Wunsch des „Henkers“ (er möge sich bei Daesh für einen Führungsposten melden), als Verteidigungsminister, mit am Kabinettstisch zu sitzen, nicht in Erfüllung. Wer weiß, was er sonst noch vor hatte, als Kriegsminister?

    Und nun wie immer, Mahmoud Abbas, dessen Amtzeit längst verschimmelt ist, darf nicht fehlen, wenn es um den Frieden geht und liefert die Krönung. Er verkündet seine „Eingebungs“-Bbotschaft, er werde mit jedem verhandeln, der sich für die „Zwei-Staaten-Lösung“ bekennt. Fragt sich nur, von welcher „Zwei-Staaten-Lösung“ der Konzessionär eigentlich redet?

    Eine letzte Empfehlung an meinem Volk der Palästinenser, kämpft und kämpft und kämpft …

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